Talbot Services lockt neue Bahnpartner an

Von: Berthold Strauch
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Blick in die jetzige Bombardier-Endmontage: Die „schwebenden Züge“ für Stuttgart sorgen noch ein halbes Jahr lang für Auslastung bei Talbot Services. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Das haben sich die zunächst so stark gebeutelten „Talbötter“ richtig verdient: Bei der Feier des 175-jährigen Unternehmensjubiläums am Samstag stehen zunächst die Mitarbeiter und ihre Partner im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Was sie unter Führung des Betriebsratsvorsitzenden Josef Kreutz (51) mit ihrem engagierten Kampf gegen die Schließungspläne von Bombardier geleistet haben, damit der Standort Aachen weitergeführt werden kann, ist schon bemerkenswert.

Damit verbunden ist die Hoffnung auf eine sichere Zukunft unter der neuen Regie von Talbot Services mit dem Baesweiler Personaldienstleister Quip AG im Hintergrund. Dafür hat der alte und neue Werksleiter Dirk Reuters (45) mit seinem Führungsteam die entscheidenden Weichen gestellt.

Loks auseinandernehmen

Damit soll der Weg des Unternehmens nicht nur zur neuen Produktionssparte Streetscooter führen, sondern auch im angestammten Bahngeschäft sollen durchaus interessante Akzente gesetzt werden, wie Reuters im Gespräch mit unserer Zeitung andeutete.

Für mehr Klarheit sorgte Walter Schreiber von der Traditionsfirma Westfälische Lokomotivfabrik Reuschling aus Hattingen im Ruhrgebiet. Auf Nachfrage bestätigte der Familienunternehmer das starke Interesse an einer Ansiedlung auf dem Aachener Talbot-Gelände. „Wir können an unserem jetzigen Standort nicht mehr wachsen, die Kapazität ist voll“, sagte Schreiber. Reuschling, das 2014 sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, befasst sich insbesondere mit der Wartung von Lokomotiven. Wie Flugzeuge, die nach einer bestimmten Laufleistung zurück in den Hangar müssen und dort komplett auseinandergenommen werden, um alle Funktionen zu checken, sei dieser Prozess auch bei Schienenfahrzeugen erforderlich, erläuterte der Geschäftsführer. Schreiber hat daher sein besonderes Augenmerk auf Talbot-Hallen mit direktem Gleisanschluss gelegt. Konkrete vertragliche Vereinbarungen mit den Aachenern seien bislang nicht unterzeichnet, die Verhandlungen liefen noch, zeigte sich Schreiber allerdings sehr zuversichtlich, zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen.

Talbot-Services-Chef Dirk Reuters, der das neuformierte Unternehmen ab 1. Juli führen wird, verspricht sich von dem Engagement von Reuschling auch konkrete Ansätze für eine enge Zusammenarbeit – mit entsprechenden Auswirkungen auf die weitere Zahl der Mitarbeiter.

Reuschling hat in Hattingen rund 120 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz beträgt rund zwölf Millionen Euro. Bislang ist das Unternehmen überwiegend für private Anbieter von Schienenverkehr aktiv, nur in Ausnahmefällen für die Deutsche Bahn, die eigene Wartungs- und Ausbesserungskapazitäten unterhält. Verbunden mit der Prüfung der Loks ist auch eine eigene Fertigung der benötigten Ersatzteile. Der Standort Hattingen solle auf jeden Fall fortgeführt werden, wollte Schreiber noch keine möglichen Arbeitsplatzzahlen für Aachen nennen, wo zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden sollen.

Bereits in trockenen Tüchern ist ein Auftrag für Talbot Services aus Hamm in Westfalen. Er stammt von Eurobahn, einem Anbieter von schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr im Raum Ostwestfalen-Lippe zwischen Bielefeld, Münster und Detmold. Wie Eurobahn-Pressesprecherin Corinna Alder am Donnerstag auf Nachfrage bestätigte, sei mit Talbot Services fest vereinbart, insgesamt 21 Talent-Personenzüge zu überarbeiten. Der größte Teil dieses Auftrags werde 2014 abgewickelt, aber noch dieses Jahr begonnen, versicherte sie.

Die Züge sollen überarbeitet werden, wobei auch Angleichungen mit Blick auf zwei neue Linien erfolgen sollen, auf denen demnächst der Betrieb aufgenommen wird. Dabei geht es von der Anhebung des Fußbodens über die Installierung von Fahrkartenautomaten und Fahrgast-Infosystemen bis zum Anheben der Sitze. Die Talent-Flotte ist zwischen 2000 und 2005 gebaut worden. Eurobahn ist eine Marke des französischen Keolis-Konzerns mit der Deutschland-Zentrale in Berlin, der weltweit operiert als Eisenbahn-Betreiber.

Ein Jahr steht Bombardier gerade

Daneben wickelt Talbot Services bis Ende des Jahres auch noch den Auftrag für den Stuttgarter Nahverkehr ab, den Bau von insgesamt 35 Zügen. Zudem werden weitere Aufträge für den bisherigen Mutterkonzern Bombardier erledigt, der zum 30. Juni ausscheidet. „In dem Konzern gibt es viele Leute, die uns immer noch gut gesonnen sind“, sagt Betriebsratschef Josef Kreutz.

Bezüglich der Schließungsabsicht, die auch dank der Kanadier in ein Stück optimistische Zukunft gewandelt werden konnte, fügt Kreutz an: „Wir sind nicht nachtragend.“ Zudem verweist er darauf, dass mit dem Sozialplan ausgehandelt werden konnte, dass Bombardier bis zum 1. Juli 2014 hilft, falls sich das neue Modell doch nicht tragen sollte.

Dirk Reuters: „Bis dahin müssen wir uns am Markt durchgesetzt haben“ – woran er nicht zweifelt.

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