Testament gefälscht? Bestatter vor Gericht

Von: jab
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Aachen. Von „Ruhe in Frieden” keine Spur: Auf Geheiß eines Aachener Bestatters haben zwei seiner Mitarbeiter in einer klammheimlichen Aktion von einer Verstorbenen Fingerabdrücke auf Blanko-Papieren gesammelt.

Dies zumindest berichtete jetzt ein Zeuge im Prozess um mutmaßlich schmutzige Machenschaften des vor dem Schöffengericht angeklagten Bestatters. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, ein Testament der Dame zu seinen Gunsten gefälscht zu haben, das ihn als Erben eines Mehrparteienhauses auf dem Adalbertsteinweg auswies.

Wie der Zeuge vor Gericht ausführte, hätten er und ein Kollege nach Aufforderung des Chefs zunächst aus der Wohnung der Verstorbenen die Blanko-Papierbögen beschafft, um anschließend die Kühlkammer eines Friedhofes aufzusuchen. Hier habe das behandschuhte Duo den Deckel des Sarges geöffnet. Einer habe die Hand der Verstorbenen gehalten, der andere die Papiere in Position gebracht.

Die „fertigen” Bögen seien alsdann in Klarsichtfolie in einem Regal des Bestattungsunternehmens abgelegt worden. Geld als Belohnung für diesen ungewöhnlichen Dienst habe es nicht gegeben, so der Zeuge. Dieser beschrieb den Kontakt zwischen seinem Chef und er alten Dame zu deren Lebzeiten als freundschaftlich.

Der Bestatter habe für die Seniorin Einkäufe erledigt oder sie von Zeit zu Zeit auf ihren Wegen im Alltag begleitet. Er habe einen Schlüssel zu ihrer Wohnung gehabt. Nach ihrem Tod tauchte besagtes handschriftliches Testament auf. Ein Schriftgutachten soll nun klären, ob es aus der Feder des angeklagten Bestatters stammen könnte.

Dieser schweigt zu den Vorwürfen gegen ihn. Das „geerbte” Haus ist inzwischen aus Insolvenzgründen für 100.000 Euro verkauft worden. Der Verkehrswert war ursprünglich auf knapp 240.000 Euro geschätzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten neben der Testamentsfälschung auch 34 Fälle des gewerbsmäßigen Betruges und der Untreue vor.

Der 47-Jährige soll mit ihm anvertrauten zweckgebundenen Geldern Bestattungs- und Grabkosten in Höhe von insgesamt 100 000 Euro nicht bezahlt und statt dessen private Finanzlöcher gestopft haben. Der Prozess wird am 12. Juni fortgesetzt. Weitere Termine reichen bis in den Juli hinein.

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