Aachen - Templerburg: Gesellschaft für Burgenkunde verbaute 20.000 Einzelteile

Templerburg: Gesellschaft für Burgenkunde verbaute 20.000 Einzelteile

Von: Thomas Kreft
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Die Templerburg Tortosa in Aachen: Die Gesellschaft für Internationale Burgenkunde mit Bernhard Siepen und Sohn Michael bietet ein Modell aus 20.000 Einzelteilen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Bauklötze gelten als pädagogisch wertvoll für Kinder, bei Erwachsenen wecken sie mitunter nostalgische Erinnerungen. Die Gesellschaft für internationale Burgenkunde (GIB) hantiert freilich nicht mit Spielzeug, stellt aber das Prinzip in den Dienst der Wissenschaft. Das geschieht durch temporäre Modelle. Zurzeit präsentiert sie den Donjon der Templerburg Tortosa, deren Original an der syrischen Mittelmeerküste steht.

Die dabei verwendeten hölzernen Quader, Gewölbesteine und Säulen sind teure Spezialanfertigungen, und wie bei der GIB üblich gilt der Maßstab 1 zu 25. Rund 20.000 Einzelstücke hat Modellbauer Michael Siepen in dem Donjon verbaut, der zwei mal zwei Meter Fläche bei 1,30 Meter Höhe einnimmt. Durch die lose Schichtung wirkt das Mauerwerk ungemein plastisch, besonders wenn es wie von der aufgehenden Sonne sanft von der Seite beleuchtet wird.

Gleich den permanenten Modellen der GIB wie zuletzt das Castel del Monte ist das Bauwerk an zwei Seiten eingeschnitten und gibt sein Inneres preis. Der Blick wandert durch sorgfältig gemauerte Gewölberäume, Figuren setzen die Burg in Szene, Hausrat vom Kochgeschirr bis zum Kandelaber verkörpern Alltag. Auf dem Flachdach steht ein Wurfgeschütz zur Verteidigung. Zur Seeseite lagen einst drei Landungsbrücken. Hier ergänzt nun eines der Schiffe aus dem Akkon-Modell die Szenerie.

Tortosa bot sich für die Rekonstruktion an, weil noch genug Substanz unter nachträglichen Auf- und Anbauten vorhanden ist. GIB-Präsident Bernhard Siepen war 2002 vor Ort, als Architekt hat er einen Blick für die Baustruktur. Minuziöse Recherche formte eine Rekonstruktion nach aktuellem Forschungsstand.

Prinzipiell könne man so auch die Aachener Palast-Aula nachbauen, bestätigt Michael Siepen. Geplant sei das aber derzeit nicht. Gut drei Meter wäre so ein Modell lang. Allein am Tortosa-Modell wurde aber schon einen Monat lang gearbeitet, bis jedes Detail saß. Etliche Stücke wie die Steine für die Apsis müsste man neu anfertigen lassen. Außerdem bedarf es eines Ausstellungsraumes und eines Auftraggebers, der das Ganze schließlich bezahlt. Grundsätzlich mache das wohl erst Sinn in einem eigenen Museum, betont Bernhard Siepen, und denkt dabei an ein Domizil wie die derzeit leerstehende Paulskirche. Noch immer aber ist es nicht gelungen, Sponsoren für das Museumsprojekt zu gewinnen, dessen Objekte in den USA und Frankreich bereits über hunderttausend Besucher in die Ausstellungen zogen.

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