Tester sind heiß auf Glühwein

Von: Robert Esser
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Saubere Sache: Marcel Schmitz vom Oecher Glühwein-Treff achtet darauf, dass die Temperatur unterm Siedepunkt bleibt. Foto: Andreas Steindl
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Von Robert Esser Aachen. Nachdem die Aachener Polizei am Vortag einen Trickdieb auf den Weihnachtsmarkt geschickt hatte, um vor Taschendieben zu warnen, sind gestern die Lebensmittelkontrolleure angerückt. Fazit am Mittwochabend: Die meisten Glühwein Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nachdem die Aachener Polizei am Vortag einen Trickdieb auf den Weihnachtsmarkt geschickt hatte, um auf etwas andere Art vor Taschendieben zu warnen, sind am Mittwoch die Lebensmittelkon-trolleure angerückt. Fazit am Mittwochabend: Die meisten Glühweinstände sind bestens in Schuss, nur einer der neun Anbieter muss wegen Mängeln mit Nachkontrollen rechnen. „Sagen wir mal so“, formulierte Weinkontrolleur Martin Kühn vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz vorsichtig, „das Verständnis für Grundhygiene war in diesem Betrieb nicht gerade stark ausgeprägt.“

Im Klartext: Es war zu dreckig. Ansonsten gilt: „Aachen ist in Sachen Lebensmittelhygiene im Vergleich mit anderen Weihnachtsmärkten in Nordrhein-Westfalen guter Durchschnitt.“ Zu kritisieren hat man weit weniger als in früheren Jahren. Und für einen Glühweintreff gibt es sogar die Bestnote: „Da konnte man wirklich vom Boden essen, so sauber war das.“ Namen und Standorte will Kühn aber nicht verraten – Datenschutz. Zumal der Glühwein in Aachen durchweg „nicht zu beanstanden ist“, wie es heißt.

Anbieter sind allesamt Profis

„Die Anbieter sind auf den großen Märkten wie hier in Aachen allesamt Profis, die wissen, was wir wollen“, zeigt sich Lebensmittelkontrolleur Simon Pangritz zufrieden. Stundenlang prüft er mit seinem Kollegen Andreas Cavelius vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz der Städteregion – verstärkt durch den Düsseldorfer Spezialisten Kühn – den kaiserstädtischen Budenzauber. Hauptfragen: Ist die Lagerung der Glühweinvorräte vorschriftsgemäß? Funktioniert die Erhitzungstechnik (sechs Anbieter verwenden narrensichere Durchlauferhitzer)? Wie sieht die Hygiene an Theken und Spülmaschinen aus? Und, die Brüsseler Bürokratie lässt grüßen: Liegt eine „Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz“ vor? Früher hieß das schlicht Gesundheitszeugnis. Keine Frage: Die Anforderungen an Lebensmittelbetriebe sind spätestens seit der Einführung umfassender EU-Regeln im Jahr 2004 erheblich gestiegen. Wobei deutsche Behörden im europäischen Vergleich eben auch in Detailfragen als besonders kon-trolltüchtig gelten. So darf etwa ein weißer Glühwein nicht als solcher beworben werden, sondern muss als „Glühwein aus Weißwein“ gekennzeichnet sein.

Marcel Schmitz vom Oecher Glühwein-Treff auf dem Katschhof begrüßt regelmäßige Kontrollen ausdrücklich: „Wir wollen höchsten Standard bieten – beim Glühwein und bei der Lebensmittelhygiene. Wenn das von fachkundigen Prüfern bestätigt wird, tut uns das gut, und es wertet den Aachener Weihnachtsmarkt auf“, sagt er.

Kritischer Siedepunkt

Auf kleineren Weihnachtsmärkten tauchen häufiger Probleme auf. In den kommenden Wochen ziehen zwei Kontrollteams in der ganzen Städteregion von Monschau bis Alsdorf Weinproben, die dann zur Analyse ins Labor wandern. Wenn etwa die Glühweintemperatur über den Siedepunkt von 78 Grad Celsius steigt, karamellisiert der Zucker, Zimt wird bitter – und Alkohol verkocht. Die Folge: Bestenfalls schmeckt das Gebräu schlecht, schlimmstenfalls drohen Gesundheitsgefahren. Zudem: Gesetzlich darf der Mindestalkoholgehalt von 7 Volumenprozent nicht unterschritten werden. Diesbezüglich droht in Aachen wenig Gefahr: In Labortests, die in vergangenen Jahren von der Aachener Zeitung in Auftrag gegeben worden waren, pendelte der Alkoholgehalt durchweg zwischen 9 und 12,5 Prozent. Große Unterschiede gab es allerdings beim Zuckergehalt. Der reichte – je nach Anbieter – von 70 bis 177 Gramm pro Liter. Aber das liegt alles „im grünen Bereich“.

Von Amts wegen stellten die Lebensmittelkontrolleure schon zum Start des Weihnachtsmarktes allen Anbietern ein gutes Zeugnis aus: Reibekuchen, Würste, Fritten, Lebkuchen, Printen etc. gehen hygienisch einwandfrei über die Theken. Was Prüfer Cavelius nicht überrascht: „Die mobilen Speise- und Getränkeanbieter sind oft unterwegs und werden bis zu acht Mal pro Jahr überprüft“, erklärt er. „Normale“ Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und Imbissbuden sind im Schnitt nur alle zwei Jahre dran. Keine Pause gönnt sich Weintester Kühn. Er ist für das ganze Rheinland zuständig. Aachen findet er zwar schön, aber: „Ganz ehrlich: Ich kann Weihnachtsmärkte und Glühwein nicht mehr sehen“, sagt er. Morgen geht‘s nach Krefeld.

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