Theater-Gala spielt rund 15.000 Euro ein

Von: Carolin Kruff
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Temperamentvoll: Als Auktionator versteigerte Dr. Jürgen Linden – unter anderem – eine Rathausführung mit OB Marcel Philipp. Foto: Frank Kind
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Tücken und Chancen: Die blinde Lea Heuser, Das Da Theater-Intendant Tom Hirtz und AZ-Redakteur Bernd Büttgens sprachen über Inklusion. Foto: Frank Kind
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Feinstes Kabarett: „Die Fleddermäuse“ ernteten mit „barrierefreiem Humor“ viele Lacher – und großen Applaus. Foto: Frank Kind

Aachen. Dort wo sonst Opern-Diven inbrünstig ihre Arien singen und tollkühne Helden um ihre Geliebte kämpfen, wurden am Sonntagabend einmal die wahren Geschichten des Lebens auf die Bühne gebracht. Die Aachener Heemann-Stiftung lud zur 4. Spendengala ins Große Haus des Theaters Aachen ein – das Motto lautete: „Inklusion ist zusammen wachsen“.

Das schwierige Thema „Inklusion“ wurde mit einem gelungenen Mix aus interessanten Talks, humoristischen Einlagen, Filmbeiträgen und authentischen Erfahrungsberichten beleuchtet. Durch das Programm führten AZ-Redakteur Robert Esser und Co-Moderatorin Angela Bätz – charmant und unterhaltsam.

Geldscheine geangelt

Zwar wurde im Laufe der Spendengala noch immer keine in Stein gemeißelte Antwort geliefert, was Inklusion eigentlich ist. Dafür nahmen die Besucher am Ende des Abends eine Menge Anregungen mit nach Hause. Als Dank ließen sie viele Spenden im Großen Haus: Rund 15 000 Euro spendeten die 550 Gäste für die Heemann-Stiftung, die Projekte des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Aachen e. V. (VKM) unterstützt. Unter anderem wurden Spenden bei einer „Angelaktion“ eingesammelt, bei der auch Oberbürgermeister Marcel Philipp mit einem Köcher durch die Zuschauerreihen ging. Zudem gab es eine höchst amüsante Versteigerungsaktion mit „Chef-Auktionator“ Dr. Jürgen Linden, der sich als wahrer Auktions-Entertainer entpuppte. Zu ersteigern gab es eine exklusive Rathausführung mit seinem Amtsnachfolger OB Philipp, ein Fußballnationalmannschafts-Trikot mit Original-Unterschriften aller deutschen Nationalspieler und einen Leseabend mit Martin Schultz, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments.

Zu einer richtigen Spendengala gehört aber auch Musik – und diese war allererste Sahne! Die Aachener A-cappella-Gruppe „Mit ohne Alles“ lieferte einige Kostproben aus ihrem neuen Programm „Studentenfutter 2.0“ – witzige, selbstironische und im wahrsten Sinne des Wortes stimmgewaltige Songs, die mitten aus dem Leben erzählen. Für warmen Latin Jazz sorgte die Band Yo Toco um Sängerin Sara Decker, die mit ihrer Samtstimme verzauberte. Mit von der Partie war auch die bekannte Aachener Band „Swing it“ mit Heribert Leuchter und „The Voice“ Jupp Ebert, der zudem mit „Mit ohne alles“ die emotionale Öcher Hymne „Et tröckt mich noh heäm noh ming Käjserstadt“ auf die Bühne brachte. Ein Geburtstagsständchen gab es vom Publikum selbst für Inge Heemann, der Ehefrau des verstorbenen Vereinsgründers, die am Abend der Spendengala ihren 78. Geburtstag feierte. „Eine so tolle Geburtstagsparty habe ich noch nie erlebt“, freute sie sich.

Kein Auge trocken blieb bei dem Auftritt der Kabarettgruppe „Die Fleddermäuse“, die extra für die Spendengala das Stück „Inklusion! Dat is dat!“ getextet hatte. Sie erklärten unter anderem mit „barrierefreiem“ Humor, wie der gemeine „Homo Eilendorfiensis“ am besten in die Aachener Gemeinschaft inkludiert werden könne. Einen gelungenen komödiantischen Schlusspunkt setzte der durch diverse Fernsehauftritte bekannte Comedian Henning Schmidtke – mit Musik, Stimmenparodien und enorm viel Wortwitz. Klasse!

Die eigentlichen Stars des Abends waren jedoch diejenigen, die tagtäglich Inklusion leben und sich für diese einsetzen. So erzählte Lea Heuser, eine blinde Mitarbeiterin des VKM im Inklusionsprojekt „Wir alle – Gemeinsam Leben am Westpark“, im Bühnen-Talk mit Bernd Büttgens, dem stellvertretenden Chefredakteur der Aachener Zeitung, von den Tücken und Erfolgen ihrer alltäglichen Kommunikation. Dzenan Dzafic berichtete eindrucksvoll, wie er mit seinem Studienassistenten und Freund Danni Baumeister den Studienalltag im Rollstuhl bewältigt. Gerade schreibt der Informatik-Student seine Masterarbeit und entwickelt ein Navigationssystem für Rollstuhlfahrer.

Räumlichkeiten und Technik stellte das Theater Aachen für die Spendengala kostenlos zur Verfügung. Das Programm hatte „Kurpark Classix“-Veranstalter Christian Mourad koordiniert. Vor der Bühne wurden eigens Plätze für Rollstuhlfahrer eingerichtet, das gesamte, mehr als vierstündige Programm wurde simultan – und außerordentlich mitreißend – in Gebärdensprache gedolmetscht.

Maria Poquett, die Vorsitzende der Heemann-Stiftung, sprach am Ende der Gala von einem tollen Publikum und einem tatsächlich wunderbaren Abend, der im Spiegelfoyer seinen Ausklang fand. Inklusion ist demnach alles andere als eine Illusion.

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