Aachen - „The Sour Taste of Sugar“: Ausstellung in der „ArtCo“-Galerie

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„The Sour Taste of Sugar“: Ausstellung in der „ArtCo“-Galerie

Von: Ines Kubat
Letzte Aktualisierung:
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Für ihre herausragende Arbeit erhielt sie bereits den Unesco-Preis für das Foto des Jahres: Alice Smeets zeigt derzeit ihre unter die Haut gehenden Werke in der „ArtCo“-Galerie am Seilgraben. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Gefährlich heiß züngeln die rot-orangenen Flammen an den noch saftig grünen Halmen des Zuckerrohrs. In ähnlicher Szenerie – inmitten eines Feldes aus Zuckerrohr – ist das Porträt eines Arbeiters zu sehen: starr und ohne merkliche Regung ist der Blick seiner Augen, die so stechend klar in die Kamera blicken.

Dies sind nur zwei Beispiele der ausdrucksstarken neuen Serie „The Sour Taste of Sugar“ der Dokumentarfotografin Alice Smeets. Diese wurde jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt und ist noch bis zum 31. Januar in der Galerie „ArtCo“ am Seilgraben zu sehen.

Und tatsächlich ist es ein eindrücklich bitterer Beigeschmack, den die gebürtige Eupenerin mit ihren Bildern der Zuckergewinnung aufkommen lässt: Entstanden ist die Serie, als Smeets im Jahre 2011 in die Dominikanische Republik reiste und sich dort vor Ort auf den Feldern ein eigenes Bild machen wollte. „Eine weiße Frau, die Creol spricht“, damit war sie bei den überwiegend haitianischen Arbeitern der Plantagen eine absolute Ausnahme und fand so einen direkten Zugang zu den Menschen, die sie ablichtete, berichtet sie. Und wenn sie von den dortigen Arbeitsverhältnissen spricht, kann Smeets eine gewisse Bitterkeit in ihrer Stimme kaum verbergen, die von unmenschlichen Zuständen, Ausbeutung und großer Ungerechtigkeit berichtet. Ihre Bilder deuten dies nur an, denn die Fotografin will die Situation nie unnötig übertrieben darstellen, um Mitleid zu erzeugen. Die Dramatik müsse auch nicht verstärkt werden – denn die Blicke der Personen auf ihren Fotografien sprechen bereits Bände.

Jutta Melcher, Leiterin des Ateliers „ArtCo“, beschrieb einleitend die Arbeit der Fotografin als von hoher Empathie geprägt, denn es gelänge Smeets, mit Respekt und Bedacht das Vertrauen ihrer Fotomotive zu gewinnen. Und genau das speigelt sich in der Ausstellung wider. Neben der neuen Reihe sind auch frühere Bilder der jungen Fotografin zu sehen, wie Motive, die in Haiti entstanden sind, wo Smeets viele Monate im Jahr lebt. Für eines dieser Bilder wurde sie sogar im Jahr 2008 mit dem Unicef-Preis für das Foto des Jahres ausgezeichnet. Die Haiti-Bilder geben einen interessanten und seltenen Einblick in das Leben des armen und von Naturkatastrophen gezeichneten Landes. So erkennt man Armut, Hunger, aber gleichzeitig auch Funken von Normalität. Doch sind es eben mitunter nur kurze Zeichen von Hoffnung, lässt sich doch vom Nachbarbild das bedrückende Gefühl der leeren Blicke zweier Kinder kaum abschütteln.

Menschen in U-Bahnen

Mit kurzen Situationsaufnahmen gewähre Smeets den Zuschauen quasi im Vorbeigehen einen Einblick in den Bruchteil eines Lebens ihrer Fotomotive, so Melcher. Dies sei vor allem bei der dritten Serie der Ausstellung deutlich, in der die Fotografin unter dem Titel „Transit“ Reisende auf ihrem Weg ablichtete: So kontrastiert sie Menschen in den U-Bahnen Londons und Belgiens beispielsweise mit den blanken Füßen eines Wandernden. Gerade hier zeigt sich häufig die Flüchtigkeit der Momente, die Smeets einfängt, wenn sich beispielsweise der Körper eines Mannes durch die Spiegelung von Bus oder Bahn schon aufzulösen scheint, während sein Gesicht noch deutlich erkennbar in die Ferne blickt.

Gerade bei diesen Aufnahmen zeigt sich das besondere Gespür der Künstlerin, die keineswegs unbedacht auf den Auslöser drückt, sondern auf eine stimmige Farbkomposition, tolle Kontraste und einen lebendigen und interessanten Bildaufbau oder das ganz besondere Licht wartet. Daher wird ihr auch am kommenden Donnerstag, 19. Dezember, die diesjährige Presse-Ente des Bezirksvereins Aachener Presse im Deutschen Journalisten-Verband verliehen.

Sowohl die aktuelle Serie „The Sour Taste of Sugar“ als auch „Transit“ sind in zwei Büchern eigens für die Ausstellung gedruckt worden. Beide sind während der Öffnungszeiten der Galerie montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie Samstags von 10 bis 17 Uhr zu erwerben.

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