Aachen - Theater 99: Ruß auf dem Glanz der drei literarischen Helden

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Theater 99: Ruß auf dem Glanz der drei literarischen Helden

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Odysseus, Orpheus, Baron von Münchhausen – drei Männer der Weltliteratur, von denen man alles zu wissen glaubt. Bei Jutta S.C. Kröhnert kommen sie jetzt selbst zu Wort. Am Samstagabend feierte „In aller Herrlichkeit“ Premiere im Theater 99.

Odysseus – der strahlende Held, der sich nach seiner Penelope verzehrt? Weit gefehlt. Kröhnerts Odysseus ist eher ein Eheflüchtling, der keine Selbstzweifel kennt. Mit dickem Schmerbauch und Glatze zieht er in der Taverne über seine Frau her: Wie sie ihm Vorwürfe macht, dass er erst so spät nach Hause kommt. Dass im Bett nichts mehr läuft, seitdem das erste Kind da ist.

Und dass Penelope ja auch nicht mehr so schön ist, wie sie am Anfang war. Markus Hesterkamp muss zwar das selbstgerechte und frauenfeindliche Männerklischee als Odysseus bedienen, macht das aber sehr gut – besonders wenn er Penelope nachahmt.

Der Fährmann ist Schuld

Maik Schulte alias Orpheus ist eher der verzweifelte Mann. Er hat sich umgedreht, als er seine geliebte Eurydike aus dem Hades führen durfte. Etwas, das ihm strengstens verboten war. Eurydike glitt daraufhin unter Wehklagen zurück in die Unterwelt.

Doch nicht so sehr um sie sorgt er sich. Kröhnerts Orpheus vergeht vor Selbstmitleid: „Ich konnte mich mental gar nicht vorbereiten.“ Und eigentlich hat doch diese Beamtenseele von Charon, der Fährmann, Schuld an allem. Auch Schulte meistert seine ihm zugedachte Rolle gut.

Der dritte im Bunde ist Baron von Münchhausen – auch der Lügenbaron genannt. In ihm zeigt Kröhnert eine männliche Facette, die sanfter, zärtlicher daher kommt. Seine Geschichten vom Pferd, das mit ihm durch die Kutschenfenster springt, oder vom Ritt auf der Kanonenkugel sind nach wie vor amüsant. Und natürlich auch großspurig.

„Wer eine Geschichte erzählt, macht die Welt bunter“, erklärt Thomas van Gent als Münchhausen seine Ambitionen. Wie er und vor allem seine Frau aber unter der Veröffentlichung seiner Geschichten und der Verunglimpfung als Lügenbaron leiden, ist die Kehrseite der Bekanntheit. Auch van Gent überzeugt das Premierenpublikum, auch wenn ihn zum Ende seines Monologs etwas die Konzentration verlässt.

Klischeehaft, aber amüsant

Kröhnert legt Ruß auf den strahlenden Glanz der literarischen Helden. Vielleicht manchmal ein bisschen zu klischeehaft, aber auf jeden Fall amüsant.

Weitere Vorstellungen von „In aller Herrlichkeit“ sind am 19. September um 20 Uhr, 21. September um 18 Uhr, 26. und 27. September um 20 Uhr und 28. September um 18 Uhr. Karten gibt es im Mediastore des Zeitungsverlages in der Großkölnstraße 56.

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