„Talbötter” ziehen jetzt die Schrauben an

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Josef Kreutz hat heute einen Termin in der Deutschland-Zentrale von Bombardier bei Berlin. Allerdings nicht bei der Geschäftsleitung.

„Der Gesamtbetriebsrat kommt zur ordentlichen Sitzung in Hennigsdorf zusammen”, berichtet der Betriebsratsvorsitzende des Werks an der Jülicher Straße.

Und dass dabei der Blick aufs Dreiländereck gerichtet ist, liegt auf der Hand. „Nein, nach der Krisensitzung am Mittwoch im Rathaus haben wir von der Konzernspitze offiziell nichts mehr gehört”, bestätigt Kreutz.

Umso lauter wollen sich die Beschäftigten jetzt Gehör verschaffen - mit allen legalen Mitteln: „Die Daumenschrauben werden ausgepackt”, bekräftigte auch Franz-Peter Beckers. Am Vormittag hatte der IG-Metall-Chef bei einer rund zweistündigen Betriebsversammlung nochmals über das „desaströse Gespräch” (Beckers) mit den Vertretern der Firmenleitung bei OB Philipp berichtet.

„Fast die komplette Belegschaft war zugegen”, unterstreicht Kreutz. Die Talbötter wollen das heiße Eisen des zivilen Widerstands schmieden, solange das Damoklesschwert der Schließung über ihren Köpfen schwebt. Überstunden würden vom Betriebsrat nicht mehr genehmigt. Auch die Verträge der Leiharbeiter würden nach dem Jahreswechsel in aller Regel nicht verlängert, betont Kreutz - „sofern es beim knallharten Nein im Hinblick auf die Sicherung des Standorts bleibt”. Zum Dritten würden die Mitarbeiter aufgefordert, Überstundenkonten aufzulösen. Nach AZ-Informationen soll es dabei um insgesamt rund 800 000 Euro gehen.

„Es ist uns klar, dass das nur Nadelstiche sind”, meint Kreutz, „aber auch die tun weh.” Zumal dem Konzern zurzeit auch in seiner kanadischen Heimat heftige Konflikte ins Haus stehen. „Im Werk bei Quebec sind 330 Beschäftigte im Streik; sie fordern unter anderem Lohnerhöhungen”, weiß Beckers. „Natürlich sind wir hier derzeit in der Friedenspflicht. Aber wir haben breite Unterstützung.”

Inzwischen haben die Talbötter über 10.000 Unterschriften gesammelt. Heute, 18 Uhr, berät das Solidaritätskomitee in St. Elisabeth einmal mehr über eine Fülle von Ideen, den Druck zu erhöhen - inklusive eines „Martinszugs”, den DGB-Chef Ralf Woelk in Kürze anmelden will. „Es wird eine große Demo auf der Jülicher Straße geben, mit vielen Menschen auch aus den benachbarten Tagesstätten und Schulen”, erklärt Woelk.

Momentan ist als Termin der 13. November ins Auge gefasst. Am gleichen Tag befasst sich der Wirtschaftsausschuss von Bombardier Deutschland mit der Situation in Aachen. Die Talbötter wollen dafür sorgen, dass ihre Protestrufe bis an die Spree vernehmbar bleiben.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert