Tag des offenen Denkmals: Etwas hölzern, aber gar nicht langweilig

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Auf dem Holzweg: Sibille Spieg
Auf dem Holzweg: Sibille Spiegel von der Lousberggesellschaft, Dezernentin Gisela Nacken und Monika Krücken, Leiterin der Denkmalpflege bieten Besuchern am Tag des offenen Denkmals ein vielseitiges Programm rund um das Thema „Holz”. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Historische Holzhäuser sieht man seit dem großen Stadtbrand 1656 in der Kaiserstadt keine mehr. Dennoch sind die Veranstalter des Tags des offenen Denkmals alles andere als auf dem Holzweg, wenn sie ihren Aktionstag in diesem Jahr unter das Motto „Holz” stellen.

„Das Thema war natürlich eine Herausforderung. Aber schließlich ist Holz nicht nur ein Baustoff, das machte die Suche einfacher. Wir finden in Aachen auch jede Menge lebendiges Holz”, sagt Gisela Nacken, Beigeordnete im Dezernat Planung und Umwelt der Stadt Aachen. Etwa im Müschpark, der beim 20. Tag des offenen Denkmals in Aachen besondere Aufmerksamkeit erfahren wird.

Parkanlage spät erworben

Erst im Jahr 2008 konnte die historische Parkanlage, die Aachener Industrieellen einst als Sommersitz diente, aus Mitteln der Euregionale von der Stadt Aachen aus Privatbesitz erworben werden. Bis dahin blieb die Schönheit des verwunschenen Parks vielen Bürgern verschlossen. Am 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, können Besucher bei einer Führung den historischen Strukturen nachgehen, und den Blick auf exotische Baumanpflanzungen, Wasseranlagen und Pavillonsitzplätze genießen.

„Die Besucher können an diesem Tag ganz tief in die Geschichte der Anlage eintauchen”, sagt Monika Krücken, Leiterin der Denkmalpflege der Stadt Aachen. Parallel findet eine Ausstellung zum Park im Kerstenschen Pavillon am Lousberg statt. Die Ausstellungsstücke vermitteln einen Einblick in die gartenkünstlerische Entwicklungsgeschichte des Müschparks. Grundlage der Ausstellung sind die Arbeitsergebnisse des Parkpflegewerks.

Die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten des Rohstoffes - nicht nur im Grünen - spiegeln sich auch im weiteren Programm des Aachener Tags des offenen Denkmals wider. Denn nicht nur in Gestalt der lebendigen Bäume in den Parks steht das Holz an diesem Tag im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Tag des offenen Denkmals öffnet auch Türen zu sonst verschlossenen Gebäuden. Denn auch wenn die meisten Bauwerke in der Kaiserstadt reine Steinbauten zu sein scheinen - im Innern findet sich so manch hölzernes.

So auch in der Welschen Mühle, der einzigen noch existierenden Kornmühle Aachens. Denn sie besitzt ein hölzernes Mühlrad. Und so bekommen Besucher bei einer Führung einen Eindruck davon, wie das Material Holz als konstruktives Element in Handwerk und Technik in der Vergangenheit eingesetzt wurde.

„In deutlich versteckterer Form”, so erklärt die Leiterin der Denkmalpflege, „findet man in Aachens bekannten Bauwerken noch viel mehr vom Material Holz.” Denn auch in den Dachstühlen von Häusern und Kirchen spielt das Naturmaterial eine oft „tragende” Rolle, ebenso wie für Türen, Treppen und Verzierungen in Türen und Fenstern historischer Gebäude, so wie in der Villa Cassalette, oder in der besonderen Innenausstattung mancher Häuser, etwa im einstigen Wohnhaus des Apothekers Monheim, das heute als Couven-Museum bekannt ist.

Wer den Alltag im Mittelalter hautnah erleben möchte, sollte am Tag des offenen Denkmals einen Abstecher nach Kornelimünster einplanen. Denn auch hier geht es hölzern zu, jedoch alles andere als langweilig. „Im Abteigarten erwacht an diesem Tag die Vergangenheit zum Leben”, verspricht Stadtarchäologe Markus Pavlovic, der sich gemeinsam mit Kollegin Marie Jana ein buntes Programm ausgedacht hat. Zu sehen und bestaunen gibt es Vorführungen des mittelalterlichen Handwerks.

„Die Besucher können zuschauen, wie Pfeil und Bogen gefertigt werden oder der Schmied das heiße Eisen formt. Wer sich traut, kann sich selbst an der Handspindel versuchen, Bänder knüpfen oder mittelalterliche Brett- und Gesellschaftsspiele ausprobieren. „Viele dieser Spiele sind natürlich aus Holz gefertigt, womit wir das Motto des Tags des offenen Denkmals in Kornelimünster wieder aufnehmen.

Doch dreht sich am Tag des offenen Denkmals nicht alles strikt ums Thema Holz. Denkmalinteressierten bietet sich die Möglichkeit, auch nahezu „holzfreie” Objekte kennenzulernen: der Geschichtsverein Hahn und Friesenrath lädt zu einer Führung durch das ehemalige Kalkwerk Walheim ein. Und auch in das alte Umspannwerk, einst zur Stromerzeugung erbaut, heute runderneuert und vom Orchester für seine Proben genutzt, können Besucher zum ersten Mal einen Blick werfen.

Und auch die Mitarbeiter des Hochschularchivs der RWTH bieten um 18 Uhr eine Führung durch das denkmalgeschützte Gebäude am Theaterplatz 14 an. Das alte Regierungsgebäude zeichnet sich aber nicht nur durch seine Architektur, sondern in besonderem Maße durch historische Erinnerungen aus.

Führungen und Besichtigungen am Tag des offenen Denkmals

Führung durch den Müschpark, 11 Uhr, Start am Toreingang Purweider. Ausstellung im Kerstenschen Pavillon von 11 bis 16 Uhr.

Führung durch die Kirche St. Donatus, 11.15 Uhr, (Anmeldung:526210)

Führung durch das Kalkwerk Walheim, 14 Uhr, Treffpunkt ist der Parkplatz des Rewe-Markt in Walheim.

Rundgang Ostfriedhof Aachen. 10 bis 11.30 Uhr und 12 bis 13.30 Uhr, Treffpunkt am Haupteingang.

Besichtigung Marienkapelle Burtscheid, jeweils um 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr, Treffpunkt: Gregorstraße/Ecke Malmedyer Straße Burtscheid

Busrundfahrt mit der Buslinie G „Grenzen und Gatter”, 10, 12, 14 und 16 Uhr, Abfahrt: Haltestelle 13, Peterstraße, Preis: 1,50 Euro.

Welsche Mühle, geöffnet von 10 bis 17 Uhr, Mühlenstraße 19.

Nach Bedarf Führung durch die ehemalige Reichsabtei Kornelimünster, 11 bis 17 Uhr, Abteigarten 6, Kornelimünster.

Das Mittelalter in Kornelimünster erleben, 11 bis 17 Uhr, Abteigarten 6.

Kurzvortrag über neue Forschungen zum römischen Tempelbezirk Varnenum, 11.30 / 14 Uhr, Treffpunkt am Denkmal.

Führung via Rundweg um das Nachbarholz des Vaalser Quartiers, 12 Uhr, Treffpunkt ist der Parkplatz vor dem Restaurant am Dreiländerweg.

Führung Villa Cassalette, 12 und 15 Uhr, Wilhelmstraße 18.

Industriegeschichtliche Führung entlang des Wildbachs, 11 Uhr, Treffpunkt Ecke Schurzelter Straße/ An der Ölmühle.

Führung „Auf den Spuren des Wandmalers Klaus Paier”, 11 Uhr, Café Kittel.

Führung „Holz als Werkstoff der Innenraumgestaltung”, 11.15, 13.15 und 15.15 Uhr , Couven Museum.

Führung durch Kraftwerk Borngasse, 12 und 14 Uhr, Anmeldung unter Tel. 9131100.

Ausstellung „Holz - Fluch und Segen”, 11 bis 17 Uhr, Sammlung Crous.

Stadtführung mit Kinderaugen , 11 und 15 Uhr, Treffpunkt ist der Marktbrunnen vor dem Rathaus.

Stadtspaziergang, 11 und 14 Uhr, Treffpunkt am Fischpüddelchen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert