Aachen - Taxifahrer klagen über steile Talfahrt

Taxifahrer klagen über steile Talfahrt

Von: Robert Esser
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Wo geht´s lang? AAV-Chef Friedel Görtz streitet am Tivoli um ein einziges Taxi-Schild. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie das fünfte Rad am Wagen fühlen sich Aachens Taxifahrer zuweilen. „Wir ärgern uns, dass wir - wenn überhaupt - immer zuletzt gefragt werden”, klagt der Vorsitzende der Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV), Friedel Görtz.

„Das schadet nicht nur unseren schwindenden Erlösen, sondern auch dem Öffentlichen Personennahverkehr.”

Ärger mit der Alemannia

Jüngstes Beispiel: Nachdem Stadt und Alemannia Aachen am riesigen Vorplatz des neuen Tivolis - wie zuvor am alten Stadion nebenan - nicht einen einzigen Stellplatz für Taxis eingeplant hatten, griffen die Droschkenpiloten verärgert zur Selbsthilfe.

Die AAV mietete von der Alemannia für mehrere hundert Euro zehn Stellplätze in der Nähe des Stadion-Eingangs Nord-Ost. Aber nun verbietet der Zweitliga-Klub das Aufstellen eines Schildes, das auf der gegenüberliegenden Seite der Fußballarena an der Krefelder Straße, am Ein- und Ausgang Süd-Ost, auf die Taxihaltestelle hinweist. „Das ist doch nicht zu begreifen! Wie sollen die Zuschauer dort denn von unserem Standort erfahren?”, ärgert sich Görtz.

Stephan van der Kooi, Prokurist der Alemannia Aachen Stadion GmbH, kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Ich sehe keinen Mehrwert, wenn wir so ein Hinweisschild erlauben. Es gibt einen zentralen Übersichtsplan, auf dem auch der Taxistand gekennzeichnet ist. Außerdem können sich potenzielle Taxikunden doch im Internet informieren”, sagt er. Die Stadt stellt aber nach AZ-Anfrage in Aussicht, beim Aufstellen eines Verkehrszeichens auf dem Vorplatz behilflich zu sein - außerhalb des Alemannia-Besitzes. „Standort und Mast müssen nur mit dem Gestaltungshandbuch der Stadt in Übereinstimmung gebracht werden”, teilt das Presseamt mit.

Näher ans Fußballfeld sollen die Taxifahrer während des Reitturniers vom 9. bis zum 18. Juli rücken - unmittelbar an die Ostflanke des Stadions zwischen Tribünenpfeiler und Tivoli-Fassade. Dann sind die Taxis aber weiter vom CHIO-Portal am Ende der Albert-Servais-Allee entfernt. Früher warteten die Droschken noch vorgelagert an der Hubert-Wienen-Straße. Aber das habe sich nicht bewährt, heißt es. Am Taxi-Haltepunkt Soerser Weg will man indes festhalten.

Dass Taxikunden längere Fußwege zugemutet werden, sei in Aachen keine Seltenheit, moniert Görtz. Etwa aufgrund von Baustellen - wie vor dem Portal des Klinikums - oder auch nach der Sanierung von Straßen und Plätzen. „In Brand wurde mir fest zugesagt, dass wir den gut frequentierten Taxistand an der Trierer Straße nach dem Umbau des Marktplatzes wieder beziehen können”, erläutert AAV-Chef Görtz. Doch die Stadt betont: Es habe nie eine Zusage an die Taxi-Unternehmen gegeben, an der Trierer Straße bleiben zu können. „Es gab frühzeitige einstimmige Beschlüsse von der Bezirksvertretung und im Verkehrsausschuss aus dem August 2008, die Taxi-Stände an anderer Stelle - eventuell am Marktplatz - wieder herrichten zu lassen.” Damit sei die Politik den Wünschen von Anwohnern und Geschäftsleuten gefolgt. Man sei an einvernehmlichen Lösungen interessiert - so wie das gerade erst in Absprache mit der AAV an der Freunder Landstraße gelungen sei.

Görtz fürchtet, dass die Talfahrt seiner seit Jahren leidenden Taxi-Branche noch steiler bergab führt. 2006, als die Weltreiterspiele in Aachen über die Bühne gingen, zählte die AAV 595144 Fahrgäste. 2008 waren es - trotz CHIO - fast 63000 weniger. Und im laufenden Jahr 2010 könnten es so wenige Fahrten werden, dass es zum Überleben vieler der derzeit 175 Taxis und deren Fahrer, von denen 130 in der AAV organisiert sind, nicht mehr reicht. Doch darum schere sich offensichtlich niemand, klagt Görtz. Dabei müsste die Taxibranche dieses Jahr eigentlich Jubiläum feiern: 1910 ist die erste „Kraftdroschke” in der Kaiserstadt in Dienst gestellt worden.
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