Aachen - Templergraben: Kurz vor Baubeginn Protest gegen „Shared Space”

Templergraben: Kurz vor Baubeginn Protest gegen „Shared Space”

Von: Stephan Mohne
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Bald eine „GemeinschaftsstraÀ
Bald eine „Gemeinschaftsstraße”: Der Templergraben soll vor dem Super C und dem TH-Hauptgebäude zu einer gemeinsamen Fläche für alle Verkehrsteilnehmer Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Beschlüsse sind nach rund zwei Jahre dauernden Diskussionen inklusive Bürgerbeteiligung längst gefallen, der Baubeginn steht kurz bevor. Doch plötzlich rollt eine Protestwelle los, die sich zum Beispiel in Bürgerbeschwerden - unter anderem am Mittwoch im Stadtrat - und einem politischen Antrag manifestiert.

Es geht um das Projekt „Shared Space” am Templergraben im Bereich zwischen Wüllner- und Schinkelstraße, also vor dem RWTH-Hauptgebäude und dem Super C. Dieser Bereich soll zu einer Zone umgebaut werden, in der alle Verkehrsteilnehmer - vom Linienbus bis zum Fußgänger, vom Radfahrer bis zum Auto - gleichberechtigt sind.

Einen deutschen Begriff für „Shared Space” gibt es noch nicht, verbreitet haben sich aber Bezeichnungen wie „Gemeinschaftsstraße” oder auch „Begegnungsraum”. Für Aachen ist das bisher einmalig, in anderen Städten und vor allem in den Niederlanden wird das bereits seit längerer Zeit praktiziert.

Der Protest entzündet sich aktuell daran, dass im Zuge des Umbaus zu einer bis auf eine drei Zentimeter abgesenkte „Fahrrinne” niveaugleichen Fläche 26 Bäume gefällt werden sollen, darunter große Platanen, während anschließend nur wenige Gehölze neu gepflanzt werden.

Die Linke fordert nun, so viele Bäume wie möglich zu erhalten. Auch eine Protestaktion am Templergraben ist bereits gestartet worden, in deren Verlauf Zettel an die Bäume geklebt wurden. Zu lesen ist darauf, dass man zwar für die „Shared-Space”-Zone sei, aber strikt gegen die Abholzung. Angeschrieben worden ist auch das RWTH-Rektorat mit der Bitte, diesen Protest zu unterstützen.

Die Befürworter der Umbaumaßnahme aus Reihen der schwarz-grünen Ratsmehrheit sahen sich dementsprechend veranlasst, Mittwoch noch einmal die Werbetrommel für dieses „sehr ambitionierte Projekt mit seiner sehr schönen Planung” zu rühren, wie es Michael Rau als planungspolitischer Sprecher der Grünen sagt. Er, wie auch sein Fraktionskollege Roland Jahn (Vorsitzender des Mobilitätsauschusses) und die CDU-Ratsfrauen Maike Schlick (Planung) und Gaby Breuer (Verkehr) bekundeten zwar, dass ihnen der Wegfall der Bäume „auch wehtut” und sie die Kritik der Bürger ernst nähmen. In der Abwägung „finden wir das aber zugunsten dieses Projekts vertretbar”, hieß es.

So ärgert es Michael Rau, „dass diese Maßnahme jetzt auf die Bäume reduziert wird”. Insgesamt nämlich gehe es um die Zusammenführung der RWTH mit der Innenstadt, um eine engere Verzahnung und eine Aufwertung.

Maike Schlick erinnert daran, dass die Idee des damaligen TH-Rektors Burkhard Rauhut eigentlich gewesen sei, den Templergraben ganz zu sperren. Das habe man nicht mitgetragen. Die jetzige Lösung sei das Ergebnis eines darauf folgenden Wettbewerbs.

Roland Jahn berichtet, dass „Shared Space” in anderen Städten sehr erfolgreich sei. Auch seien in besagten Städten die Unfallzahlen in den umgebauten Straßenbereichen rückläufig gewesen. Kritik hatte die TH vorgebracht, für die im Zuge des Umbaus Parkplätze wegfallen. Dafür sei mit der Stadt aber eine Ersatzlösung gefunden worden, heißt es seitens CDU und Grünen.

Den Linken wirft die Ratsmehrheit „politisches Schaulaufen” vor, schließlich hätten sie bislang alle Beschlüsse zu diesem Thema mitgetragen. Der Antrag der Linken wird jedenfalls heute im Mobilitätsausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße) behandelt. Geändert wird aber deswegen wohl nichts mehr. Baubeginn soll bereits im November sein, wenn zunächst die Stawag anrückt. Die Kosten für den Umbau liegen bei 1,4 Millionen Euro, von denen die Stadt 360.000 Euro selbst aufbringen muss.
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