Tausende spielen nachts im Museum mit

Von: Kathrin Albrecht
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Man hängt an der Kunst im Ludwig Forum: Die Tanzkompanie „Go-Theatre“ aus St. Petersburg bewegte sich zum Teil am Haken in Mänteln durch das Foyer. Foto: Andreas Herrmann
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Abfahrt zum nächsten Musentempel: Per Bus-Shuttle reisten die Kunstliebhaber – hier am Suermondt-Ludwig-Museum – durch die Nacht. Foto: Andreas Herrmann
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Pure Emotionen: Im Couven-Museum spielte das Duo Luna Tobaldi argentinischen Tango bis in den späten Samstagabend. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Gruselgeschichten, mittelalterliche katalanische Musik, argentinischer Tango, karolingische Schreibwerkstatt und Poetry Slam – damit lockte die 13. Lange Nacht der Museen. Die sieben Innenstadtmuseen präsentierten von 19 Uhr bis Mitternacht ein Programm.

Die Domschatzkammer, Kunst aus NRW und das Zollmuseum Friedrich öffneten bis 22 Uhr ihre Türen. Zum ersten Mal präsentierte das Centre Charlemagne ein eigenes Programm. Besucher konnten sich durch die Dauerausstellung und die aktuelle Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet“ führen lassen. Im Foyer sorgten Bands aus Aachen für musikalische Unterhaltung.

Kurz nach der Eröffnung der Nacht um 19 Uhr ist Rick Takvorian, Leiter des Veranstaltungsmanagement im Kulturbetrieb der Stadt Aachen, in gespannter Vorfreude auf die Nacht: „Ich bin sehr gespannt, wie das Centre Charlemagne und unser Konzept ankommen.“ 3000 bis 4000 Besucher sind bei den vergangenen Langen Nächten gezählt worden, auch diesmal war der Zuspruch ähnlich groß, trotz des ungemütlichen Wetters mit Regen, Wind und knapp 10 Grad Celsius Außentemperatur.

In den sieben Innenstadtmuseen ist davon nichts mehr zu spüren. Im Centre Charlemagne leitet Jan Röder eine 16-köpfige Besuchergruppe durch die Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet“. Die Ausstellung zeigt die Hintergründe um die wahnsinnige Rassenpolitik der Nationalsozialisten, die für 400.000 Menschen die Zwangssterilisation, für 200.000 Menschen auch den Tod bedeutete. Das Interesse an der Ausstellung ist trotz des schweren Themas bei den Besuchern groß.

Viel los ist auch in der Dauerausstellung, die die 1200-jährige Geschichte der Stadt Aachen beleuchtet. An einem Tisch sitzt der Aachener Kalligraph Thomas Hoyer, gekleidet in einem schlichten Leinenhemd, wie es wohl auch Menschen im 9. Jahrhundert getragen hätten. Konzentriert führt er eine Gänsefeder über eine Karte. Für die Besucher schreibt er Vornamen in karolingischen Minuskeln. In seiner Schreibwerkstatt führt er vor, wie Menschen zur Zeit Karls des Großen geschrieben haben und welche Werkzeuge ihnen dafür zur Verfügung standen. „Die Leute haben dafür verwendet, was sie hatten“, erklärt er. Viele hatten Gänse zuhause. Fielen denen die Federn aus, hatten sie die richtige Reife, um zur Schreibfeder weiterverarbeitet zu werden. Besonders die kleineren Gäste sind fasziniert von den vielen bunten Döschen, in denen Hoyer die Zutaten für die Tinte ausstellt.

Das vielseitigste Programm bietet das Ludwig Forum. Neben einer Kinder-Kunstrallye und einem Bücherflohmarkt steht der Abend vor allem unter dem Motto „Kunst im Dialog“. Mitarbeiter des Ludwig Forums stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, die die aktuellen Ausstellungen erkunden. „Einige gehen gern auf eigene Faust los, andere lassen sich gerne einige Hintergründe erklären“, schildert Christine Kral ihre Eindrücke des Abends. Sie steht in der Nische, in der unter anderem das berühmte Bild „Richard“ des amerikanischen Künstlers Chuck Close zu bewundern ist.

Besonders viele Fragen hat sie an diesem Abend zum Bild „Pin Up“ von Zoe Leonard beantwortet. Die Fotografie aus dem Jahr 1995 zeigt die Zirkus-Entertainerin und „Bearded Lady“ Jennifer Miller, die das berühmte Pin-Up-Foto Marilyn Monroes nachstellte. In der Kunstwerkstatt können Besucher selbst kreativ werden und per Siebdruck Taschen bedrucken. Diese Taschen sind später auch in der Innenstadt oder in den Shuttle-Bussen zu bewundern.

Wer genug Kunst gesehen hat, kann sich von Piet Hodiamont und seiner Interpretation mittelalterlich-katalanischer Liebeslieder verzaubern lassen. Die Tanzkompanie „Go-Theatre“ aus St. Petersburg zeigt ein gewohnt starkes Programm, bei dem die Tänzer sich zu Beginn in Mänteln, die an beweglichen Kleiderständern aufgehängt sind, durch das Foyer bewegen. Wenn das Wetter grausam wird, kommt die Zeit für Geschichten.

Gruselgeschichten bietet das Ensemble Akut Theater 99 im Suermondt-Ludwig-Museum. Die szenische Lesung lässt die Entstehungsgeschichte von Mary Shelleys Roman „Fankenstein“ lebendig werden. Auch bei Rick Takvorian ist die Anspannung gewichen: „Ich höre viel Gutes, auch hier kommen die Leute immer wieder rein, um zu schauen“, sagt er. Wer noch Ausdauer hat, kann die Museumsnacht im Ludwig Forum bei der After-Party ausklingen lassen.

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