Aachen - Täter muss dauerhaft in die Psychiatrie

Täter muss dauerhaft in die Psychiatrie

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Dieses Mal war der Beschuldigte Riadh B. (42) mucksmäuschenstill. Er hörte bei der Verkündung der Gerichtsentscheidung genauestens zu, das Schwurgericht wies ihn am Dienstag dauerhaft in die Psychiatrie ein.

Zuhören, das hatte der Tunesier, der zuletzt getrennt von seiner deutschen Ehefrau lebte, nicht immer getan. Oftmals war er laut polternd aufgesprungen und beschimpfe Anwesende im Gerichtssaal, darunter beispielsweise die Psychiaterin.

Mit der hatte er wie gleichermaßen mit der Polizei anscheinend ein Hühnchen zu rupfen. Denn die Psychiaterin beispielsweise hält ihn für krank, doch B. will das nicht einsehen. Bei dem Tatvorwurf, der dem Mann mit einem Aussehen wie Terrorist Osama bin Laden gemacht wird, ist es sowohl unabdingbar wie gleichzeitig besser für den Täter, wenn er in ärztliche Obhut kommt.

Eines stellte die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl ausdrücklich fest: „Der Beschuldigte ist schwer krank. Er leidet unter einer paranoiden halluzinatorischen Psychose.” Genau das hatten die vier jungen Mädchen im Alter zwischen 14 bis 16 Jahre nicht gewusst, die im Sommer 2009 die Wohnung von „Osama”, wie sie ihn nannten, als Rückzugsgebiet vor Eltern und Schule nutzten. Dort im Hochhaus am Hansemannplatz gingen sie ein und aus im 6. Stock und versorgten sich desöfteren mit Alkohol und „wahrscheinlich auch mit Marihuana”, so das Gericht.

Am Nachmittag des 31. August dann rastete Osama völlig aus, fühlte sich wieder von Spionen verfolgt, zwei Mädchen, Nadja und Asie, waren da in seiner Wohnung. „Er zeigte ihnen Bomben”, so das Gericht über den bereits beschriebenen Tatverlauf, der gegen 17 Uhr an jenem Tag eine Hundertschaft Polizei auf den Plan rief und zur stundenlangen Sperrung der Peterstraße führte.

Muslimin verschont

Besonders Nadja nahm der Rasende aufs Korn, die andere ließ er in Ruhe, weil sie Muslimin sei, sagte er: Trotzdem verletzte er beide Mädchen mit einem Messer, Nadja stach er tief ins Bein, schleppte sie auf den Balkon im 6. Stock, von dem er bereits die Handys der Mädchen geworfen hatte.

„Er dachte, sie würden ihn mit den Handys ausspionieren”, erklärte Nohl die Lage. Richtig gefährlich wurde es, als er die 15-jährige Nadja über die Balkonbrüstung in die Tiefe stürzen wollte, sie konnte sich mit aller Kraft dagegenstellen.

„Sie wehrte sich vehement”, beschrieb der Richter die schlimme Situation. Und er sagte: „Das war kein Spaß”. Riadh B. hatte das alles als ein spaßiges Freizeitvergnügen hinstellen wollen. Doch auch seine Noch-Ehefrau hatte bei ihm seit 2003 immer öfter Ausraster feststellen müssen, die sich auch gegen sie richteten - sie zog 2009 aus.

2003 war der Tunesier mit Abitur, der aus reichem Hause stammt und sich als Schriftsteller bezeichnet, von einem Bekannten beschuldigt worden, einen Bombenanschlag in Berlin zu planen. „Der Verdacht war zu Unrecht”, stellte das Gericht fest.

Ein SEK rauschte an

Aber es rauschte ein Sondereinsatzkommando in der Laurensberger Wohnung an und überrumpelte die gesamte Familie. Ergebnis: Das Ehepaar, das dort bei den Eltern der Frau wohnt, musste ausziehen, Osama kam zwei Mal vorübergehend in die Psychiatrie.

Auch am Vortag des 31. August soll der 42-Jährige, der täglich rund um das Gebiet zwischen Bushof und Promenadenstraße streunte, einen Zusammenstoß mit der Polizei gehabt haben - danach fühlte er sich erneut verfolgt und machte sich zum vermeintlichen Bombenbauer.
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