Aachen - Theater 99 zeigt sozialkritische Komödie

Theater 99 zeigt sozialkritische Komödie

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Von bösen Kindern und der Kunst der Zivilisation: „Der Gott des Gemetzels“ im Theater 99 hat großes Konfliktpotenzial. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine geschwollene Oberlippe und abgebrochene Schneidezähne – das ist das Ergebnis einer Prügelei zwischen den elfjährigen Jungs Lars und Malte. Beide kommen aus modern-bürgerlichen Elternhäusern, und natürlich berichten beide Schüler daheim sofort von dem Vorfall.

Malte, das Opfer, und Lars, der Täter. So scheint es. Doch in dem neuen Stück „Der Gott des Gemetzels“ des Theater 99 geht es primär nicht um die Tat, sondern darum, wie die Eltern mit solch einer Situation umgehen. Denn die Komödie von Yasmina Reza wirft einen kritisch-humorvollen Blick auf das Verhalten eben dieser und somit indirekt auch auf das der Kinder.

„Maltes Mutter ist Künstlerin und Schriftstellerin, sein Vater betreibt einen Großhandel für Haushaltswaren. Lars‘ Mutter ist leitende Sparkassenangestellte und ihr Mann erfolgreicher Anwalt. Eigentlich ganz bürgerliche Verhältnisse“, erzählt Schauspieler Wolfgang Merkens. Und so trifft man sich zwecks Klärung des fatalen Faustkampfs zu Kaffee und Kuchen in sachlich-toleranter Atmosphäre – zunächst.

Denn Sticheleien, Reibereien, Wortgefechte und sogar Handgreiflichkeiten verwandeln den Kaffeetisch in ein Schlachtfeld, auf dem jedes Elternpaar seine persönlichen Streitereien offenlegt. „Spannend an der Geschichte ist, dass die Erwachsenen die Schlachten der Kinder austragen. Beide sind richtige Helikoptereltern, die jeden Schritt ihres Nachwuchses genau beobachten“, erzählt Jutta Kröhnert und ergänzt: „Hinter der Fassade brodelt es ganz schön, und schnell wird deutlich, dass es in der Ehe beider Paare einige Probleme gibt“.

Ob der Lars den Malte nun wirklich verprügelt hat, oder ob es das Resultat vieler Provokationen seitens Malte war, wird im Verlauf des Stückes zur Nebensache. Stattdessen zeigt sich, dass ein zivilisiertes Miteinander eine Kunst ist, die bei Weitem nicht jeder beherrscht. Das unterstreicht auch das Bühnenbild, welches eher einem Kinderzimmer gleicht als einem Wohnzimmer. Dementsprechend ist auch das Verhalten der Paare. Und wie heißt es passenderweise so schön: Kinder sind das Spiegelbild der Eltern.

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