Tausende Telekom-Daten auf offener Straße

Von: Oliver Schmetz
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„Schockierender Fund”: Anne Kirner und Elsbeth Pennings (rechts) entdecken in einem Container am Theater tausende Unterlagen mit Telekom-Kundendaten. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Eigentlich wollen Anne Kirner und Elsbeth Pennings sich einen gemütlichen Kinobesuch im Cinekarree gönnen, doch dann verbringen die beiden Freundinnen den frühen Abend eher ungemütlich neben einem Altpapier-Container am Theaterplatz - aus gegebenem Anlass.

Denn als sie im Vorbeigehen einen Blick in den weit offenstehenden Behälter werfen, wähnen sie sich sozusagen im falschen Film.

„Grobe Datenschutzverletzung”?

Tausende Blätter stapeln sich dort, darauf die Namen, Anschriften, Telefonnummern und weitere persönliche Daten vornehmlich von Telekom-Kunden.

„Wir waren total schockiert”, erzählt Kirner. „Das ist doch eine grobe Datenschutzverletzung”, ergänzt Pennings.

Die Unterlagen in dem großen Rollcontainer sind tatsächlich bemerkenswert. Etliche Fotokopien von Telekom-Schreiben sind darunter - oben steht das Firmenlogo im Briefkopf, unten verabschiedet sich die Deutsche Telekom AG „mit freundlichen Grüßen”.

Dazwischen finden sich Fehlermeldungen, Zwischenmeldungen und Verbindungs- sowie Meldedaten von Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet - versehen mit handschriftlichen Notizen, die es zum Teil in sich haben.

„Hardcore-Kunde!”, warnt da ein Sachbearbeiter auf einem Blatt, „musste eine Viertelstunde verhandeln.”

An anderer Stelle erfährt man, wer wann „60 Euro Gutschrift” erhalten hat, wessen „Eltern gestorben” sind und welcher Auftrag storniert wurde - in einem Fall auch warum: „Frau möchte nicht.”

Die beiden findigen Frauen kontaktieren zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts, schließlich wird die Polizei gerufen. Kurz darauf fährt ein Streifenwagen vor.

Die beiden Beamten schließen erst einmal den Container, befragen die Finderinnen und haben dann ein Problem: Sind die Unterlagen Beweismaterial, das beschlagnahmt werden muss? Und wie beschlagnahmt man mal so eben auf die Schnelle einen großen Altpapier-Container?

Doch plötzlich fahren zwei junge Männer in einem schwarzen BMW vor und nehmen der Polizei zumindest diese Entscheidung ab. Denn sie entpuppen sich als „Besitzer” des brisanten Datenmaterials.

Nach kurzer Vernehmung im Streifenwagen wird der Container weggeschafft und unter Polizeiaufsicht wieder ausgeladen.

Die beiden Männer und eine junge Frau versprechen, die Unterlagen umgehend im Reißwolf zu vernichten. Es handele sich um das Archiv eines nicht mehr existenten Callcenters, das für verschiedene Telekommunikationsfirmen gearbeitet habe, sagen sie.

Und: „Leider ist das Material versehentlich falsch entsorgt worden.” Die Polizei wird nun prüfen, ob sie Anzeige wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz erstattet.

Das zuständige Fachkommissariat werde verständigt, sagen die Streifenbeamten. Anne Kirner und Elsbeth Pennings haben derweil ihren Kinofilm verpasst. Aber der Live-Streifen auf der Straße, der war auch nicht schlecht.
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