Theater im Theater: Mullefluppet-Preis für Herbert Sliwinski

Von: Matthias Hinrichs
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Unverhoffter erster Hauptdarsteller eines turbulenten Abends im Grenzlandtheater: Auch Herbert Sliwinski (2. V.l.) hat am Ende gut Lachen. Mit den schelmischen Akteuren der etwas anderen „Inszenierung“ und den Vertretern des Mullefluppet-Kuartoriums wird der Apag-Geschäftsführer als neuer Mullefluppet-Preisträger ins Rampenlicht gerückt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, seinen ersten – gänzlich unfreiwilligen – Auftritt als tragikomischer „Held der Heimat“ wird der Herr Sliwinski garantiert nicht vergessen. Bei einer buchstäblich bühnenreifen, aber völlig unverhofften Ouvertüre zur Vorpremiere des Märchen-Musicals „Into the Woods“ ist der 60-Jährige gebürtige Öcher, seines Zeichens Chef-Regisseur des städtischen Parkhaus-Ensembles, am Dienstag im Grenzlandtheater zum Shootingstar der völlig anderen Art mutiert: Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski ist Träger des Mullefluppet-Preises der Aachener Zeitung 2014.

Von wegen Märchen: Mit einer rasanten Parade aus (vermeintlichen) Pannen und Peinlichkeiten hat das berüchtigte Mullefluppet-Kuratorium (klassische Besetzung: Marga Render, Dieter Kaspari, Christian Mourad, Albert Henrotte, Michael Cosler und AZ-Redakteur Manfred Kutsch) sein jüngstes Opfer ins gleißende Rampenlicht und damit quasi hinter dasselbe geführt. Denn dass der Preisträger erst einmal mit gar ruchlosem Ränkespiel verladen wird, gehört seit Jahr und Tag zum komödiantischen Konzept.

Das hat‘s in sich. Ein gutes Viertelstündchen lang überschlagen sich die Ereignisse ebenso unverdrossen wie das völlig ahnungslose Publikum – vor Lachen. Zum erlauchten Kreis der Eingeweihten zählen – neben Theaterleiter Uwe Brandt, Mullefluppet-Preisträger 2002 – und „Into the Woods“-Regisseur Urlich Wiggers nämlich nur eine Handvoll höchst talentierter Laiendarsteller, die dem reichlich perplexen zweiten Gastgeber des Abends ein ums andere Mal die Perlen auf die Stirn treiben.

Gemeinsam mit Brandt soll Sliwinski nämlich – eigentlich – nur ein paar Begrüßungsworte zur öffentlichen Vorpremiere des Musicals sprechen, welche die Apag einmal mehr möglich gemacht hat. Er kommt nicht wirklich dazu, bis zuletzt. Denn statt Wiggers übernehmen schon bald Kutsch und Co. die Regie. Die geben vor, den Abend zum Auftakt für eine AZ-Serie über die wunderbare Freundschaft zwischen Wirtschaft und Kultur nutzen zu wollen – per Umfrage nach der Vorstellung.

Da hat Sliwinski den ersten Schrecken bereits vergleichsweise cool weggesteckt. Wegen einer vermeintlich heftigen technischen Panne hat Uwe Brandt die Bühne inmitten der Ansprache fürs Erste fluchtartig verlassen. Aber das ist nur der Auftakt zum turbulenten Intrigantenstadel. Während Sliwinski, nun einsam auf den Brettern, um Fassung ringt, treten auf: drei Feuerwehrleute in kompletter „Kampfmontur“.

Frank Wagemann, Uwe Glasemann und Georg Drue sind „echt“, ihr Spiel ist falsch. „Wo ist der Brand(t)?!“, herrschen sie den perplexen Parkhaus-Chef an. Bevor der mutmaßen kann, ob sie „dem Brandt“ (just entfleucht) oder einem gefährlichen Glutnest nachspüren, stürmen die Männer schon hinaus. Nervöses Kichern im Publikum. Im selben Moment feiert der real existierende, scheinbar schon leicht entnervte Brandt sein „Comeback“.

Mit ihm: AZ-Kollege Kutsch, der das Publikum, siehe oben, nicht „into the Woods“, sondern schnurstracks auf den Holzweg führt. Sein Märchen zum Märchen fliegt noch immer nicht auf – sondern abermals die Tür. AZ-Fotograf Martin Ratajczak (Preisträger 2009) entert die Bühne unter frenetischem Applaus, um ein Foto zum vorgeblichen Zeitungsprojekt zu schießen. Sein Blitzlicht markiert das Signal für Kersten Staas: Natürlich hat der Mann in Reihe 7 den fiesen Komplott mit geschmiedet. Er zeigt sich renitent. „Kein Foto! Ich bin heute nicht mit meiner Gattin hier...“

Verdutzte Mienen, Gelächter. Zum Glück wird der vermeintliche Herr auf Abwegen flugs unterbrochen. Komparsen-Komplizin Claudia Kelmes stellt sich vor als Oberärztin Dr. Gunther – und schickt sich an, Sliwinski auch noch zu beschimpfen: Parkgebühren am Klinikum – das geht gar nicht! Der Leidgeprüfte holt zum x-ten Mal tief Luft. Da platzt dem – echten – Regisseur des Theaterabends der Kragen. Ulrich Wiggers glänzt mit perfekt gespieltem Wutausbruch: „Unverschämtheit – es gibt ein paar Kollegen, die heute hier auftreten wollen!“

Stimmt. Apag-Mitarbeiterin Inge Gabriel-Jürgens erscheint. „Herr Sliwinski, Sie müssen sofort kommen! Die Computertechnik für alle Parkhäuser ist komplett hinüber!“ Das gilt, spätestens jetzt, in gewisser Weise auch für den bedauernswerten heimlichen Helden des Abends – bis das Mullefluppet-Lied aus den Lautsprechern lärmt. Und Kutsch dem jauchzenden Publikum offenbart: „alles nur ein Scherz – Glückwunsch zum Mullefluppet-Preis!“

In dessen Genuss kommt Sliwinski nicht mehr zur Gänze. Er muss sich erst mal bei einem Bierchen erholen. Aber er kommt mal zu Wort – etwas verwirrt noch, aber glücklich: „Ich hatte bis zum Schluss nicht die geringste Ahnung“, sagt er. Und strahlt – endlich: „Meine Familie und ich sind treue Fans der Preisverleihung – dass ich nun selbst ,dran‘ bin, muss ich erst mal verarbeiten...“

Wenigstens dazu sei ihm etwas Zeit gegönnt. Am 3. April erhält Herbert Sliwinski die Mullefluppet-Trophäe bei Kappertz – ehrlich!

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