Aachen - Templergraben ein Fall für den Richter?

Templergraben ein Fall für den Richter?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Templergraben
Weiterhin Baustopp: In Sachen Templergraben beharken sich die Stadt und das beauftragte Bauunternehmen Tholen. Man gibt sich gegenseitig die Schuld dafür, dass die bisher fertiggestellten Fahrbahnteile nicht stabil genug gebaut worden sind. Das Ganze wird möglicherweise auch noch Richter beschäftigen.  Foto: Michael Jaspers

Aachen. Tempo 20? Tempo 30? Tempo 50? Die Antwort auf die Frage, wie schnell demnächst auf dem Templergraben gefahren werden darf, erübrigt sich zunächst. Denn es gibt keine Straße, über die man fahren könnte. Auf der Großbaustelle tut sich weiterhin gar nichts, nachdem am 19. Juli ein vorläufiger Baustopp verkündet wurde.

Zunächst gab es die Hoffnung, dass die Bauarbeiter am kommenden Montag, wenn das ausführende Unternehmen Tholen aus Geilenkirchen aus den Betriebsferien zurückkehrt, wieder anrücken. Doch daraus wird nichts. Die Stadt als Auftraggeberin und Tholen beharken sich derart, dass eine gütliche Einigung in weite Ferne gerückt zu sein scheint.  Wie auch immer das ausgeht, scheint schon jetzt klar: Die bereits fertigen Fahrbahnteile zwischen Wüllner- und Schinkelstraße muss wohl noch einmal komplett neu gebaut werden – was schon wegen der Bauweise mit Natursteinen statt Asphalt ein enormer Aufwand ist. Schließlich werden die Steine nicht nur alle einzeln verlegt, sondern müssen natürlich auch einzeln wieder herausgeholt werden, um sie dann – nachdem der Untergrund herausgerissen und neu gebaut wurde – wieder alle einzeln zu verlegen.

Bei dem Streit geht es um Folgendes: Die Stadt steht auf dem Standpunkt, dass Tholen die Fahrbahn nicht so gebaut hat, wie man es gewollt und beauftragt habe. Genauer: Sie sei in einer zu niedrigen Belastungsklasse – in der Fachsprache Bauklasse – gebaut worden. Will sagen: Da es am Templergraben auch weiterhin hohe Belastungen insbesondere durch reichlich Aseag-Busse geben wird, könnte die Fahrbahn ansonsten schnell Schaden nehmen.

Willy Tholen, Firmengründer und Geschäftsführer des Bauunternehmens, sieht das völlig anders: „Wir haben schon vor einem halben Jahr darauf hingewiesen, dass die Planungen für die Belastungen des Templergrabens „nicht regelkonform“ seien und dass „das in die Hose geht“. Das was die Stadt jetzt haben wolle sei „weder beauftragt, noch vertraglich vereinbart“, so Tholen. Mit anderen Worten: Wenn die Straße nun belastbarer werden soll, ist das natürlich eine Frage der Zusatzkosten.Der Bauunternehmer ist stocksauer: Mit „linker Trickserei“ versuche man nun, „uns kurz vor Toresschluss die Schuld für die Fehlplanungen in die Schuhe zu schieben“. Willy Tholen bekundet, bereit für weitere Gespräche zu sein, „aber nicht in dieser unsachlichen Form“.

Die Verwaltung wollte am Montag eigentlich keine Stellungnahme abgeben, tat dies schließlich aber in ebenfalls scharfer Form doch noch: „Herr Tholen will eine einvernehmliche Vertragsauflösung. Das kommt aber nicht in Frage. Wir wollen, dass er vertragsgemäß weiterbaut“, sagt Björn Gürtler vom Presseamt. Der nicht ausgesprochene Hintergrund dieser Aussage: Es geht natürlich ums Geld und um die Bezahlung oder auch – je nach Perspektive - Nicht-Bezahlung  der bisherigen Arbeiten. Man habe eine Frist bis Montag gesetzt, in der sich Tholen äußern sollte, ob er nächsten Montag wieder anrückt. Bis Montagnachmittag habe man dazu jedoch nichts gehört. Man habe auch vorgeschlagen, in zwei strittigen Fragen einen gemeinsamen Gutachter einzuschalten. In einem Punkt habe Tholen abgelehnt, im anderen habe man ebenfalls nichts weiter gehört. Außerdem habe man angeboten, dass ab kommende Woche der Templergraben komplett gesperrt wird, damit zumindest die „Nebenanlagen“, die kein Streitpunkt sind, weitergebaut werden. Doch auch dazu herrsche aus Geilenkirchen Funkstille.

Prinzipiell bekundet die Stadt ähnlich wie Tholen, gesprächsbereit zu sein. Doch die Fronten sind offenkundig völlig verhärtet. Was die Frage aufwirft, wie es denn nun kommenden Montag weitergeht, falls das Unternehmen zuhause bleibt. Die Stadt wird dann auf die Ausschreibungsergebnisse zurückgreifen und ein seinerzeit unterlegenes Unternehmen mit dem Weiterbau – beziehungsweise dem Neubau der Fahrbahn – beauftragen. Wer das dann am Ende bezahlt, ist völlig offen. Das Ganze würde wohl in einen Rechtsstreit münden, bei dem eine Richter am Ende beurteilt, wer denn hier nun Recht hat. Für den Unterlegenen würde das eine teure Angelegenheit. Doch die Stadt hat noch ein ganz anders Problem: Am 29. August beginnen die Einschreibefristen für das kommende Wintersemester an der RWTH Aachen – also jenem Semester, bei dem es wegen des doppeltzen Abi-Jahrgangs einen Studentenansturm geben wird. Die Einschreibung findet im Studierenden-Sekretariat statt – und das ist im Super C. Allein: Der Vorplatz ist ebenfalls noch Baustelle und dürfte bis dahin keinesfalls fertig sein. „Wir müssen dort also kurzfristig die Verkehrssicherheit herstellen“, sagt Gürtler.

Sollte Tholen nun tatsächlich nicht weiterbauen – was bis nächsten Montag noch offen bleibt –, dann muss die Stadt natürlich auch mit einer verspäteten Fertigstellung rechnen. Dieswe wird allerdings recht optimistisch kalkuliert. Statt Ende September solle der Templergraben dann Ende Oktober parat sein. Der mögliche Rechtsstreit zwischen Auftraggeber und -nehmer würde allerdings ungleich länger dauern.

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