Templergraben: Millionen-Pflaster platzt auseinander

Von: Robert Esser
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Erhebend? Am Templergraben löst sich die Fahrbahn. Foto: M. Jaspers

Aachen. Holterdiepolter kaputt: Gut zwei Jahre nach der stolzen Einweihung des neu gepflasterten – und lange umstrittenen – Templergrabens, der nicht mehr „Shared Space“ heißen durfte, löst sich das 2,5 Millionen Euro teure Straßenbauwerk in seine Bestandteile auf.

Die Basaltsteine aus Fernost drängen aus den Fugen, liegen in Einzelfällen schon lose auf dem Straßenbelag. An vielen Stellen des kaum 200 Meter langen Straßenstücks vor RWTH-Hauptgebäude und Super C sind Kanten und Ecken aus Quadern abgeplatzt. Schäden für Fahrrad- und Autoreifen nicht ausgeschlossen.

Neben einem (ebenfalls im Zuge der Baumaßnahme für 900.000 Euro erneuerten) Kanal ist der Straßenboden vor einem Telekomschacht schon um mehrere Zentimeter abgesackt. Offenbar hält auch der Unterboden den Belastungen durch über 100 Busse und tausende Autos täglich nicht stand. Für die Firma, die den Templergraben zwischen Zebrastreifen und Wüllnerstraße umbauen sollte, ist das nun zutage tretende Desaster keine Überraschung.

Das Geilenkirchener Bauunternehmen Tholen hatte schon 2013 davor gewarnt, „dass es nicht halten wird“ – und die Arbeiten zeitweise niedergelegt, auch weil man zu wenig Basaltsteine bestellt hatte. Jetzt legt Seniorchef Willi Tholen nach: „Die Schlauberger von Stadt und Ingenieurbüro wussten damals ja immer alles besser. Wir haben die mit Engelszungen angefleht, dass man den Unterbau stabiler machen muss. Aber die haben ihr Unvermögen ja auch noch verteidigt“, sagt der Firmenchef. Tholen betont: „Zum Glück haben wir jede Gewährleistung ausgeschlossen, schriftlich! Das entsprach einfach nicht der Regelbauweise, die für uns wie eine Bibel ist.“

Das damals von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro Achten und Jansen wirbt noch heute auf seiner Webseite mit seinem Referenzprojekt: „Hochwertige Gestaltung des Templergrabens und angrenzender Parkflächen mit Naturstein (ca. 10.500 Quadratmeter) entsprechend dem Exzellenzcharakter der Technischen Hochschule.“

Falls sich das Büro nicht die ebenfalls bröckelnde (und deshalb eingerüstete) Fassade des RWTH-Hauptgebäudes zum Vorbild genommen hat, dürfte das Ziel nebenan deutlich verfehlt worden sein. Zumal auch die in den Boden eingelassenen Linien – Beleuchtungsakzente namens „Science Line“ – nicht funktionieren und vergammeln.

In jedem Fall dürfte der Templergraben, dessen Umbau sich damals durch Planungsfehler und Streitereien zwischen Stadt und Baubeteiligten über Jahre in die Länge zog, bald wieder zur Baustelle werden.

„Wir als Stadt werden die Verfugung der Basaltsteine nachbessern müssen“, räumt Axel Costard vom Presseamt ein. Aber: „Die vereinzelten Abplatzungen an den Pflastersteinen sind auf Mängel beim verwendeten Material zurückzuführen. Diese müssen vom Bauunternehmer im Zuge der Gewährleistungspflicht ausgetauscht werden“, erklärt er.

Auch bei den Absenkungen an den Schächten zum Kanal und zu den Telekomleitungen müsse der Bauunternehmer die Verdichtungen nachbessern. „An diesen Bauwerken konnte man nicht mit schwerem Gerät arbeiten.“ Diese Fehler hätten jedoch nichts mit der damaligen, grundsätzlichen Diskussion um Bauklassen zu tun, so Costard, denn der Templergraben sei anhand der tatsächlichen Verkehrsbelastung ausgeschrieben und gebaut worden. Man bereite eine „Mängelrüge“ vor und wolle diese den Verantwortlichen – Architekten, Ingenieure und/oder Baufirma – zukommen lassen. Denn die Reparatur kann teuer werden.

So wie in Mönchengladbach: „Dort hielt das neue Pflaster an Markt und Hindenburgstraße auch nicht“, erinnert sich Tholen. Was Mönchengladbachs Stadtsprecher Wolfgang Speen ausdrücklich bestätigt. Die Gladbacher Lösung: Der Bereich wurde kurz nach der „hochwertigen Aufpflasterung“ – holterdiepolter – asphaltiert.

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