Täter gibt sich als Polizist aus

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Marko H. (39) saß am Donnerstag im Schwurgericht hinter einer Abtrennwand. Der Schutz war notwendig, weil eine 53-jährige Zeugin ihn erst am Ende ihrer Vernehmung zu Gesicht bekommen wollte, so groß war noch ihre Angst.

Dann aber erkannte sie ihn als denjenigen, der sie im Oktober 2009 in heillosen Schrecken versetzt hatte.

Vor dem Aachener Schwurgericht muss sich der 39-Jährige allerdings wegen versuchten Mordes an seiner Chefin, begangen ebenfalls im Oktober vergangenenen Jahres, verantworten. Sie hatte er mit zwei Messerstichen schwer verletzt, weil sie seinen merkwürdigen Verlangen, ein Mal ihren Rock anfassen zu dürfen, nicht nachgekommen war. Die Tat in einer Zeitarbeitsfirma am Theaterplatz hatte viel Staub aufgewirbelt, über die Motive des Staplerfahrers herrschte Unklarheit.

Krankhafte Züge

Doch auch sein Vorgehen bei der Boutique-Verkäuferin, die er im Laden mit fingierten Telefonaten im Namen der Kriminalpolizei unter Druck setzte, zeugte zwar von einem durchdachten Plan, hatte andererseits auch krankhafte Züge.

Die Zeugin berichtet, dass der Mann sich morgens in der Boutique meldete, um neue Kleider, eine Bluse und einen Rock für eine Freundin zu kaufen. Dann aber rief er an, er wolle die Sachen am nächsten Tag abholen. Später noch meldete sich ein angeblicher Kripobeamter, der die Verkäuferin vor einem Mann warnte, der ein Vergewaltiger sei und der genauso aussah wie besagter Kunde.

Misstrauen zahlte sich aus

Das Infame: Der Anrufer - mutmaßlich der Angeklagte selbst - wollte die Verkäuferin dazu bringen, dem Vergewaltiger eine Falle zu stellen, ihn nämlich kurz vor Ladenschluss nochmals ins Geschäft zu lassen. Nicht auszumalen, was dann passiert wäre. Die Verkäuferin aber traute dem nicht, sah nicht ein, dass auf ihre Kosten ein angeblicher Vergewaltiger gefasst werden sollte und schloss schnellstens die Türe ab. Als sie dem 39-jährigen nun ins Gesicht sah, sagte sie spontan: „Ja, das ist er.”

Die psychiatrische Gutachterin berichtete, dass der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt habe. Er sei minderbegabt und habe Zwangsvorstellungen mit einer sexuellen Komponente entwickelt. Nach einem Urteil müsse er zunächst zur Therapie in eine psychiatrische Anstalt.

Am Nachmittag ging es um einen Brief des Angeklagten aus dem Gefängnis. Darin hatte er im Nachhinein seine Chefin bedroht und zugegeben, dass er die Tat geplant hatte. Nun gab H. zu, den Brief eigenhändig verfasst zu haben, zunächst behauptete er, ein Mitgefangener habe das alles formuliert. Das Verfahren geht heute mit den Plädoyers weiter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert