Aachen - Telekom will Datenfund im Altpapier „lückenlos klären”

Telekom will Datenfund im Altpapier „lückenlos klären”

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Telefonriese reagierte schnell: Mitarbeiter der Konzernsicherheit der Deutschen Telekom setzten sich am Mittwochmorgen von Bonn nach Aachen in Bewegung.

Der Grund: Der AZ-Bericht über Unterlagen mit Telekom-Kundendaten, die Passanten am Theaterplatz in einem offenen Container gefunden hatten, hatte in der Zentrale des von Datenschutzskandalen zuletzt heftig geschüttelten Konzerns die Alarmglocken läuten lassen.

Bei der Aachener Polizei, die am Dienstagabend die von Callcenter-Mitarbeitern entsorgten Aktenberge doch noch beschlagnahmt hatte, erhielt die Konzern-Security Akteneinsicht - und fand zunächst nichts Besorgniserregendes. „Die Unterlagen, die uns dort gezeigt wurden, waren keine Unterlagen der Deutschen Telekom”, erklärte Telekom-Sprecher André Hofmann am Mittwoch auf AZ-Anfrage.

Bloß: Tatsächlich befanden sich in dem Container etliche Schreiben der Telekom an ein anderes Unternehmen, in denen es um Kundenaufträge ging - inklusive persönlicher Kundendaten. Die AZ hat mehrere dieser Blätter fotografiert, und Elsbeth Pennings, die die Papiere entdeckte, bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, „hunderte” Schreiben mit Telekom-Logo und Kundendaten gesehen zu haben.

Aus den Papieren geht hervor, dass die Auftragsschreiben - teils Stornierungen, teils Fehlermeldungen - vom Telekom-Geschäftspartner an das mittlerweile geschlossene Callcenter gefaxt worden sind. Dort wurden die Kunden erneut kontaktiert, beispielsweise wegen fehlender Bankdaten. Teils schrieb man auch Vermerke, etwa ob der Kunde ein widerspenstiger „Hardcore-Kunde” ist. All das landete im Altpapier.

Damit konfrontiert, betonte Hofmann am Abend, dass die Telekom „den Fall lückenlos klären” wolle. Zwar habe sich der Konzern selbst keine Verfehlung geleistet, doch sei das Callcenter „grob fahrlässig” vorgegangen. „So etwas tolerieren wir auf keinen Fall.”

Warum die Telekom indes bei der Polizei keine eigenen Papiere zu Gesicht bekam, ist unklar. Wie berichtet, hatten die Streifenbeamten die Callcenter-Mitarbeiter zuerst angewiesen, die Papiere zu vernichten. Kurz darauf kam jedoch laut Polizeisprecher Paul Kemen die Kehrtwende: Man habe das Material „umgehend” beschlagnahmt.

Die Staatsanwaltschaft sieht derweil keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Dafür sei erforderlich, dass man sich am Datenmissbrauch bereichern wolle, so Kemen. Das Ganze könnte jedoch eine Ordnungswidrigkeit sein. Um das zu prüfen, werden die Unterlagen der Landesdatenschutzbeauftragten Bettina Sokol geschickt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert