Geschenke Freisteller

Tag der offenen Tür der Suchthilfe am Kaiserplatz

Von: Jan Weck
Letzte Aktualisierung:
Die Drogenberatung am Kaiserpl
Die Drogenberatung am Kaiserplatzstellte sich vor: von links Mark Krzmaric, Gaetano, Edirleni Miethke, Jakob Schiffers, Yvonne von der Ruhr, Reinhard Hofmann und Leiterin Barbara Berger. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Kaiserplatz ist bekannt als Ort, an dem Drogen verkauft und konsumiert werden und soziale Not offensichtlich wird. Häufig wird übersehen, dass er auch ein Ort ist, an dem Drogenabhängige überlebenswichtige Hilfe bekommen.

Denn die Suchthilfe Aachen betreibt dort ein Kontakt-Café und bietet eine Grundversorgung für Schwerstabhängige an.

Täglich kommen Abhängige in das Café, das 17,5 Stunden pro Woche geöffnet hat. Sie bekommen dort warme Mahlzeiten und haben außerdem die Möglichkeit, ihre Wäsche zu waschen und sich zu duschen. Immer sind Sozialarbeiter anwesend, die Kontakte zu den Drogenabhängigen aufbauen und nach Möglichkeit dauerhaft pflegen.

Auf Wunsch führen die Sozialarbeiter mit den Besuchern des Cafés Gespräche, informieren über Hilfsangebote für Drogensüchtige oder begleiten sie bei Behördengängen und Arztbesuchen. Eine Verpflichtung zu Beratung und Drogenabstinenz gibt es nicht, denn das Angebot soll niedrigschwellig sein.

Lebenshilfe und Überlebenshilfe

Es gehe darum, praktische Lebenshilfe und auch Überlebenshilfe zu leisten, erklärte Barbara Berger jetzt beim Tag der offenen Tür im Rahmen der Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte”. Die Diplom-Pädagogin und Sozialtherapeutin für Sucht leitet die Einrichtung am Kaiserplatz und hat lange Erfahrung im Umgang mit Betroffenen.

Das langfristige Ziel sei immer der Entzug, die Aufgabe in der Grundversorgung bestehe jedoch in erster Linie darin, Drogenabhängigen einen Schutzraum zu bieten und sie vor den ganz unmittelbaren Gefahren ihres Konsums zu schützen.

Deshalb sind im Café auch Spritzen und Utensilien erhältlich, die für eine hygienische Injektion von Drogen benötigt werden. Ziel ist es, eine Infektion mit Hepatitis, HIV oder anderen Krankheiten zu verhindern, die dann drohten, wenn Abhängige verunreinigte Spritzen verwendeten. Der Drogenkonsum ist in einem abgetrennten Raum neben dem Café legal und unter medizinischer Aufsicht möglich.

Für Notfälle gewappnet

Hier hat jedoch nur Zutritt, wer aus der Städteregion stammt und von der Suchthilfe eine Art Konsumentenausweis erhalten hat. Der Vorteil gegenüber dem unkontrollierten Konsum auf der Straße besteht darin, dass die Mitarbeiter der Suchthilfe hier sehen, in welchem gesundheitlichen Zustand sich ihre Besucher befinden und zur Not intervenieren können. Kommt es zu Notfällen, ist eine medizinische Erstversorgung in der Ambulanz direkt nebenan gesichert, wo während der Öffnungszeiten des Konsumraums immer eine Ärztin und eine Krankenschwester anwesend sind.

Es sei schon mehrfach vorgekommen, dass Menschen gerettet wurden, die auf der Straße nicht überlebt hätten, so Berger. Umso trauriger sei es deshalb, dass die Suchthilfe zu Beginn des nächsten Jahres aufgrund rückläufiger Nutzerzahlen verpflichtet sei, den Konsumraum zu schließen. Man werde versuchen, den Verlust durch neue Beratungsangebote im Café ein wenig auszugleichen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.