Technologiezentrum „am besten verkaufen“

Von: Oliver Schmetz
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Trotz guter Anbindung an die Autobahn (2) kein guter Standort mehr für Hightech-Gründer: Die Agit würde das Technologiezentrum (1) in der Nähe des Europaplatzes (3) am liebsten verkaufen und einen hochmodernen Neubau auf dem Campus West errichten. Foto: Andreas Steindl
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Nicht mehr zeitgemäß: Nur sieben Prozent der Flächen im Technologiezentrum sind an Gründer vermietet. Foto: Michael Jaspers
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Hat hochfliegende Pläne: Agit-Chef Lothar Mahnke. Foto: Claudia Schweda

Aachen. Als das Gebäude mit der imposanten Glasfront damals eröffnet wurde, war man allseits voll des Lobes: Als „Visitenkarte der Region“, als „neuer Magnetpunkt“, als „Technologie-Haus“ wurde der Neubau in der Nähe des Europaplatzes gefeiert, und zur Einweihung kam Ministerpräsident Johannes Rau nach Aachen.

Doch das ist 24 Jahre her. Mittlerweile sind im Technologiezentrum an der Dennewartstraße, in dem vor allem Technologie-Gründer angesiedelt, gefördert und beraten werden sollten, nur noch sieben Prozent der mehr als 14.000 Quadratmeter Mietflächen von Gründern belegt. Und der Geschäftsführer der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit), Dr. Lothar Mahnke, empfiehlt jetzt erstmals öffentlich, man solle das Technologiezentrum „am besten verkaufen“.

Und an anderer Stelle neu bauen. Am besten sei es, „das modernste Technologiezentrum Europas zu errichten“, und das „natürlich auf dem Campus-Gelände, idealerweise auf dem Campus West“, sagt der Manager, der bereits die Gründerzeit des Gründerzentrums mitprägte und seit dem 1. Juli vorigen Jahres wieder die Geschäfte der Agit leitet.

Bereits mit dem OB besprochen

Mahnke hat sich für seinen öffentlichen Vorstoß den städtischen Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft ausgesucht, doch hinter den Kulissen wird das Thema schon länger diskutiert. Er habe die Idee bereits im August dem Aufsichtsrat präsentiert und das Thema außerdem mit Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg besprochen, erläutert der Geschäftsführer auf AZ-Anfrage.

Außerdem habe es schon Gespräche mit der RWTH und der Campus GmbH gegeben. Mit letzterer betreibe man im Übrigen bereits gemeinsam das Zentrum für Biomedizintechnik auf dem Campus Melaten, in dem Gründer Räume beziehen können. Es sei wichtig, „näher an die Hochschule heranzurücken“ und auch „Gründungskompetenz auf dem Campus abzubilden“, sagt Mahnke.

Der Standort an der Dennewartstraße sei zwar bestens vermietet, erfülle aber nicht mehr die Ansprüche heutiger Hightech-Gründer. Dies betreffe die technische Ausstattung, aber auch architektonische Gegebenheiten, so der Agit-Chef: „Es gibt heute andere Anforderungen, beispielsweise was die bauliche Transparenz angeht“, verweist Mahnke auf aktuelle Konzepte wie „Coworking Space“ mit überwiegend offenen Arbeitsbereichen, die sich im alten Technologiezentrum nicht umsetzen ließen.

Und nicht zuletzt sei der Bau eben auch etwas in die Jahre gekommen. „Es gibt zwar keinen Sanierungsbedarf, aber künftig werden die Instandhaltungskosten steigen“, prophezeit Mahnke. Insofern sei ein Verkauf sinnvoll.

Der Agit-Chef will seine Idee umsetzen, auch wenn die Diskussion über das Thema erst am Anfang steht – und es auch Vorbehalte gibt. So äußert sich beispielsweise Karl Schultheis (SPD), der Vorsitzende des städtischen Wirtschaftsausschusses, noch recht zurückhaltend über die hochfliegenden Pläne. „Das ist eine sehr offene Überlegung, zu der im Moment noch keine Entscheidungen anstehen“, sagt der Sozialdemokrat. Zu klären sei außerdem die Frage, so Schultheis, ob nicht auch eine Modernisierung oder Sanierung des Gebäudes am Europaplatz möglich sei.

Verständnis für den Neubauwunsch bringt der für Wirtschaftsförderung zuständige städtische Dezernent Dr. Manfred Sicking auf, der die „guten Gründe“ Mahnkes nachvollziehen kann und insbesondere einen „stärkeren Schulterschluss mit TH und Campus GmbH“ befürwortet. Die Stadt als Hauptgesellschafterin der Agit werde die Idee aber nur unterstützen, „wenn das finanzierbar ist“, sagt Sicking: „Wir werden da nicht mehr Geld investieren.“ Und man müsse auch sehen, welchen Markt es für eine „Spezialimmobilie“ wie das Technologiezentrum gebe.

Da sieht Lothar Mahnke kaum ein Problem. Das Gebäude am Europaplatz sei eine „hochren- table Immobilie“, deren spezielle Ausrichtung „eher ein Plus“ sei. „Es haben sich bereits mehrere potenzielle Interessenten bei uns gemeldet“, sieht der Agit-Chef gute Verkaufschancen. Zumindest in dieser Hinsicht scheint der Bau, der 1993 für 48 Millionen Mark errichtet wurde, immer noch ein Magnetpunkt zu sein.

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