Aachen - „TANDEMmia”: Projekt bringt Senioren und Freiwillige zusammen

„TANDEMmia”: Projekt bringt Senioren und Freiwillige zusammen

Von: Birgit Broecheler
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Sehen ein gelungenes Pilotproj
Sehen ein gelungenes Pilotprojekt: (von links) Heidrun König (Gewoge), Udo Loggen (betreuter Senior), Mike Zander (Gewoge), Marion Timm (Diakonisches Werk Aachen), Prof. Ulrich Deller (Katholische Hochschule), Heike Keßler-Wiertz (Werkstatt der Kulturen) und Raquel Barros („ TANDEMmia”). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den kulturellen und sozialen Hintergrund vieler Bewohner des Ostviertels hat die Werkstatt der Kulturen ein einzigartiges Projekt für Aachen geschaffen: „TANDEMmia” soll Senioren und Ehrenamtliche zusammenbringen.

„,TANDEMmia setzt als Pflegeprävention dort an, wo soziale Netzwerke die Bedürfnisse von älteren Menschen nicht auffangen können”, erklärt Projektleiterin Raquel Barros, die mit der Diakonie, der Wohnungsgesellschaft Gewoge und der Katholischen Hochschule NRW (Katho) kooperiert.

Das Ziel: Senioren ab 65 Jahren sollen weiter in ihren Wohnungen leben können, Vereinsamung und Isolation vermieden werden. Wer keine helfende Hand durch Familie, Freunde oder Nachbarn hat, kann sich ein Mal pro Woche für ein bis drei Stunden durch Ehrenamtliche zu Hause betreuen lassen. Auf dem Programm stehen Behördengänge, Einkäufe, aber auch einfach Kaffee trinken und erzählen.

Seit Oktober gibt es im Ostviertel acht solcher Tandem-Partner. Mit und ohne Migrationshintergrund. Senior Udo Loggen ist glücklich über die neue Möglichkeit, denn „ohne diese Stunde wäre mein Leben sehr viel leerer”, sagt der 69-Jährige.

Einen Freundeskreis oder näheren Umgang mit den Nachbarn hat der ehemalige Dolmetscher nicht. Nun besuchen ihn zwei Studentinnen, helfen ihm mit dem Computer oder halten einfach nur ein Schwätzchen.

Erleichterung und Bereicherung

Für Loggen eine große Erleichterung, für die Studentinnen eine Bereicherung. Denn - so meint Professor Ulrich Deller von der Katho: „Solche Erfahrungen sind im Studium nicht zu vermitteln.” Motiviert würden die Ehrenamtler auch durch die Möglichkeit, interkulturelle Erfahrungen zu machen und einen neuen Blick auf die Lebenswirklichkeit von Senioren zu bekommen.

Deller wünscht sich deshalb, dass soziales Engagement ein Teil der Ausbildung an den Hochschulen wird, wie dies bereits in den Niederlanden der Fall ist. Und er sagt auch: „Wir wissen, dass durch solche Projekte die Quote der Einweisung in Pflegeheime halbiert werden kann.”

Projektleiterin Barros möchte weitere Tandem-Partner gewinnen. „Interessierte Senioren gibt es bereits, aber wir brauchen mehr neugierige Ehrenamtler.” Durch Gespräche, Fragebögen und ein gemeinsames Treffen sorgt Barros dafür, dass Betreuer und Senior zueinander passen. Außerdem erhalten Ehrenamtler eine Schulung und werden zu Reflexionsgesprächen eingeladen. Und auch wer nur über wenig Zeit verfüge, könne sich engagieren.

Kooperationspartner ist auch die Gewoge, die rund 1000 Wohnungen im Ostviertel hat. Sie profitiert von dem Projekt, weil „Senioren eine wichtige Gruppe für uns sind”, erklärt Abteilungsleiter Mike Zander. Gefördert wird das Projekt bis Oktober durch das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt NRW”. „Wir haben uns für verschiedene Förderungen beworben”, sagt Heike Kessler-Wiertz, Leiterin der Werkstatt der Kulturen. Das Projekt solle auf jeden Fall weitergehen.

Infos erhalten Senioren und Ehrenamtler in der Sprechstunde bei Raquel Barros Montags zwischen 10 und 12 Uhr sowie Freitags zwischen 15 und 17 Uhr in der Werkstatt der Kulturen, Reichsweg 19-42, Telefon 5153513.
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