Tausende Euro am Straßenrand

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Dieser Werbetreibende gibt Vol
Dieser Werbetreibende gibt Vollgas: Auf dem winzigen Anhänger hat ein Alsdorfer Autotuner eine riesige Plakatwand am Prager Ring installiert. Hier rollen täglich 24.000 Fahrzeuge Foto: Robert Esser

Aachen. Kopfschütteln, Ablehnung und höhnisches Gelächter. So lassen sich die Reaktionen von Unternehmern zusammenfassen, die reihenweise am Aachener Straßenrand mit Reklameanhängern werben und nun - theoretisch - zur Kasse gebeten werden.

Denn die Stadt will pro Reklamefahrzeug statt drei in Zukunft zehn Euro pro Tag berechnen. Das haben Finanzausschuss und Rat jetzt beschlossen. So kämen allein an der Adenauerallee - wo laut Verkehrsstatistik 22.000 Autos pro Tag entlangfahren und mehr als ein Dutzend Anhängerchen großformatig für Holz-, Fensterbau, Umzüge, Ledermöbel und Gartengestaltung wirbt - pro Jahr über 40.000 Euro zusammen.

Denn das Abstellen von reinen Reklamefahrzeugen ist in Aachen absolut illegal. Was seit Jahren ignoriert wird. Und der Gebührentarif 15 regelt in der „Sondernutzungssatzung”, dass dafür künftig mehr als drei Mal soviel (Straf-)Geld fällig ist wie bisher.

„Wir verfolgen mit der Gebührenerhöhung vor allem das Ziel, eine gewisse Abschreckungswirkung zu erzielen”, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt.

„Bislang stand der Aufwand bei der Verfolgung dieser unerlaubten Nutzung der öffentlichen Verkehrsfläche in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis”, fügt er hinzu. Will sagen: Kaum ein Werbetreibender hat sein Reklamefahrzeug aus dem Verkehr gezogen - und kaum einer hat Strafgebühren entrichtet.

Daran dürfte sich auch künftig kaum etwas ändern, wenn die Stadt ihre Gangart nicht forciert. Denn offenbar kontaktiert sie - wenn überhaupt - nur in den seltensten Fällen die Unternehmen, deren Werbeanhänger vor allem entlang der Ringstraßen das Stadtbild verschandeln.

„Die Sache ist nicht immer eindeutig. Wir müssen dem Fahrzeughalter einen Verstoß nachweisen”, sagt Costard. Grundsätzlich dürfen Anhänger 14 Tage lang ohne Zugfahrzeug an einer Stelle geparkt werden. Aber nur, wenn der Anhänger eindeutig zu reinen Werbezwecken dort steht, kann die Stadt handeln.

Doch der Nachweis scheint der Stadt oft schwer zu fallen. Es sei denn, der Aufbau der Anhänger lässt keinen anderen Schluss zu. Ein Gartenbauunternehmen hat seinen Anhänger zum Beispiel sogar zu einem riesigen Broschürenständer umgebaut.

Dieser stand zuletzt tagelang an der Adenauer-allee. Im Stadtkern wird etwa für Tintenpatronen und Computerzubehör geworben. Auffällig ist generell, dass die meisten der Anhänger auf den Ringstraßen aus der Städteregion ihren Weg nach Aachen finden.

„Unser Hänger steht aktuell seit zehn Tagen an Ort und Stelle”, sagt Frank Giese vom Eschweiler Fensterbauer Uno. Deren Telefonnummer prangt in riesigen Zahlen auf der Werbewand des firmeneigenen Einachsers.

„Die Stadt hat sich trotzdem noch nie bei uns gemeldet. Und theoretisch können wir den Anhänger ja auch zum Transport von Baumaterial nutzen...”, lächelt der Unternehmer. „Alles legal.”

Genehmigung abgelehnt

So sieht das auch Jürgen Beckers vom Alsdorfer Autotuner CB-Cardesign. Sein Anhänger mit buntem Werbeaufbau soll am Prager Ring Kunden locken. „Ich würde niemals 300 Euro Miete pro Monat zahlen - es sei denn, ich darf meinen Anhänger werbewirksam am Europaplatz platzieren”, sagt er. Darf er aber nicht.

„Eine Genehmigung für Werbung am Straßenrand ist ausgeschlossen”, stellt Costard für die Stadt klar. „Wir gehen allen Hinweisen nach, haben aber keine Möglichkeit Extra-Personal abzustellen, das diese Verstöße systematisch verfolgt”, erklärt er. „Zwei bis drei Beschwerden gehen pro Monat ein”, teilt die Verwaltung mit.

Zur Rechenschaft gezogen wurde nach AZ-Informationen aber noch nie jemand. Ob in Zukunft drei oder zehn Euro pro Reklamefahrzeug und Tag berechnet werden sollen, dürfte also völlig egal sein - solange sowieso niemand zahlt.

„Aachen versucht eben, an jeder Ecke Geld zu verdienen”, sagt ein Stolberger Fensterbauer, der ebenfalls am kaiserstädtischen Straßenrand wirbt. „Wir sind auf der sicheren Seite. Diese Gebührenerhöhung hat weder Sinn noch Verstand.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert