Aachen - Tanztheaterprojekt „inMotion” geht in zweite Runde

Tanztheaterprojekt „inMotion” geht in zweite Runde

Von: Andreas Steindl und Thorsten Karbach
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Saubere Arbeit für Onkel Wanja: Marcel Schmitz verbringt seinen Werkstatttag im Malersaal des Theaters. Das Tanztheaterprojekt „inMotion” gibt dem Schüler vom Kennedypark diese Möglichkeit. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Früher hat Marcel mal mit seinem Vater einen Stuhl gestrichen. Nun lackiert er einen Stuhl für Onkel Wanja, auch wenn er gar keinen Onkel Wanja hat. Marcel Klein, 16, ist Schüler und besucht die Förderschule am Kennedypark.

Doch donnerstags hat er seinen Werkstatttag, und den verbringt er im Malersaal der Theaterwerkstätten an der Mörgensstraße. Und die Stühle werden demnächst im Theater zu sehen sein - im Stück „Onkel Wanja”.

Mitarbeiten als Belohnung

Dass Marcel seine Donnerstage im Malersaal verbringt, ist eine Folge des Tanztheaterprojekts „inMotion”. In dessen erster Runde hatte Marcel den Workshop „Bühne und Kostüme” belegt und sich so gut geschlagen, dass er nun donnerstags mitarbeiten kann.

Er trägt einen Kapuzenpulli mit Farbflecken, die Hose ist verschmiert, sogar im Haar hat er einen Farbklecks. So sehen junge Leute eben aus, wenn sie anpacken. Kirsten Ackermann schaut zufrieden zu, wie Marcel sich schlägt. „Es ist toll, wenn die Jugendlichen die Früchte ihrer eigenen Arbeit sehen können”, sagt sie.

Ackermann ist Koordinatorin für „inMotion”, das Tanztheaterprojekt des Stadtteilbüros Aachen-Ost, das nun in die zweite Runde geht. Bereits Ende Januar hatten Kinder und Jugendliche von den Schulen in Aachen-Ost „Schéhérazade” auf die Bühne des Theaters gebracht.

In der zweiten Runde führen rund 150 junge Menschen von vier Schulen am 20. Juni das Tanzstück „Oberwasser” im Eurogress auf. Kooperationspartner sind das Theater und das Sinfonieorchester, das Sozialwerk Aachener Christen, Choreograf Volker Eisenach und der Eurogress.

Nach den Osterferien beginnen die Workshops. Aktuell läuft die Phase, die die Organisatoren „berufliche Orientierung im kulturellen und medialen Umfeld” nennen. Jugendliche erleben in Werkstatttagen und Praktika Arbeitsalltag. Wie Marcel. Oder die 16-jährige Ghislaine Marrouk. Filz, Gummimilch, Goldfarbe, einen Haarkranz sowie eine Praktikantin braucht es, damit der Hut des Zauberers beim Räuber Hotzenplotz goldfarbig strahlt und metallisch aussieht. „Dass so viel Arbeit hinter den Theaterkulissen nötig ist, hätte ich nicht gedacht”, erklärt Ghislaine.

Sie hätte nicht erwartet, dass es einen ganzen Tag für ein Kostüm braucht. Die Schülerin der Hauptschule Aretzstraße macht ein dreiwöchiges Praktikum in der Schneiderei der Theaterwerkstätten. Und sie schaut den Profis nicht nur über die Schultern, sondern wird voll in die Arbeit eingebunden: 23 Paar Schuhe mussten umgefärbt werden. „Ich will auf jeden Fall in diesem Bereich später arbeiten”, sagt sie.

„InMotion” ist eben mehr als ein Tanzprojekt. Es geht auch um berufliche Perspektiven. Die gibt es am Theater, auch wenn es jedes Jahr viel zu viele Bewerber sind. „Es ist erst mal wichtig zu sehen, dass die Jugendlichen mit Elan dabei sind”, sagt Ackermann. Und das sind sie. Marcel streicht und streicht und streicht. „Es ist wichtig, dass es gründlich ist”, sagt er.

Ghislaine hat bereits beschlossen, sich 2010 in den Werkstätten zu bewerben. Dann wird sie noch einmal „vornähen” müssen. „Da tanzen die Nähte schon mal aus der Reihe”, sagt Kostümbildnerin Schwietert. Doch das kann Ghislaine Marrouk nicht mehr überraschen: Sie hat schon einen Grundkurs Nähen an der VHS besucht.

Und vielleicht ergeht es Ghislaine oder Marcel so wie Rafael Mertens. Der Schüler beteiligte sich an „inMotion” und konnte einen Ausbildungsvertrag zum Veranstaltungstechniker unterschreiben. „Das ist die Idealvorstellung”, freut sich Delia Tönjes vom Sozialwerk Aachener Christen. Und Marcel streicht weiter für Onkel Wanja.
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