Theater-Finanzierung: Nächstes Drama ohne Heldentod?

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Uraufführungen sehen wahrlich anders aus. Doch an der „Wiederaufnahme“ der Debatte um die Finanzierung des Theaters Aachen führt offensichtlich kein Weg vorbei – zu erleben in den vergangenen Tagen auf diversen öffentlichen Bühnen wie Stadtrat und Betriebsausschuss. Das klassische Drama namens Zukunftssicherung ist dort im Grunde längst in vollem Gange.

Es trägt zuweilen absurde Züge. Denn die Hauptakteure werden nicht müde zu betonen, dass sie das traurige Stück eigentlich am liebsten aus dem politischen Spielplan streichen würden. Wären da nicht die altbekannten Sachzwänge.

Einmal mehr nämlich muss die Intendanz jetzt tief in die Reservekasse greifen. Rund 800.000 Euro müssen aus den Rücklagen des Eigenbetriebs entnommen werden, um die jüngsten Tariferhöhungen für die knapp 400-köpfige Belegschaft zu stemmen, ohne quasi dem bilanztechnischen Heldentod anheimzufallen. Damit schrumpft das mühsam erarbeitete Polster im Portemonnaie auf höchstens 260.000 Euro.

Das Dilemma: Allenfalls ein Prozent kann das Theater alljährlich fürs Plus in den Lohntüten veranschlagen – real wurde zuletzt aber fast das Fünffache fällig. Und der nächste Dreh an der Tarifschraube wird nicht lange auf sich warten lassen. Konsequenz: Auch eine Erhöhung des Budgets von derzeit bereits fast 20 Millionen Euro aus dem Säckel der Kämmerei wäre eigentlich unerlässlich.

Denn: „Es besteht fast einhelliger Konsens im Rat, dass an der Substanz des Hauses nicht gerüttelt wird“, resümierte der Vorsitzende des Betriebsausschusses für Theater und VHS, CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck. Und erntete dortselbst einmal mehr reichlich Zustimmung. Dies zumal, da sich die Besucherbilanz in der nun ablaufenden Saison mit mindestens 160.000 Gästen weiter außerordentlich erfolgreich entwickelt, wie die Linke unterstrich.

Allein: Das Plazet der Kämmerin zum neuen Wirtschaftsplan lässt auf sich warten. Und zumindest die Piraten scheren aus dem allseits beschworenen Konsens aus: Eine Erhöhung der Mittel käme aus ihrer Sicht einer „Ohrfeige für die Sparbemühungen der Stadt“ gleich. Schließlich hatte jüngst gar die Gemeindeprüfungsanstalt den kommunalen Kassenhütern ins Stammbuch geschrieben, dass die „strukturellen Defizite“ im Gesamtetat nur durch substanzielle Leistungsreduzierungen in den Griff zu bekommen seien.

So forderten die Grünen die Vertreter der großen Koalition auf, Einblicke ins jüngst in Aussicht gestellte brandaktuelle Konzept zur Sicherung des Musenhorts in sämtlichen Sparten zu gewähren – was Letztere ziemlich brüsk zurückwiesen. SPD-Ratsfrau Maria Keller: „Lassen Sie uns erst einmal in Ruhe daran arbeiten. Wir können ja nicht zaubern. Sie können sicher sein, dass wir alles daran setzen, diesen Weg weiterzugehen.“

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