Teufelskreis Spielsucht gemeinsam durchbrechen

Von: Matthias Hinrichs
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Wenn nichts mehr zählt außer
Wenn nichts mehr zählt außer das Zocken: Zum Aktionstag Glücksspielsucht bietet die Suchthilfe Betroffenen am 29. September eine erste telefonische Beratung mit vier Experten an. Foto: imago

Aachen. Der „Fall René Schnitzler” ist ein besonders prominenter. Mehr nicht. Möglich, dass dem ehemaligen Profi-Kicker aus Mönchengladbach die größte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde, weil er sich als Spieler völlig verausgabt hat - allerdings nicht auf dem Rasen, sondern am Roulette- oder am Pokertisch.

Und so ist Schnitzler jüngst auch in dieser Zeitung zu Wort gekommen - weniger als Sportler, vor allem als Mensch. Er hat dabei einen wichtigen Satz gesagt: „Ich habe meine Karriere beenden müssen, weil ich krank bin.” Denn: „Ich bin spielsüchtig.”


Brigitte Philipps und ihre Kollegin Kristina Latz hören solche Bekenntnisse praktisch täglich. „Im vergangenen Jahr haben wir 92 Klienten intensiv betreut. 76 Menschen haben uns für ein erstes Info-Gespräch aufgesucht”, berichtet die Leiterin der Fachstelle Glücksspielsucht bei der Suchthilfe Aachen. Zurzeit nehmen 14 Männer und zwei Frauen die ambulanten Therapieangebote der Einrichtung von Caritas und Diakonie an der Hermannstraße regelmäßig wahr - mehr als je zuvor, sagt Philipps.

Wie hoch die Zahl der Spielsüchtigen im Raum Aachen ist, ist freilich unbekannt. Doch die Sozialarbeiterinnen sind überzeugt, dass sie in beängstigendem Maße wächst. Im Rahmen des „Aktionstags Glücksspielsucht” am Donnerstag, 29. September, bieten sie Betroffenen und deren Angehörigen daher die Chance, sich unverbindlich und professionell informieren zu lassen. „Wir wollen uns dabei auf Fragen und Probleme von Anrufern konzentrieren, die - in welcher Form auch immer - um Geld spielen”, erklärt Brigitte Philipps.

Vier Experten stehen deshalb von 10 bis 12 Uhr telefonisch zur Verfügung (siehe Info). Denn der fatalen Spirale aus zwanghaftem Zocken, Überschuldung und drohender sozialer Isolation zu entkommen, sei oft nur mit professioneller Unterstützung möglich.

„Für die meisten Spieler ist es sehr schwierig, über ihre Sucht zu reden”, weiß Kristina Latz. Scham und Angst sind vielfach mindestens so groß wie die Verzweiflung angesichts der wachsenden Einsicht, dass die Kontrolle übers vermeintlich selbstbestimmte Leben längst verloren ist.

„In unseren Gruppengesprächen erfahren die Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Das hilft ihnen ungemein, sich zu öffnen und damit auch aus den Erfahrungen anderer zu lernen, die das gleiche durchmachen oder durchgemacht haben wie sie selbst.”

Hier könnten sie deshalb besser ergründen, warum sie nicht mehr Maß halten können, nicht mehr über die Folgen reflektieren, sobald sie ins Casino oder in die Spielhalle gehen. „Indem sie ihr Schweigen brechen, lernen sie viel über die Ursachen ihrer Sucht”, sagt die Expertin. Und haben damit bereits den entscheidenden Schritt getan, um dem viel zitierten Teufelskreis zu entrinnen.

Zum landesweiten Aktionstag Glücksspielsucht am Donnerstag, 29. September, stehen vier Experten von 10 bis 12 Uhr am Telefon zur Verfügung, um Betroffenen und Angehörigen erste Wege aus dem Teufelskreis der Spielsucht aufzuzeigen. Zu Beratungs- und Therapiemöglichkeiten geben Brigitte Philipps und Kristina Latz von der Suchthilfe Auskunft. Speziell zum Thema Schuldnerberatung ist Rita Kattendahl-Lanser von der Caritas-Fachberatung für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten erreichbar. Zudem berichtet ein langjähriger Teilnehmer der Selbsthilfegruppe für Spieler, der seit Jahren „trocken” ist, über seine Erfahrungen. Die Telefonnummern der Berater geben wir im Vorfeld des Aktionstags bekannt.

Die Suchthilfe bietet zum Aktionstag vermehrt auch kurzfristige Termine für Erstgespräche an. Die anonyme Selbsthilfegruppe kommt von 19.30 bis 21 Uhr in der Caritas-Geschäftsstelle, Hermannstraße 14, Raum 10, zusammen. Alle Interessierten sind diesmal willkommen.

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