Telefonseelsorge Aachen-Eifel sucht Ehrenamtliche

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Der direkte Draht zu den Hilfesuchenden: Rund 1000 Mal telefonieren die Helfer im Jahr mit Menschen, die um Rat nachfragen. Die Anonymität wird stets gewahrt. Foto: Andreas Schmitter
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Hofft auf mehr Männer in die Telefonseelsorge: Haus Eich-Leiter Frank Ertel. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ist es ein Suchtproblem? War ein Film zu aufwühlend? Beziehungsstress oder Einsamkeit? Oder gar ein bevorstehender Suizidversuch? Die Ehrenamtlichen wissen nicht, welche Geschichte sie gleich hören werden, wenn das Telefon klingelt. „Diese Herausforderung bleibt“, sagt Roy, der bereits 18 Jahre dabei ist.

Pro Monat sitzt er an zwei Tagen für acht Stunden und in einer Nacht für zehn Stunden am Telefon der Telefonseelsorge Aachen-Eifel. Der pensionierte Ingenieur meldet sich mit seinem Pseudonym, denn die in der Telefonseelsorge fest verankerte Anonymität schützt ihn genauso wie den Anrufer.

Kollegen beantworten die eingehenden Mails oder kümmern sich um die Chatseelsorge – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Dabei tun sie vor allem eins: zuhören. „Es geht nicht um Problemlösungen“, erklärt Roys Kollege Josef. „Wir wollen die Anrufer lieber in die Lage versetzen, selbst einen Weg zu finden.“

Tatsächlich bekommen die Anrufer häufiger Frauen an die Strippe, denn von den 85 Freiwilligen bei der Aachener Telefonseelsorge sind nur 22 männlich. Dieses Verhältnis würden Frank Ertel, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge, und seine katholische Kollegin Martina Bornemann gern zu Gunsten der Männer ändern. Dabei geht es Ertel gar nicht so sehr um das Geschlecht: „Unsere Stärke ist die Vielfältigkeit der Mitarbeiter. Die Anrufer und die Gründe für ihren Anruf sind ja auch sehr vielfältig.“

Roy sieht aber schon einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Seelsorgern. „Manchmal ist es ganz gut, ein Problem aus einer anderen Sicht zu beleuchten.“ Manche Anruferin – 70 Prozent der Nutzer der Telefonseelsorge sind weiblich – sei anfangs überrascht, eine männliche Stimme am anderen Ende zu hören. „Abgelehnt worden bin ich aber noch niemals“, sagt Roy.

Die Gründe, warum sich Roy, Josef und Pe in der Telefonseelsorge engagieren, sind ebenso vielfältig wie ihre Berufe: Roy war, wie gesagt, Ingenieur und später auch im Personalbereich tätig. Er wollte aus Dankbarkeit, weil bei ihm und seiner Familie alles gut gelaufen ist, der Gesellschaft etwas zurückgeben, es aber nicht an die große Glocke hängen.

Josef, er ist im Außendienst tätig, hatte ein „ganz spezielles Gefühl“ bei einem Bericht über die Telefonseelsorge. Berufung nennt er es. Pe, früher Architekt, jetzt in Rente, wollte mit Menschen zu tun haben. Gleichzeitig reizte ihn die Anonymität der Arbeit. Jetzt – nach vielen Jahren Engagement – wissen sie eins besonders zu schätzen: „Die hundertprozentige Aufmerksamkeit und der uneingeschränkte Respekt, die wir dem Anrufer entgegenbringen. Das erfordert hohe Konzentration. Der eigene Alltag bleibt draußen.“

Trotzdem bleibt dieser nicht unbedingt von der ehrenamtlichen Tätigkeit unberührt – im positiven Sinn: „Wir lernen hier andere Perspektiven einzunehmen und eigene Werturteile zu begrenzen“, sagt Josef. Und Roy ergänzt: „Das Wissen aus der Beziehungsarbeit lässt sich auf viele Bereiche übertragen.“ Nicht selten sind die Drei, wie wohl alle anderen Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge auch, deshalb im Privaten als Zuhörer gefragt.

Und wie können speziell Männer von diesem Ehrenamt profitieren? „Sie können ihre soften Seiten entdecken“, erklärt Josef. Und Frank Ertel meint: „Es stimmt ja nicht, dass alle Männer an Gefühlsarmut leiden.“

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