Aachen - Tatort Büchel: Aus der Schule zum Überfall und zurück

Tatort Büchel: Aus der Schule zum Überfall und zurück

Von: wos
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Aachen. Im Prozess um den Überfall auf das Juweliergeschäft am Büchel gestanden gestern weitere Angeklagte die Tat, bei der am Morgen des 25. Juli des vergangenen Jahres elf hochwertige Patek Philippe Uhren aus dem Geschäft gestohlen wurden.

Bereits am ersten Prozesstag hatte der erst 17-jährige Edgaras J. ein Geständnis abgelegt, zu dem er gestern vor der 2. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht ergänzende Angaben machte. Mit ihm sind ein weiterer 17-jähriger Täter, Edgaras L., sowie der 19-jährige Darius L. und der „Senior-Partner“ der Jugendlichen, der 62-jährige Antanas O., wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Alle Mitglieder der Viererbande aus dem baltischen Litauen gaben an, dort in der Nähe von Kaunas – es ist die zweitgrößte Stadt des Landes – von Männern im mittleren Alter für den Überfall angeworben worden zu sein, ihre Identität würden sie bis heute nicht kennen. Dies soll in einer Disko und in einem Hotelzimmer geschehen sein, bei Weigerung hätten die Kriminellen „mit Schlägen“ und Repressalien für die Familien gedroht, berichtete gestern teilweise unter Tränen der zweite 17-Jährige vor der Kammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme.

Man habe ihn und die anderen dann in einem Kleinbus durch Polen gefahren und in einem Hotel im benachbarten Vaals untergebracht, die Flucht nach der Tat lief dann über Belgien, also eine kombinierte Aktion im Dreiländereck. Sie seien mit neuer Kleidung ausgestattet worden, am Ende der Tour hätten sie zur Rückkehr nach Litauen ihre Pässe wieder bekommen, berichtete der Schüler, er sei dann ganz normal wieder in den Unterricht gegangen.

Die Einlassung des zur Tatzeit sogar noch 16-Jährigen hatte sich die Vorsitzende genau und mit wenigen Zwischenfragen angehört. Zuvor aber hatte man das Tat-Video aus einer zentralen Kamera im Juweliergeschäft als Beweismittel in die Verhandlung eingeführt.

Was man dort kurz vor der Einlassung des scheinbar völlig unbedarften und sich selbst als Opfer darstellenden Jugendlichen sehen konnte, war für die Vorsitzende kaum mit der gerade gemachten Aussage des Angeklagten überein zu bringen. „Das passt nicht“, stellte Richterin Böhme in einem Ton fest, den man ansonsten bei ihr nicht gewohnt ist. „Sie gehen nochmal zu der am Boden liegenden Mitarbeiterin hin und sprühen ihr CS-Gas ins Gesicht?“

Der Vorsitzenden ging es wie vermutlich allen im Saal: Der Überfall sah professionell geplant und ausgeführt aus und nicht wie ein zufällig gelungener Coup einer bunt zusammengewürfelten Gymnasiastentruppe.

Auf dem Video sah man genau, wie zunächst zwei angebliche Käufer eingelassen wurden, dann ging alles ganz schnell. In Sekunden wurde die Verkäuferin brutal zu Boden gebracht und weggezerrt, einer der Jungen sprang hoch über eine Schutzwand in die Auslagen und sammelte die Uhren ein, einer sicherte den Keller, innerhalb von nicht mal einer Minute war man wieder weg.

Der Prozess geht Dienstag, 19. Juni, weiter.

 

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