Tag der Arbeit: Am 1. Mai ist „Zeit für mehr Solidarität“

Von: Werner Czempas
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Für Solidarität: Gemeinsam mit der Kirche und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung ruft der DGB wieder zur Kundgebung am 1. Mai auf. Foto: imago/IPON

Aachen. „Zeit für mehr Solidarität“ heißt das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai am kommenden Sonntag. In Aachen bewährt sich dabei wieder eine seit Jahren nicht nur zum Tag der Arbeit gepflegte Zusammenarbeit: An der Seite des DGB steht die Kirche und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung KAB.

„Am 1. Mai demonstrieren wir für mehr Solidarität – zwischen den arbeitenden Menschen, den Generationen, Einheimischen und Flüchtlingen, Schwachen und Starken. Es ist an der Zeit für mehr Solidarität, und wir brauchen Zeit für mehr Solidarität“ heißt es im Mai-Aufruf des DGB.

Das Wort Zeit griff Ralf Woelk, Geschäftsführer der Aachener DGB-Region NRW Süd-West, auf. Es habe doppelte Bedeutung: „Es ist an der Zeit, viele gesellschaftspolitische Dinge anzupacken – und dazu brauchen wir wieder mehr Zeit.“

Das Wort Solidarität könne antiquiert und verstaubt klingen, das aber sei es keineswegs. Es sei ein Wort, das die Gewerkschaft jahrzehntelang hochgehalten habe, es sei ihr Gründungsmotiv. Ralf Woelk: „Solidarität ist das Gegenmodell zur Ellbogengesellschaft.“

„Gerechte steuerliche Belastung“

Solidarität sei ein Kennzeichen der Arbeitsgesellschaft. Der DGB habe das Thema gezielt auch mit Blick auf die Bundestagwahl im kommenden Jahr gewählt. Es gehe unter anderem um eine „gerechte steuerliche Belastung aller Menschen“. Mit direktem Hinweis auf die in diesen Tagen in den Medien kolportierte 100-Millionen-Euro-Spende der milliardenschweren Unternehmerin Susanne Klatten kritisierte Woelk: „Es ist etwas falsch im Land, wenn Unternehmer gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld“, im Vergleich zu ihrem Reichtum lächerliche Summen spendeten und sogar bestimmten, was mit dem Geld geschehe.

Das wäre ein auf „Almosen der Superreichen“ angewiesenes Land. Er forderte ein Ende der „Schwarze-Null-Politik“ und sagte: „Der Weg vom Sozialstaat zum Almosenstaat ist das Gegenteil von dem, was die Gewerkschaften wollen.“

Die „Rückkehr zur vollen Parität“ bei der Sozialversicherung sei ein weiteres Ziel. Steigende Kosten der Krankenversicherung würden allein den Arbeitnehmern aufgebürdet, während der Arbeitgeberanteil eingefroren worden sei. Auch bei den Renten sieht Ralf Woelk Tendenzen, etwa durch jüngste Äußerungen des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, dass der Staat „nur noch einen Bruchteil“ seiner bisherigen Leistungen in die Rentenkasse übernehmen wolle.

„Zeit für mehr Solidarität“ sei mithin kein „harmloser Spruch“. Solidarität als Wert für die Gesellschaft, ein Wert, der die Gesellschaft zusammenhalte, müsse „neu bestimmt“ werden. Für diese Aufgaben brauche der Staat Geld. Da sei „genug vorhanden“, der Staat müsse es „nur einfordern“.

„Sonntags-Allianz“

„Als Kirche sind wir solidarisch unterwegs mit den Arbeitnehmern“, ergänzte Ursula Rohrer, Gemeindereferentin und Betriebsseelsorgerin beim Bistum Aachen. „In der Region Aachen sind wir mit dem DGB schon lange Zeit unterwegs“, betonte sie als Vertreterin vieler kirchlicher Verbände.

Katholische Verbände und Vereine und Pfarreien habe sie aufgerufen, an der 1. Mai-Feier teilzunehmen. Für die Kirche gehe es dabei um eine „Sonntags-Allianz“, um den arbeitsfreien Sonntag. Der siebte Tag der Woche sei „als Schöpfungstag jahrhundertelang geschätzt“ worden, in heutiger Zeit aber werde er immer mehr verworfen.

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