Aachen - Taubenkot im Viadukt: Eklig, gefährlich - unvermeidbar?

Taubenkot im Viadukt: Eklig, gefährlich - unvermeidbar?

Von: Matthias Hinrichs
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Unzumutbar - auch unvermeidlic
Unzumutbar - auch unvermeidlich? Seit Jahr und Tag sehen sich weder Stadt noch Bahn in der Lage, die massive Verunreinigung mit Taubendreck am Viadukt Kasinostraße zu beenden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sorry, sagt ein AZ-Leser, der im direkten Umfeld wohnt - aber man komme einfach nicht umhin, die Situation als beschissen zu bezeichnen. Und zwar über alle Maßen.

Denn während die Fahrradfahrer sich ein paar Meter weiter, an der Normaluhr, übers brandneue Wegenetz für Drahtesel freuen, schwebt ein gänzlich anderes Netz seit langem quasi in unerreichbarer Ferne - statt über ihren Köpfen. Dereinst nämlich hatte die Stadt eigens einen Schutzdraht unterm Dach des Bahnviadukts gespannt. Den gibt es nicht mehr. Seit Jahr und Tag sind Bürgersteige und Radweg unterm Bahnviadukt an der Ecke Kasino-/Hackländerstraße daher derart von Taubenkot übersät, dass einem nicht nur übel, sondern auch angst und bange werden kann.

„Das ist ekelhaft und brandgefährlich”, schimpft besagter Anwohner. Denn Radler, die aus Richtung Burtscheid kommend oft mit hohem Tempo die kurvige Strecke hinab rollten, drohten auf dem schmierigen Untergrund zu stürzen. Jüngst sei eine Fußgängerin auf dem Trottoir ausgerutscht und habe sich den Arm gebrochen. Ein Junge habe von Glück sagen können, dass die ätzenden Hinterlassenschaften der Tauben „nur” auf seiner Backe gelandet seien und nicht in seinem Auge . . .

Auch eine Art höherer Gewalt, könnten Zyniker anmerken. Denn alle Versuche, die Flattermänner aus der Dachkonstruktion des Bahnübergangs zu vertreiben, sind bislang gescheitert, weiß Elke Wartmann, zuständige Abteilungsleiterin beim Ordnungsamt.

Vor ein paar Jahren hatte die Stadt - obwohl nicht zuständig - besagtes Drahtgeflecht spannen lassen, um die Vögel fernzuhalten. Das Netz habe sich aber nicht bewährt. „Es wurde immer wieder beschädigt, die Tiere könnten sich zudem verheddern und erheblich verletzen”, sagt Elke Wartmann. Doch nach wie vor weigere sich die Bahn, das Trägersystem unterm Dach des Viadukts komplett zu verschalen - wie am Bahnhof Rothe Erde geschehen. Eine solche Maßnahme nämlich sei kostspielig und behindere die Wartung der Brücke erheblich.

Daher hofften die Verantwortlichen zuletzt vor allem, dass sich das Problem mit der Einrichtung eines Taubenschlags am benachbarten Viadukt Bachstraße sozusagen in Luft auflöse. „Der wird auch bestens angenommen”, berichtet die Expertin. Allein: Das wirkliche Problem sei auf die schiere Unbelehrbarkeit einzelner zurückführen, die sich „radikal” über jegliches Fütterverbot hinwegsetzten.

Wartmann: „Wir haben es leider immer wieder mit einer bestimmten Dame zu tun, die an jeder Baumscheibe Richtung Bahnhof Futter streut.” Der renitenten Seniorin sei schlechterdings nicht beizukommen: „Ich schwöre: Wir haben wirklich alles versucht, was in unserer Macht steht.” Ergebnis - null. Die Dame füttere weiter - und dafür könne man sie natürlich nicht in einen Haft-Verschlag für Menschen sperren.

Moral? „Wir werden die Kollegen vom Stadtbetrieb bitten, sich intensiv um die Reinigung zu kümmern”, verspricht Elke Wartmann. Und: Zwar sehe sich die Bahn weiterhin nicht veranlasst, etwas zu unternehmen in Sachen „Tauben-Vergrämung”, wie die Fachleute es nennen. „Aber im Hinblick auf die Situation in Rothe Erde haben wir erlebt, dass sie reagiert, wenn die Bürger selbst verstärkt Druck machen.”
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