Teile der Wurm für rund zwei Millionen renaturiert

Von: Mischa Wyboris
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Aachen. Die Vorstellung ist so unappetitlich wie erschreckend: Die unnachgiebigen Regengüsse bringen die Kläranlage zur Überschwemmung, abertausende Kubikmeter lebendigen Schlamms, der eigentlich das Abwasser reinigen soll, ergießt sich in die benachbarte Wurm.

Innerhalb weniger Stunden entziehen die Bakterien dem Gewässer seinen gesamten Sauerstoff; jedes Leben ist mit einem Mal erloschen.

Ein realistisches Szenario, denn die Kläranlage Aachen-Soers befindet sich im direkten Umfeld und damit im Überschwemmungsgebiet der vor etlichen Jahren begradigten Wurm. Bei einem Jahrhunderthochwasser hätte es dann zur Katastrophe kommen können, erklärt Professor Wolfgang Firk vom Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur.

Seit 15 Jahren ist Thomas Zobel Betriebsleiter der Kläranlage und hat ein solches Jahrhundertereignis noch nicht erlebt. „Das ein oder andere Mal ist es allerdings etwas brenzlig geworden”, räumt er ein. Aus diesem Grund ist der Fluss an der Wolfsfurth und an der Krefelder Straße nach neunmonatiger Bauzeit jetzt renaturiert worden.

„Retentionsraum” nennt der Fachmann die an den Seiten des Flusses gelegenen Flächen, auf denen sich die nassen Massen bei Hochwasser ausbreiten und ansammeln können. Im Teilbereich der Krefelder Straße sind auf einer Fläche von anderthalb Hektar 45.000 Kubikmeter Boden abgetragen worden, an der Wolfsfurth sind es noch einmal rund 20.000 Kubikmeter auf einem halben Hektar Land.

„Wir haben die Wurm endlich aus ihrem Trapezquerschnitt befreit. Jetzt kann sie sich wieder ihr eigenes Bett suchen”, sagt Firk. 1,9 Millionen Euro hat sein Unternehmen in die durch neue Auflagen nötig gewordene Maßnahme zum Hochwasserschutz investiert, 80 Prozent der Summe werden aufgrund der Renaturierung aus Landesmitteln gefördert.

Umweltdezernentin Gisela Nacken spricht von einem abgewendeten „unvorstellbaren Chaos im Falle eines Jahrhunderthochwassers” und zugleich von einem nun zu erwartenden „unglaublichen Mehrwert für die Bürger im Naherholungsgebiet Wurmtal”.

Im ausgeweiteten Auenbereich hat die Wurm ein neues, kurvenförmiges Flussbett bekommen. Durch den längeren Flusslauf wurde auch der Gefälleunterschied des beseitigten Absturzbauwerks an der Wolfsfurth ausgeglichen.

Die „Sekundäraue”, durch die sich das Flussbett zieht, sie auf 60 gewässernahe und 30 flussferne Ausuferungen pro Jahr ausgelegt. In den nicht versiegelten Armen des alten Flusslaufs sollen jetzt gewässer- und auentypische Pflanzen wachsen.
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