Teile der Kaiserpfalz am Standesamt entdeckt?

Von: Matthias Hinrichs
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Abgetaucht: Die Archäologen graben unter dem Pflaster der Krämerstraße nach bislang unbekannten Mauerfragmenten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Durchaus möglich, dass Generationen von frisch getrauten Aachenern den ersten gemeinsamen Weg ihrer Ehe direkt über einem bislang völlig unbekannten Relikt der alten Kaiserpfalz gegangen sind: Vor dem Eingang zum Standesamt hat das Team von Stadtarchäologe Andreas Schaub jetzt einen selbst für hiesige Verhältnisse aufsehenerregenden Fund gemacht.

Die Forscher stießen auf zwei Jahrhunderte alte Mauern, von denen eine durchaus Bestandteil der historischen Herrscherresidenz von Karl dem Großen sein könnte, berichtete Schaub am Dienstag auf Nachfrage.

„Wir sind heilfroh, dass wir die Mauerreste auf dem Teilstück der Kanalarbeiten sichern konnten”, erklärte Schaub. Zurzeit wird in der Krämerstraße eine neue Fernwärmeleitung verlegt. Etwa einen Meter unter dem Pflaster entdeckten die Archäologen dabei Reste des knapp 80 Zentimeter breiten Bauwerks, das auf der gleichen Achse liegt wie die Krämerstraße und damit die Pfalzanlage zur Ostseite hin in Nord-Süd-Richtung begrenzt haben könnte. „Es gibt durchaus Anlass zur Vermutung, dass die Mauer aus der Karolingerzeit stammt”, sagte Schaub. „Jedenfalls muss sie nach dem 5. und vor dem 12. Jahrhundert errichtet worden sein.”

Noch viele Geheimnisse

Spätestens im Laufe der kommenden Woche hoffe man, Genaueres über Ursprung und architektonische Zusammenhänge berichten zu können. Bislang, betont Schaub, war das Gemäuer jedenfalls völlig unbekannt; auch über die Tiefe und die Länge des Objekts konnten die Experten daher am Dienstag noch keine Auskunft geben.

Damit nicht genug: Einem weiteren archäologischen Mysterium hoffen die Archäologen in Kürze in jedem Sinne auf den Grund gehen zu können. „Zudem sind wir am Standesamt auf eine weitere Mauer gestoßen, die allerdings bereits im 19. Jahrhundert dokumentiert worden ist”, berichtet Schaub. Seinerzeit galt das imposante, vier Meter breite Bauwerk, das in einem Plan von 1915 übrigens ebenfalls im Zusammenhang mit Kanalbauarbeiten verzeichnet wurde, als antikes Relikt aus römischen Siedlungszeiten.

„Ob die Mauer wirklich so alt ist, können wir zurzeit allerdings nicht bestätigen. Nähere Anhaltspunkte liegen uns noch nicht vor”, sagte Schaub. „Ich glaube eher nicht, dass sie wirklich aus der Römerzeit stammt. Jetzt können wir das jedenfalls erstmals konkret untersuchen.”

Fest stehe indes, dass der Verlauf der Mauer nicht in den Grundriss der Kaiserpfalz hinein passe. Sie erstreckt sich quasi diagonal dazu, aus südöstlicher in nordwestliche Richtung. Schaub: „Jedenfalls muss die Mauer älter sein als die Krämerstraße; sie kann damit ebenfalls frühestens im Mittelalter gebaut worden sein.”
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