Tag des Down-Syndroms: Auf dem Weg zur Normalität

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Hat nicht nur beim Dart zuletzt manchen Treffer gelandet: Kevin Konrad führt trotz seines Handicaps ein möglichst eigenständiges Leben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Kevin Konrad zieht den Ärmel vom T-Shirt hoch. Ein Tribal – ein in sich verschlungenes Tattoo – kommt zum Vorschein, noch frisch glänzend. Der 25-Jährige ist sichtlich stolz darauf. „Auch wenn Du doch erschrocken warst, dass das mit einer echten Nadel gemacht wird“, feixt Frank Marx. Konrad grinst und nickt.

Ein normales Gespräch zwischen zwei Männern? Ja und nein. Marx ist Teamkoordinator bei der Lebenshilfe. Konrad nimmt dort Betreutes Wohnen in Anspruch. Seit anderthalb Jahren wohnt er in einer Dreier-WG zusammen mit zwei anderen Männern mit Behinderung. Konrad ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. Von einem selbstständigen Leben hält ihn das nicht ab.

Natürlich: Unterstützung ist notwendig. Morgens weckt der Pflegedienst die Drei und kümmert sich um die Morgentoilette. „Ich mache das allein, aber der Pflegedienst guckt, dass ich auch nichts vergesse“, sagt Konrad. Er kennt seine Schwächen ziemlich gut. Wenn er sich nicht an die WG-Regeln hält, gibt es Streit und manchmal auch ungewöhnliche Konsequenzen – ausgehandelt mit seinen Mitbewohnern, unterstützt und moderiert von den drei Bezugsbetreuern. Im Moment stehen zwei Kühlschränke in der WG-Küche, damit Konrad weiß, welche Lebensmittel ihm gehören.

Doch seit er bei seinen Eltern aus- und in die WG eingezogen ist, hat sich bereits eine Menge verändert: „Zuhause hat mich der Zubringer abgeholt und zur Werkstatt gefahren. Oder meine Eltern haben mich irgendwo hingebracht. Jetzt nehme ich den Bus“, sagt er triumphierend. Die rote Flotte der Aseag bringt ihn zur Werkstatt für Menschen mit Behinderung, aber auch zum Tivoli, wenn er der Alemannia zujubeln will. Oder in die Stadt, wenn er mit Freunden ein Bierchen trinken oder ins Kino geht. Oder zur KG Forster Jonge, wenn er für den Karnevalsverein die Fahne schwenkt. Konrad genießt sein eigenständiges Leben und die Eltern gewöhnen sich auch daran.

Selbstverantwortung kann natürlich auch anstrengend sein – manch junger Mensch in der ersten eigenen Wohnung weiß davon ein Lied zu singen. Wäsche waschen, spülen, kochen, einkaufen, putzen – das muss alles erledigt werden. Konrad arbeitet gerade besonders am Umgang mit dem eigenen Geld. Im Moment bekommt er monatlich einen festgelegten Betrag von seinem Einkommen. Davon geht etwas in die Haushaltskasse, er muss seinen eigenen Bedarf an Lebensmitteln und Toilettenartikeln decken und seine Freizeitaktivitäten finanzieren. Den Überblick behalten und vielleicht nicht immer alles ausgeben – das ist das Ziel. Und irgendwann die vollständige Kontrolle über das eigene Konto bekommen.

Schritt für Schritt. Von der wöchentlichen Zuteilung ist Konrad jetzt schon bei einem Monatsbudget angekommen. Und konnte sich bereits ein erstes Mal belohnen: „Vom ersten Ersparten habe ich mir Dartpfeile gekauft“, weiß er stolz zu berichten. Das zweite Tattoo – das erste war ein Geburtstagsgeschenk – könnte das nächste Sparziel sein.

Über sich selbst bestimmen und daraus Selbstvertrauen ziehen – Konrads Behinderung behindert ihn nicht dabei.

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