Aachen - Tausende „Erstis“ rauschen durch die Stadt

Tausende „Erstis“ rauschen durch die Stadt

Von: Robert Esser
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Sturzbetankung: Via „Bierbong“ – hier „Erstis“ mit Trichter und Schlauch auf dem Markt – steigt der Bierpegel schneller. Foto: Michael Jaspers
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Mittags schon mal ein wenig schlafen: Mancher Studienanfänger brauchte früh eine Auszeit.
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Kasten erklettert: Wer nicht alkoholisiert war, konnte auf dem Katschhof sein Geschick beweisen.

Aachen. Ausnahmezustand in der Innenstadt: Tausende der 7200 Studienanfänger – das sind mehr als jemals zuvor – haben am Mittwoch ihre sogenannte „Erstsemester-Rallye“ in Aachen absolviert. Ab dem späten Vormittag zogen hunderte Gruppen – geführt von 1200 Tutoren aus 17 Fachschaften der RWTH – zu zig Spielstationen zwischen Ponttor, Super C, Markt, Münsterplatz und Elisenbrunnen, um dort mehr oder weniger witzige Aufgaben zu lösen.

So sollten zum Beispiel gestapelte Getränkekästen erklettert und Pingpong-Bällchen in Bierbecher versenkt werden. Die Stimmung war ausgelassen – zumindest feucht-fröhlich. Trotz eindringlicher Bitte der Hochschule um Mäßigung stand nämlich bei der überwältigenden Mehrheit der in der Regel 17- bis 19-jährigen „Erstis“ offensichtlich vor allem ein Ziel im Vordergrund: möglichst viel Alkohol in möglichst kurzer Zeit konsumieren. Sogar „Bierbongs“ – eine Trichter-Schlauch-Konstruktion zur Sturz-Betankung – erfreuten sich großer Beliebtheit. In ungezählten Boller- und Einkaufswagen transportierten die angehenden Akademiker Hochprozentiges in Massen durch die Altstadt. Dazu wurde gesungen, lauthals gegrölt – und tonnenweise Abfall zurückgelassen. Einige Teilnehmer badeten auf ihrer Sauftour in Aachener Brunnen, turnten auf Denkmälern und urinierten auf offener Straße – obwohl die Organisatoren der Zentralen Hochschulverwaltung eigens zehn Klo-Häuschen neben dem Dom platziert hatten. Einsatzkräfte der Hochschulwache und des Ordnungsamtes behielten die bierseligen RWTH-Neulinge im Auge. Bis zum Abend meldete die Polizei keine ernsten Zwischenfälle.

Dutzende Reinigungskräfte des Stadtbetriebs schoben Extra-Schichten und räumten über den ganzen Tag Flaschenscherben, Dosen und Imbissmüll entlang der Rallye-Route weg. „Sowas habe ich noch nie erlebt; das müsste verboten werden“, ärgerte sich etwa Straßenkehrer Sami Osmanaj über die Entsorgungs-Ignoranz mancher Jungakademiker. „Dass vielen Erstsemestern heutzutage durch die auf zwölf Jahre verkürzte Schulzeit und den fehlenden Wehrdienst zwei bis drei Jahre an Reife und Entwicklung fehlen, ist leider nicht zu übersehen“, kommentierte eine Passantin kopfschüttelnd das Treiben auf der Kreuzung Turmstraße/Wüllnerstraße. Dort hatten knapp 50 „Erstis“ per Sitzstreik kurzzeitig den Verkehr lahmgelegt. In Sprechchören und per Slogan auf einem Banner brachte die intellektuelle Elite von morgen ihre Botschaft auf den Punkt: „Ihr hupt, wir saufen!“

Sebastian Knoth aus dem Koordinationsteam der Hochschulverwaltung zog trotz einiger Auswüchse ein positives Fazit der „Erstsemester-Rallye“: „Die Zusammenarbeit mit Stadt, Ordnungsamt und Polizei hat hervorragend funktioniert. Auch die Müllentsorgung hat viel besser geklappt als in den Vorjahren“, erklärte er.

Am Abend durften sich die Studienanfänger – übrigens laut Hochschulstatistik genau 4832 Männer und 2368 Frauen (33 Prozent) – auf diversen Erstsemester-Partys weiter vergnügen. Auch da wurde es in jeder Hinsicht voll. Insgesamt zählt die RWTH Aachen nun 39 845 Studierende. Dass davon offiziell nur 125 noch 17-jährige „Erstis“ noch nicht volljährig sind, mag man kaum glauben.

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