Telekom-Demo: „Das ist der blanke Hohn”

Von: Oliver Schmetz
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Plakativer Protest: Auf dem Markt zeigen die Telekom-Beschäftigten, was ihnen wichtig ist - der Erhalt der Standorte. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Ihr Büro ist da, wo Sie sind”, wirbt die Deutsche Telekom bei ihren Geschäftskunden für flexible Kommunikationslösungen, die das Arbeiten erleichtern sollen. Doch wenn Claudia Röhrig diesen Slogan hört, verzieht sie das Gesicht, obwohl sie bei der Telekom in Aachen arbeitet. „Das ist der blanke Hohn”, sagt sie.

Denn das Büro der IT-Mitarbeiterin ist bald nicht mehr da, wo sie ist und lebt, sondern gut 100 Kilometer entfernt - in Bonn. Die Aachener IT-Abteilung soll dort hinziehen, der Geschäftskundenbereich nach Düsseldorf verlagert werden - wodurch der Telekom-Standort Aachen nach Gewerkschaftsangaben erneut um knapp 200 Stellen verkleinert wird. Bereits im Januar waren rund 200 Arbeitsplätze im Kundenservice nach Brühl verlegt worden.

Gegen diese Standortpolitik geht Claudia Röhrig an diesem Morgen auf die Straße. Und mit ihr erstaunlich viele Telekom-Mitarbeiter, denn etliche Kollegen aus Bonn, Köln, Mönchengladbach, Heinsberg, Jülich und Düren sind zur „aktiven Mittagspause” nach Aachen gekommen. Gut 500 Menschen ziehen vom Telekom-Gebäude am Gut Wolf im Protestzug durch die City bis zur Kundgebung auf dem Markt.

Dort richtet unter anderem der Aachener SPD-Vorsitzende Karl Schultheis ein Grußwort an die (Warn-)Streikenden und betont, dass er die Diskrepanz zwischen Schein und Sein, zwischen Werbung und Konzernpolitik als „zynisch” empfindet. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär Markus Frings sieht hinter den Standortschließungen einen knallhart kalkulierten Abbau von Arbeitsplätzen. Zwar werde jedem eine Stelle am neuen Standort angeboten, „aber wer nicht pendeln will oder kann, hat Pech”. Seine Vermutung: „Man will möglichst viele Leute loswerden, indem man die Arbeit unattraktiv macht.” Sein Beleg: Der „Zwangsumzug” im Januar nach Brühl, den nur 30 Prozent der 200 betroffenen Aachener Kollegen mitgemacht hätten.

„Ein Tritt in den Hintern”

Frings geißelt auch die Lohnpolitik des Konzerns - neben dem Standortkonflikt schwelt auch ein aktueller Tarifstreit -, der zwar Milliarden an Aktionäre ausschütte, aber bei seinen Beschäftigten spare. Für den Verdi-Mann ist das ein „Tritt in den Hintern”. Sein Kollege Bernd Lausberg, Betriebsrat am Standort Aachen, beschreibt die Stimmung in der Belegschaft denn auch als „grottenschlecht”. Er berichtet von resignierten Kollegen, die „in Tränen aufgelöst” zu ihm kommen.

Man habe sich „schon früh Gedanken darüber gemacht, wie sich Beruf, Familie und Freunde besser miteinander in Einklang bringen lassen”, rühmt sich die Telekom auf ihrer Website. Auch dies kommt manchen Mitarbeitern wie Hohn vor. Etwa Claudia Scheller, die bald wohl zwei Stunden mit Bus und Bahn zur Arbeit braucht - für eine Strecke. „Wo bleibt da mein Leben?”, fragt sie.
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