Taxis schmeißen den Sprechfunk bald über Bord

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
taxbild
Ab in die Zukunft: Auch Taxifahrer Atai M. Wali verspricht sich viele Vorteile vom neuen Datenfunksystem. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit Vollgas steuert die Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV) in die Zukunft. Genau 100 Jahre nachdem die erste „Kraftdroschke” in der Kaiserstadt in Dienst gestellt wurde, schalten die meisten Taxifahrer jetzt den Funk ab - zumindest den Sprechfunk.

Das taxitypische Gerausche, Gekrächze und metallische Gebrabbel während der Fahrt ist damit - abgesehen von Fahrzeugen kleinerer Taxivereinigungen wie Alfa - nur noch ein Relikt vergangener Tage. „Am 11. Januar fällt der Startschuss für unser neues Datenfunksystem”, freut sich der AAV-Vorsitzende Friedel Görtz.

Als stummes Kommunikationszentrum in jedem AAV-Taxi dient ein handflächengroßer Flachbildschirm auf einem Minicomputer, der kaum größer als ein Handy ist. Alle Taxi-Bestellungen und Fahraufträge werden in der Zentrale in der Bendelstraße telefonisch aufgenommen und direkt - nicht mehr per Sprechfunk - ins neue Datenfunksystem eingespeist.

Der Zentralcomputer vergibt die Kundenfahrt unmittelbar jeweils an den Chauffeur, der dem Auftragsort am nächsten ist - koordiniert über ein GPS-System. „Das wird dazu führen, dass der Kunde sein Taxi viel schneller bekommt und die Fahraufträge gerechter verteilt werden”, erklärt Görtz. Schummeln ist unmöglich, und Streitereien unter Droschkenpiloten via Funksprechverkehr sind passé.

Zudem bietet der neue Datenfunk über die kleinen Flachbildschirme viele Zusatzinformationen. Jederzeit kann jeder AAV-Taxifahrer genau erkennen, wie viele Taxifahrer an welcher Haltestelle auf Kunden warten. Das spart teure zeit- und dieselraubende Leerfahrten auf der Suche nach Kundschaft. Außerdem gibt es Infos zur Wetter- und Verkehrslage. Und natürlich ein ausgeklügeltes Navigationssystem.

In Zukunft will man über die Flatscreens auch Werbebotschaften in die Fahrgastzelle senden. Eine Tour in Theaternähe könnte durch die Einspielung des aktuellen Spielplans ergänzt werden, Fahrten zum Eurogress mit Hinweisen zum Veranstaltungsprogramm. „Da ist noch vieles mehr denkbar, aber erst einmal müssen wir unsere Fahrer auf das neue System schulen”, sagt Görtz. Die Seminare laufen - mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft.

Rund 500.000 Kunden zählt die AAV pro Jahr. Die Zahl nimmt seit 2006 stetig ab, während die Spritpreise auf Rekordniveau klettern. Deshalb soll der neue Datenfunk langfristig natürlich auch Geld einsparen - etwa Personalkosten in der Funkzentrale. Doch zunächst sind Investitionen fällig. Jeder Datenfunkcomputer kostet 1300 Euro - für 135 der insgesamt 175 Aachener Taxis.

Die totale Kontrolle über ein einziges Display

Rund 1300 Euro kostet der kleine Computer mit Flachbildschirm für jedes Taxi. Über den GPS-gesteuerten Datentransfer per Funk tauchen die Fahraufträge jeweils nur bei dem Taxifahrer auf, der dem Kundenstandort am nächsten ist. Das beschleunigt die Auftragsvergabe der Aachener Autodroschkenvereinigung - und verkürzt damit auch die Fahrzeit.

Ab dem 11. Januar 2011 soll das moderne System, das den herkömmlichen Sprechfunk ablöst, in der Praxis laufen. Derzeit werden rund 300 Fahrer in der Bedienung geschult. In Zukunft sollen auf dem Display unter anderem auch Werbespots laufen. Eine Fahrt in die Nähe des Theaters könnte dann zum Beispiel mit der Einblendung des aktuellen Spielplans enden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert