Tanzstück „Bittere Mandel“ im Mörgens passt in kein Theaterklischee

Von: Eva Onkels
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Stück von Seniorinnen und Jugendlichen: Katrin Eickholt, Yvonne Eibig und Heide Maue-Weynand (von links) stellten „Bittere Mandel“ vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Grenzen können ein Schutz, aber auch ein Hindernis sein – beides sind aber Aspekte der selben Sache. Eine Auseinandersetzung mit inneren Grenzen und Komfortzonen soll daher das Tanzstück „Bittere Mandel“ sein, welches am Samstag, 4. Juni, im Mörgens Premiere feiert. Es geht um Fragen räumlicher und körperlicher Grenzen sowie darum, sich von ihnen zu befreien.

Bei „Bittere Mandel“ handelt es sich um eine Produktion mit Jugendlichen aus dem sogenannten Teensclub des Theaters Aachen sowie Aachener Seniorinnen. Die Leitung des ungewöhnlichen und am Theater bisher einzigartigen Projekts übernahm Katrin Eickholt, die Choreografie Yvonne Eibig.

Sie legen auch Wert auf den integrativen Impuls der Produktion: Drei Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 sowie neun Senioren zwischen Mitte 50 bis 76 zeigen tänzerisch verschiedene Auffassungen über das Thema Grenze. Während der Proben kristallisierte sich bereits heraus: Grenzen müssen nicht immer etwas Schlechtes ein. Auf der einen Seite sind sie einschränkend, etwas, das man überwinden will und in vielen Fällen auch sollte, auf der anderen Seite schützen Grenzen uns und unser Inneres.

Diese Gegensätzlichkeit des Begriffs war auch die Inspiration für den Titel des Stückes. Die Mandel, die gleichzeitig hart und bitter schmecken kann, ist auch Hauptbestandteil des süßen und weichen Marzipans.

Anders als bei vorherigen Stücken konzentriert sich „Bittere Mandel“ auf tänzerischen Ausdruck. Dies sorgte zu Beginn der Proben im September 2015 für eine deutliche Verkleinerung der Gruppe. Insgesamt hatten sich 50 Personen für das Projekt angemeldet, geblieben sind insgesamt zwölf. Viele, so die Erklärung der Verantwortlichen, hätten wohl nicht damit gerechnet, dass bei diesem Stück tatsächlich weniger Wert auf Text denn auf Tanz und Körperausdruck gelegt wird.

Dennoch wird auf Text nicht verzichtet. In einer Szene beispielsweise tanzen die Jugendlichen, während die Senioren einen Text vorlesen. „Schon in der ersten Probe wurde klar, dass sich auf ganze zarte Weise etwas entwickelt“, erzählt Yvonne Eibig. Zu Beginn sollte jeder Teilnehmer aufschreiben, was er kann und was nicht. In der Probe stellte sich dann heraus, dass viele Teilnehmer sich weniger zutrauten, als sie tatsächlich konnten – und viele Teilnehmer sind auch über ihre Grenzen hinausgegangen.

Männer sind abgesprungen

„Es ist auf allen Ebenen ein Herantasten an Grenzen“, so erklärt Eibig nicht nur das Stück, sondern auch die Arbeit mit den Darstellerinnen. Das gesamte Ensemble besteht in dieser Spielzeit aus Frauen, denn die wenigen Männer, die zu Anfang noch dabei gewesen sind, seien schließlich alle abgesprungen.

Zwei der Teilnehmerinnen, Heide Maue-Weynand, eine der Seniorinnen, und Alina Wolff, mit 13 Jahren die Jüngste im Ensemble, sind beide der Ansicht, dass die Zusammenarbeit trotz einiger Reibereien und Akzeptanzprobleme gut funktioniert hat. Allerdings sollte man nicht mit der Vorstellung an „Bittere Mandel“ herangehen, dass es sich um modernen Tanz, Ballett oder klassischen Bühnentanz handelt. Es wird vor allem improvisiert.

Die Aufführungen finden statt am Samstag, 4. Juni, Sonntag, 5. Juni, 18 Uhr, sowie am Sonntag, 19. Juni, 16 Uhr im Mörgens, Mörgensstraße 24. Die Dauer wird zwischen 45 und 60 Minuten betragen. Karten gibt es an der Theaterkasse des Theaters Aachen sowie an der Abendkasse.

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