Symbole eines schweren Weges vieler Langzeitarbeitsloser

Von: Svenja Pesch
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Ausstellungseröffnung mit 25 gedrechselten Kreiskegeln: Menschen in schwierigen Lebenssituationen weisen im Garten des Hauses der Caritas auf den schwierigen Weg zurück in die Arbeitswelt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Benjamin H. hat geschafft, was viele der insgesamt 25.000 Langzeitarbeitslosen in der Städteregion Aachen hoffen. Er arbeitet als Schreiner in einem Unternehmen. Dabei sah es anfangs alles andere als rosig für ihn aus. Ohne Schulabschluss und folglich ohne Ausbildungsplatz hing er die meiste Zeit nur in den eigenen vier Wänden. Zur Trostlosigkeit gesellte sich einige Zeit später der Alkohol.

Das Leben abseits der Gesellschaft schien programmiert. Doch durch eine Arbeitsmaßnahme und vor allem dank Menschen, die an ihn geglaubt haben, schaffte es Benjamin H. vom Rande in die Mitte der Gesellschaft. Stellvertretend für die Zahl der Arbeitslosen in Aachen, die bisher nicht so viel Glück hatten wie Benjamin H., erarbeitete das Kunstprojekt „Spectrum“ des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien (RVKA) mit fünf Langzeitarbeitslosen die Installation „SGB II Hain“, die ab sofort im Garten des Hauses der Caritas besucht werden kann.

Der Titel bezieht sich auf das Arbeitslosengeld II, das im Sozialgesetzbuch geregelt ist. Der Hain besteht aus insgesamt 25 von Hand gedrechselten Kreiskegeln, die von Menschen in schwierigen Lebenssituationen in einer Eschweiler Holzwerkstatt angefertigt wurden. Begleitet und unterstützt hat die Teilnehmer Peter Bollermann.

Der Mathematiker hat selbst viele Jahre für die Caritas gearbeitet: „Wir haben letztes Jahr in der Osterzeit mit den Arbeiten angefangen. Einmal wöchentlich haben wir uns getroffen und die Holzstücke immer weiter gedrechselt. Die viereckigen Klötze wurden Stück für Stück rund geschliffen, und die Teilnehmer konnten so ihre Kreiskegel individuell anfertigen“, erzählt Bollermann.

Für Gerald König, Vorsitzender des Rheinischen Vereins, haben die Figuren zudem einen symbolischen Charakter: „Die 25 Kegel stehen für viele Dinge. Die einzelnen Ringe können als Jahresringe verstanden werden, wo jeder Ring auf ein Jahr der Arbeitslosigkeit verweist. Durch das Holz sieht jedes einzelne Teil anders und individuell aus. Genau wie der Lebenslauf eines jeden einzelnen völlig einzigartig ist. Für die Betroffenen ist es teilweise extrem schwer, mit der Arbeitslosigkeit fertig zu werden. Durch das Projekt „Spectrum“ bekommen sie wieder eine Tagesstruktur und sie erkennen, dass sie gebraucht werden.“

Was alle Werke vereint, ist die Einarbeitung von 25 Einkerbungen, die an die Jahresringe von Bäumen erinnern. „Spectrum“ arbeitet seit mehr als 25 Jahren mit langzeitarbeitslosen Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen. Der Hain soll in Zukunft nicht nur im Garten der Caritas zu sehen sein, sondern da es sich um eine Wanderausstellung handelt, auch in diversen anderen Einrichtungen.

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