Aachen - Test: Wie kindertauglich ist der CHIO?

Test: Wie kindertauglich ist der CHIO?

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
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Vor allem kleine CHIO-Besucher wie Julia gibt es in der Soers jede Menge zu bestaunen. Für Mama Verena Richter erweist sich der Weg übers Turniergelände als erfreulich unkompliziert. Foto: Harald Krömer
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Viel größer als die Kuscheltiere daheim: Von Plüschpferd Karli, dem CHIO-Maskottchen, ist Julia völlig fasziniert.
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Auf den gepflasterten Wegen rollt der Buggy problemlos, im Schotter geht‘s etwas beschwerlicher vorwärts.

Aachen. Kein Zweifel: Weltweit genießt der CHIO einen unumstritten guten Ruf als exzellentes Reitsport-Ereignis mit Top-Athleten und Top-Pferden. Der Öcher allerdings hat einen ganz eigenen Blick auf seinen „Tschio“, für ihn ist es eher wie ein Familienfest, etwas das jedes Jahr stattfindet, auf das man sich freut und das man schon von Kindesbeinen an kennt. Doch wie geeignet ist der CHIO wirklich für Kinderbeine? Für die „Nachrichten“ wollte ich das genau wissen.

Also geht‘s los mit Baby und Buggy, Regenschutz und Sonnencreme – man weiß ja nie beim Aachener Wetter – in Richtung Soers. Meine Tochter Julia ist anderthalb Jahre alt, Pferde kennt sie bisher fast nur aus ihren Bilderbüchern. Das soll sich jetzt ändern.

Unser erster Stopp ist ein Shuttleparkplatz, an dem wir wie viele andere Leute auf den Bus warten, der uns zur Soers bringt. Der Einstieg in den Bus verläuft problemlos, auch weil ein netter Herr einfach mal mit anpackt. Dabei hätte ich auf unseren Kinderwagen auch verzichten können. Die Aseag verleiht an ihrem Infostand auf dem Tivoli-Vorplatz kostenlos Buggys gegen eine Kaution von zehn Euro. Ein angenehmer Service, wenn kleine Beine mal müde werden.

Auch das nächste Hindernis, den Einlass, nehmen wir locker, weil es nicht nur die engen Drehkreuze gibt, sondern auch offene Durchgänge, an denen Mitarbeiter die Karten kontrollieren. Und so haben Julia und ich es in etwa 20 Minuten vom Parkplatz auf das Turniergelände geschafft.

Das ist wegen des überwiegend gepflasterten Bodens mit dem Kinderwagen gut passierbar, etwas mühseliger wird es auf dem grauen Schotterboden. Aber auch das ist im Grunde kein Problem, und so können wir am Rande des Fahrstadions gleich die ersten Vierspänner beobachten. Julia ist begeistert und deutet mit ihrem Ärmchen immer wieder in Richtung der Kutschen. Doch der Kinderwagen wird ihr jetzt zu eng, sie will laufen.

Also nehme ich sie mal aus ihrer eigenen Kutsche und mache mich mit ihr auf den Weg ins Springstadion. Da ist mächtig viel los, wir ergattern einen der letzten freien Plätze am Zaun und beobachten die Reiter auf ihren Pferden. Das heißt: Julia beobachtet die Reiter und die Pferde, ich hingegen beobachte andere Eltern mit kleinen Kindern. Davon gibt es jede Menge. In einer Ecke stehen fünf Kinderwagen, kaum zwei Meter weiter parken die nächsten. Stolze Väter haben ihre Töchter und Söhne auf den Armen oder Schultern, umsichtige Mütter versorgen den Nachwuchs mit Obst und Getränken – also doch ein Familienfest.

Nette Ordner

So sieht das auch Sarah Schmidt, sie ist mit Sohn Felix (fünf Jahre) und Tochter Melina (elf Monate) zum Turnier gekommen. „Das machen wir eigentlich jedes Jahr“, sagt die Aachenerin. Probleme hatte sie noch nie, die Ordner seien nett und auskunftsfreudig, es gebe Wickelräume und mit dem CHIO Kids Club sogar die Möglichkeit, die Kinder betreut spielen zu lassen. Dieser Kids Club ist an der Rückseite der AM-Tribüne zu finden. Kinder von vier bis zwölf Jahren können dort spielen, basteln, toben und malen, wenn ihre Eltern sie dort vorher angemeldet haben. Felix findet das super, ist aber auch gerne mit Mama und Schwester im Stadion. Auf die Frage, was er denn am besten findet, sagt der Knirps strahlend: „Karli“.

Das CHIO-Maskottchen treffen Julia und ich auch. Am Beginn der Zeltstadt ist auf einer Tafel vermerkt, wann Karli hier das nächste Mal vorbeischaut. Julia ist jedenfalls begeistert, ich hätte eher vermutet, dass das 2,30 Meter große Plüschpferd meiner Tochter nicht ganz geheuer ist. Doch die Kleine strahlt und streichelt wie selbstverständlich Karlis Hand.

Nur eine Sache vermag ihre Begeisterung noch zu steigern: Der Springbrunnen in der Zeltstadt. Angesichts der 25 Grad und des prallen Sonnenscheins verstehe ich zwar Julias Wunsch, die Schuhe auszuziehen und zu planschen. Aber weil sie dann total nass wäre, will ich sie vom Springbrunnen wegtragen – ein schwerer Fehler.

Julia beschwert sich lautstark und will sich überhaupt nicht mehr beruhigen. Jetzt ist guter Rat teuer. Mir ist der Tobsuchtsanfall hochnotpeinlich, ich ernte dafür auch ein paar mitleidige Blicke anderer Besucher, treffe aber auch auf Menschen, die sich bemühen, Julia aufzumuntern. Das dauert allerdings eine ganze Weile, zwischenzeitlich hatte ich schon befürchtet, unser kleines Experiment abbrechen zu müssen.

Irgendwann ist es aber wieder gut, und wir können weiter das Gelände und die Zeltstadt erkunden. Die spricht größtenteils die Großen an, doch in manchen Zelten kann man gezielt für die Kleinen einkaufen: Kleidung und Spielzeug etwa. Geld lässt sich ohnehin ganz gut ausgeben an den vielen Eis-, Essens-, Süßigkeiten- und Getränkeständen. Wer das nicht möchte, kann aber auch selbst etwas mitbringen. An vielen Stellen gibt es Sitzgelegenheiten und Tische. Nett ist es aber auch im Restaurant. Dort ist man durchaus auf die Kleinen eingestellt, es gibt Kinderstühle, und die Angestellten zeigen sich hilfsbereit, wenn man sie bittet, ein Gläschen aufzuwärmen.

Sauberer Wickelraum

Wir müssen jetzt aber erst einmal einen ganz anderen Ort aufsuchen. Julia braucht eine frische Windel, und wir suchen einen Wickelraum. Davon gibt es vier – drei in den Tribünen des Springstadions und einen im Deutsche-Bank-Dressurstadion. So ist der nächste Wickelraum auch schnell gefunden. Der ist zwar eher karg, aber funktional. Es gibt alles, was man braucht: Wickelauflage, Waschbecken, Seife, Papierhandtücher und Mülleimer. Und sauber ist es auch, das ist die Hauptsache.

Nach dem Wickelstopp wird es dann auch langsam Zeit, den Heimweg anzutreten. Zum Auto gehen wir dieses Mal zu Fuß, Julia brabbelt vor sich hin, ich bin müde, aber zufrieden. CHIO und Kinderbeine – das geht sehr gut. Wir kommen gerne wieder, nur den Weg am Springbrunnen vorbei, den werden wir dann meiden.

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