Tempo gefordert: Gewoge holt beim Wohnungsbau auf

Von: Robert Esser
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Spatenstich im Juni: So soll das Dreiländer-Carrée mit 122 Wohnungen an der Vaalser Straße am Jahresende 2015 aussehen. Fotomontage: Gewoge

Aachen. Die Linke spricht von einem Skandal und wirft Wirtschaftsdezernent Dr. Manfred Sicking (SPD) vor, er würge eine öffentliche Debatte über den Mangel an preiswerten Sozialwohnungen ab. Mit Hinweis auf „Nichtzuständigkeit“ habe der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss unter Vorsitz von Dr. Ralf Otten (CDU) entsprechende Anträge der Linken kurzerhand von der Tagesordnung gestrichen.

„Schlechten Stil“ wirft Sicking umgekehrt der Linken vor. Deren Vorwurf sei „Quatsch“. Wiederholt sei im Ausschuss über preiswerten Wohnraum und auch über die Rolle der Gewoge als Aachens größtes Wohnungsunternehmen debattiert worden. Stadt und Sparkasse halten über 90 Prozent der Gewoge-Anteile. Die Gewoge müsse schneller und mehr Sozialwohnungen bauen, fordern Kritiker. Sicking verweist darauf, dass solche strategischen Fragen in der Verantwortung des Gewoge-Aufsichtsrates liegen.

Zum Beispiel bei der morgigen Sitzung: Die Weichen für große Projekte sind gestellt. Gewoge-Vorstand Bernd Botzenhardt ist längst aus den Startlöchern. Er spricht von einer „fast unbeschreiblichen Erfolgsgeschichte“. Die Gewoge habe seit seinem Amtsantritt 2008 nicht nur Hunderte ihrer rund 4700 Wohnungen saniert und energetisch modernisiert, sondern sich komplett umstrukturiert, um zudem endlich wieder Neubauvorhaben stemmen zu können, sagt er.

Über reine Instandhaltung hinaus seien die Investitionen bis 2013 auf rund 9,5 Millionen Euro pro Jahr geklettert - 250 Prozent mehr als vor fünf Jahren. „Die Gewoge-Wohnungen - plus von uns betreute städtische Wohnungen sind das knapp 8000 - gehören den Aachenern. Es war dringend erforderlich, diese Werte zu erhalten und zu vergrößern“, erklärt er. In früheren Jahren wurde dies vernachlässigt. Wobei der durchschnittliche Quadratmeter-Mietpreis von 4,75 Euro auf diesem niedrigen Niveau gehalten werden soll.

Tempo ist gefragt: Ebenso bei Neubauten, die seit 2011 geplant werden. „Ohne die Unterstützung von Sparkassenvorstand Hubert Herpers und OB Marcel Philipp wäre das nie möglich gewesen“, sagt Botzenhardt. Denn die Geschäftsstrategie ist ein komplexer Balance-Akt: Einerseits erwarten die Gesellschafter lukrative Gewinnausschüttungen. Diese kletterten 2013 noch einmal von zuletzt 2,8 auf stattliche 3,5 Millionen Euro. Auf der anderen Seite nimmt man den sozialen Auftrag ernst, obwohl Bau und Vermarktung preiswerter Wohnungen weniger Rendite versprechen.

„Wenn der Aufsichtsrat unsere Projekte gewissenhaft zwischen Wirtschaftlichkeit und Sozialauftrag abwägt, dauert das seine Zeit. Alles andere wäre einer sorgfältigen Quartiers- und Stadtentwicklung nicht angemessen“, erläutert Botzenhardt. Dass sein 2013 verpflichteter zweiter Gewoge-Vorstandskollege seit Monaten krankheitsbedingt fehle, habe Arbeitsabläufe etwas verzögert. In der 50-köpfigen Gewoge-Belegschaft wurde indes die Zahl der Architekten und Ingenieure von vier auf elf Festangestellte erhöht.

So konnten im großen Stil - nicht nur in Aachen-Nord - reihenweise Häuser auf Vordermann gebracht werden. Im Juni gibts den ersten Spatenstich für die Erweiterung des Dreiländer-Carrées an der Vaalser Straße. 122 Wohneinheiten entstehen dort bis Ende 2015 auf 8900 Quadratmetern für 16,9 Millionen Euro - inklusive 1000 Quadratmeter Gewerbefläche. Sozialer Wohnungsbau steht bei der Quartiersentwicklung an der Stolberger Straße im Vordergrund.

Anstelle maroder 50er-Jahre-Gebäude sollen dort für 13,8 Millionen Euro 75 Wohnungen auf 6700 Quadratmetern entstehen. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, kann der Aufsichtsrat grünes Licht geben. Geplante Fertigstellung: 2016.

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