Tag der offenen Moscheen: Blick in die islamische Welt Aachens

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. „Man hört viel über den Islam, aber hier kann man direkt fragen und mehr verstehen”: Nicht nur Bruno Schulz, seine Frau Irmgard und ihr Enkel Yannick aus Eschweiler nutzten die Gelegenheit, sich am Tag der offenen Moschee in der Bilal-Moschee umzusehen.

Seit 16 Jahren öffnen die islamischen Gemeinden Deutschlands symbolträchtig am Tag der deutschen Einheit die Türen ihrer Moscheen. In Aachen sind das neben der Bilal-Moschee am West-Bahnhof die Yunus-Emre-Moschee im Ostviertel, die Eyüp-Sultan-Moschee im Rehmviertel und die Bosnische Gemeinde am Eisenbahnweg. In diesem Jahr stand der Tag unter dem Motto „islamische Kunst und Kultur”.

Zu kurz gekommen

„Das ist ein Aspekt unserer islamischen Kultur, der in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen ist”, erklärte Idris Malik, Vorstandsmitglied der Bilal-Moschee, angesichts gesellschaftlicher Debatten um Islamismus, Kopftuchverbot und Minarett-Streit. Kleine kaligraphische Kunstwerke - der eigene Name in Arabisch - konnten sich die Besucher der Bilal-Moschee deshalb anfertigen lassen.

Trotzdem standen nicht die geschwungenen Schriftzeichen im Mittelpunkt der Gespräche. Wie verhält es sich mit der religiösen Hierarchie? Muss der Schutz der persönlichen Unversehrtheit nicht höher bewertet werden als die Religionsfreiheit? Wie wäre die Debatte um die Beschneidung von Jungen ausgegangen, wenn es nicht auch ein jüdischer Ritus wäre? Wurde die Minarett-Höhe des Neubaus der Yunus-Emre-Moschee nachträglich nach unten korrigiert? Von interessiertem Austausch bis zu hitzigen Debatten war alles zu erleben in den Moscheen.

Getragen wurden die Unterhaltungen dabei stets von gegenseitigem Respekt, Offenheit auf der Seite der Moschee-Vertreter und ehrlichem Interesse auf der Seite der nicht-muslimischen Besucher. Irene Tsapas nutzte den Tag sozusagen als Weiterbildung: „Ich unterrichte in der Hauptschule Burtscheid gerade 14 Schüler aus Afghanistan. Da muss ich mich auch für ihre Kultur und Religion interessieren.” Andere sehen den Moschee-Neubau an der Stolberger Straße stetig wachsen oder sind schon mehrfach an der denkmalgeschützten Bilal-Moschee - eine der zwei ältesten Moscheen mit Kuppel und Minarett in Deutschland - vorbeigefahren. „Jetzt habe ich die Chance genutzt, mal hinein zugehen”, erklärte Sarah van der Walle ihren Besuch. Und Jürgen Morsbach stellte fest: „Muslime sind immer selbstverständlicher Teil der Gesellschaft. Ich fühlte mich eingeladen.”

Erfahren konnten sie und alle anderen viel über die fünf Säulen des Islams, den Grund für die Geschlechtertrennung beim Gebet oder auch über die Implementierung der Dialogarbeit in den Gemeinden. „Als Gebetsraum hätte die alte Tankstelle auch weiterhin ausgereicht. Aber wir wollten ein Begegnungszentrum schaffen”, nannte zum Beispiel Ayse Ilter, Vorstandsmitglied der Yunus-Emre-Moschee, den Grund für den privat finanzierten Moschee-Neubau.

Asma Hawari, Vorstandsmitglied der Bilal-Moschee, brachte es schließlich auf den Punkt: „Das direkte Kennenlernen ist wichtig für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben.” Yannicks geschwungener Name in Arabisch über dem Bett oder Schreibtisch des Achtjährigen hilft da aber sicher auch auf seine Weise mit.
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