Aachen - Theater aus dem Ostviertel

Theater aus dem Ostviertel

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
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Traut sich wieder an ein schwieriges Thema: die junge Schauspieltruppe des „Chaos-Theaters“, die am 24. Oktober mit „American History X“ Premiere feiert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nachdenklich stimmend und tiefgründig sind die Inszenierungen des „Chaos-Theaters: Seit zehn Jahren packen die Schauspieler aus dem Ostviertel „heiße Eisen“ an, bringen brisante Themen wie Krieg und Rassismus oder Vergewaltigung innerhalb der Familie auf die Bühne.

Unter der Regie von Reza Jafari laufen derzeit die Proben für das neueste Stück: In „American History X“ geht es um Rassismus, um das Abdriften junger Menschen in die Neonaziszene. „Wir spielen ein Stück gegen Rassismus, der die Wurzel von Krieg ist. Neonazismus ist eine Form von Rassismus“, erklärt Jafari, der 40 Jahre Erfahrung in der Theaterarbeit hat.

Zweieinhalb Jahre hat er gemeinsam mit Leili Novi an dem Drehbuch nach der Vorlage von David McKenna gearbeitet. Erzählt wird die Geschichte der Vinyard-Brüder an einem Tag in der amerikanischen Kleinstadt Venice Beach. Der ältere Bruder Derek (Armin Schoof), die frühere Leitfigur der örtlichen Neonaziszene, wird aus dem Gefängnis entlassen, wo er eine Haftstrafe wegen Mordes an zwei Autodieben verbüßt hat. Als er in sein altes Umfeld zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein jüngerer Bruder Danny (Tobias Tillmann) fest in der rechtsextremistischen Szene verankert ist. In zahlreichen Rückblenden gewinnt das Publikum Einblicke in die Vergangenheit der beiden Brüder.

Sehr emotional gerät die Szene im Gefängnis, in der Mutter Doris (Doro Köhn) Derek besucht und ihm erzählt, dass auch sein Bruder in die Neonaziszene abzurutschen scheint. „Für Danny bist Du der Größte. Er erinnert mich immer mehr an dich“, stellt Doris fest. Sie fürchtet, dass ihr Zweitgeborener auf die gleiche falsche Bahn gerät.

Szenenwechsel. In der Schule hat Danny einen Aufsatz über Hitlers „Mein Kampf“ geschrieben. Die Lehrer sind entsetzt. Ein Lehrer will mit ihm nun eine tägliche Einheit „American History X“ durchgehen, trägt ihm als Hausaufgabe einen Aufsatz über seinen Bruder auf. Er soll analysieren, wie es zu dessen Inhaftierung gekommen ist. Der Weg von Derek in den Rechtsextremismus und seine prägenden Erfahrungen im Gefängnis werden näher beleuchtet.

Beeindruckend ist einmal mehr die Bühnengestaltung: Hinter einem Vorhang gibt es Schattenspiel, davor ist das Podest für die Musiker Pascal Fricke und Thomas Hoffmann sowie Sängerin Lucy Schröder. „Zu Beginn war das Chaos-Theater ein reines Jugendtheater, und die Themen waren auf junge Menschen zugeschnitten. Das Interesse an der Schauspielerei war groß, so dass es gelang, immer wieder zwischen acht und 40 Leute auf die Bühne zu bringen“, erzählt Theaterleiter Richard Okon. Viele Schauspieler waren bei fast allen Produktionen aktiv, gleichzeitig kamen immer wieder neue Gesichter dazu. „Die Konstanten waren und sind Reza Jafari und der Licht- und Tontechniker Eric Wieschemann sowie meine Person“, erklärt Okon. Bei den Inhalten habe man sich immer an der Problematik der Menschen in Aachen-Ost orientiert und versucht, ihre Wirklichkeit mit einfließen zu lassen.

„Es gibt in dieser Gesellschaft leider viele negative Themen, und wir bringen hässliche Dinge auf die Bühne, die man eigentlich nicht gerne sehen will. Wir setzen Akzente. Und wenn der Zuschauer dann zufrieden herausgeht, sind auch wir ganz besonders zufrieden“, bringt es Regisseur Reza Jafari auf den Punkt.

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