Aachen - Theater Aachen inszeniert „die bitteren Tränen der Petra von Kant“

Theater Aachen inszeniert „die bitteren Tränen der Petra von Kant“

Von: Eva Onkels
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Fassbinder in der Kammer: Regisseur Martin Schulze inszeniert „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Aus vielen Gründen ist „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ ein interessantes Werk. Rainer Werner Fassbinder schrieb das Theaterstück 1971. 1972 folgte der bekannte Film mit Margit Carstensen als Petra von Kant und Hanna Schygulla als Karin Thimm. Das Stück ist ein reines Frauenstück, alle sechs auftretenden Figuren sind weiblich.

Doch ist das Stück, das am Freitag, 16. Februar, in der Kammer des Theaters Aachen Premiere feiert, kein Stück, das sich nur an Frauen richten sollte, ganz im Gegenteil, erklären Regisseur Martin Schulze und Dramaturg Oliver Held. Es sei ein Werk, das mit „emotionaler Wucht“, so Held, an den Zuschauer herantrete. Es geht um Gefühle, Kontrolle und rationalen Verstand, um die Sehnsucht und das Bedürfnis nach der „schönen Liebe“, wie es Petra von Kant (Elke Borkenstein), im Stück selbst ausdrückt.

Petra von Kant ist eine erfolgreiche Modeschöpferin, die allerdings auf keine glückliche Beziehung zurückblicken kann. Ihr erster Mann starb bei einem Autounfall, von ihrem zweiten hat sie sich kürzlich scheiden lassen. Ihre Freundin Sidonie von Grasenabb (Katja Zinsmeister) stellt ihr eines Tages die bildhübsche Karin Thimm (Judith Florence Ehrhardt) vor, in die sie sich verliebt.

Doch im Verlauf des Stückes stellt sich heraus, dass Thimm die Liebe nicht erwidert, sondern im Gegenteil Petra von Kant ausnutzt, die Beziehung zerbricht. Von Kant kann die Trennung schlecht verarbeiten, so dass ihr gesamtes Umfeld, ihre Tochter Gabriele (Luana Bellinghausen), ihre Mutter Valerie (Doris Pienert) und auch ihre Freundin Sidonie, darunter zu leiden beginnen. Im Stück würden Gefühle nicht nur gelebt, sondern regelrecht „verhandelt“, sagte Schulze.

Es ist keine melodramatische Lovestory, der Zuschauer darf kein emotionssattes Fernsehspiel erwarten, sondern eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Menschen über das Gefühl und den Umgang untereinander. Dies alles auf eine künstlerische, fast künstliche Art, die so typisch ist für Fassbinder. Trotzt aller Künstlichkeit spricht das Stück den Zuschauer direkt an. „Es gibt eine Direktheit in der Rezeption des Zuschauers“, so Held. Es geht dabei nicht so sehr um Geschlechterrollen und Geschlechterklischees, sondern um den Menschen als solchen.

Das Stück, das durchaus autobiografisch zu verstehen ist, könnte genauso gut mit sechs Männern funktionieren, auf die es sich wohl ursprünglich auch bezieht. Nicht nur Petra von Kant als Fassbinder, sondern auch Freunde und Wegbegleiter des Regisseurs, Autors und Schauspielers lassen sich in den Figuren finden. Das Stück ist auch eine Auseinandersetzung um Macht. Wer hat Macht über wen, und wie nutzt diese Person die Macht? Auch das ist ein typisches Fassbinder-Thema.

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