Tennisklub Kurhaus Aachen visiert sechste Meisterschaft an

Von: Robert Esser
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Erinnert an die spannende Vergangenheit des TKK: Präsident Markus Winkler. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn Fans einen Ballwechsel im Tennis als „großes Kino“ rühmen, besitzt das in Aachen buchstäblich Tradition. Ein echter Hingucker eben. Einer der ältesten Plätze der Stadt lag nämlich auf einem Gartengrundstück hinter dem ehemaligen Lichtspielhaus „Thaliatheater“ in der Franzstraße – ganz in der Nähe des heutigen Eden-Kinos.

1890 wurde Aachens erster Tennisverein, der Lawn-Tennisclub, von Tuchfabrikanten gegründet. 1936 löste sich jener Club auf und schloss sich dem TK Kurhaus Bad Aachen 1932 e.V. an, der sich vier Jahre zuvor im Hotel „König von Spanien“ in der Kleinmarschier-straße gegründet hatte. Deswegen darf sich der TKK heute ältester Tennisclub der Stadt nennen – was vergangenes Jahr zum 125-jährigen Jubiläum mit einer großen Party auf dem mondänen Clubgelände im Kurpark an der Monheimsallee gefeiert wurde. Seit 84 Jahren liegt dort der Vereinssitz. In diesem Jahr sind die Augen der Club-Verantwortlichen nach vorne gerichtet: Anvisiert vom ältesten und erfolgreichsten Sportclub der Stadt wird 2016 die Deutsche Meisterschaft in der 1. Tennisbundesliga – es wäre die sechste für das Erstliga-Team, das Lambertz-Alleininhaber Dr. Hermann Bühlbecker seit Jahren sponsert.

Dabei dürfte die Anlage in der kommenden Saison so voll wie selten zuvor werden. Besonders am Freitag, 8. Juli, wenn der TKK in der 1. Tennisbundesliga gegen Aufsteiger TK Blau-Weiss Aachen im ersten Lokalderby dieser Art antritt, wird die Anlage wohl aus allen Nähten platzen. Bis zu 2000 Zuschauer könnten dann den Weg in den Kurpark finden, rund 1000 finden Platz auf dem Center Court. Damit wird nun ein ganz neues Kapitel in den TKK-Annalen aufgeschlagen.

„Die Presse schwärmte 1938 von dem neuen Meisterschaftsplatz mit 800 Sitzplätzen, auf dem damals im August ein internationales Turnier zwischen Belgien, Holland und Deutschland stattfand“, erinnert der heutige TKK-Präsident Markus Winkler an die Vereinshistorie. Und fügt hinzu: „Dabei hatte sich auf deutscher Seite der Aachener Lokalheld Bubi Hirtz – auch Alemannia-Fußballer neben dem legendären Reinhold Münzenberg – auf Tennis spezialisiert.“

Naturgemäß hat sich viel geändert in den vergangenen Jahrzehnten. In den 50er Jahren wurden Jugendliche, die nicht in blütenweißer Kleidung aufschlugen, des Platzes verwiesen. Und immer wieder tauchte Prominenz auf. 1955 gab es ein Schauturnier mit vielen ehemaligen Größen und Legenden des Tennissports in Aachen. Bejubelt wurden die ehemalige Nummer 2 der Weltrangliste, Gottfried von Cramm (damals bekanntester deutscher Sportler nach Max Schmeling), sein Doppelpartner Henner Henkel, Horst Buchholz und der englische Tennisstar Fred Perry.

Jahre bevor Mitte der Achtziger Boris Becker und Steffi Graf Wimbledon gewannen und in Deutschland einen wahren Tennisrausch auslösten, freute sich der TK Kurhaus schon über seinen Mitgliederrekord. „Ende der 70er Jahre erreichte unser Verein den Höchststand mit 441 Mitgliedern“, erinnert Winkler. Die Nachfrage war im folgenden Jahrzehnt so groß, dass in Aachen im Winter sämtliche Tennishallen überbucht waren und deswegen auf dem TKK-Freiluftgelände eine riesige Traglufthalle in Betrieb genommen wurde, um die Nachfrage zu befriedigen. Mit dem Karriereende von Becker und Graf endete der Boom. 1998 zählte der Verein kaum noch 200 Mitglieder – darunter nur 28 Jugendliche.

Dank Tennisbundesliga (seit 1996) – forciert vom heutigen Ehrenpräsidenten Karl-Dieter Fister, der 20 Jahre lang TKK-Vorsitzender war und 67 Jahre Vereinsmitglied ist – und dank intensiver Nachwuchsarbeit erholte sich der Club prächtig. Mit Unterstützung des Hauptsponsors Bühlbecker und vielen Ehrenamtlern sowie einem hochkarätigen Profiteam holte der TKK fünf Deutsche Meisterschaften und drei Vize-Titel. An diese Erfolge will man nun mit dem langjährigen TKK-Spieler und neuen Trainer Dominik Meffert anknüpfen. Winkler betont, dass das Vereinsleben insgesamt mindestens so wichtig sei wie das Erstligatennis auf Weltklasseniveau. „Beides funktioniert hier nur Hand in Hand, wir verstehen uns als große Familie“, erklärt er.

Dass dies funktioniert, belegt die Mitgliederstatistik. Über 300 Aktive unterstützen den TKK, darunter 94 Jugendliche. „Das Durchschnittsalter liegt aktuell bei 18 Jahren“, stellt Winkler fest. Und natürlich spielen heutzutage genauso viele Männer wie Frauen, Jungen wie Mädchen Tennis. Auch das hat in Aachen übrigens Tradition. Erste Damen nahm der Lawn-Tennisclub als Vorgänger des TKK bereits 1892 auf. Man ist im Bilde. Darum wird nächstes Jahr wieder 125-jähriges Jubiläum gefeiert...

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