Aachen - Sylvie Schenk liest aus ihrem neuestem Werk „Bodin lacht“

Sylvie Schenk liest aus ihrem neuestem Werk „Bodin lacht“

Von: Ines Kubat
Letzte Aktualisierung:
7068763.jpg
Literatur und Musik: Sylvie Schenk las in der Buchhandlung Schmetz am Dom aus ihrem neuen Werk „Bodin lacht“, Heribert Leuchter begleitete sie dabei musikalisch. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Manche sagen es ist ein Krimi, ich glaube es ist gar keiner. Aber natürlich musste ein Mord geschehen, denn ohne einen Mord, ist kein Buch interessant“, schmunzelt Autorin Sylvie Schenk verschmitzt vom Rednerpult zum lese-hungrigen Publikum.

Mit ihrer melodischen Stimme und dem charmanten Akzent las die Deutsch-Französin in der Buchhandlung Schmetz am Dom aus ihrem neuesten Roman „Bodin lacht“.

Musikalisch begleitete sie Heribert Leuchter: Gemeinsam haben die beiden schon an zahlreichen Büchern gearbeitet, und auch für „Bodin lacht“ hat Leuchter beim Lesen seine eigene Interpretation für die Szenen gefunden und diese atmosphärisch vertont. Mal getragen und schwerfällig, mal seltsam beschwingt leitet er das Publikum in das jeweilige Kapitel beziehungsweise Feld ein: Denn „Bodin lacht“ ist in 63 Felder unterteilt – es sind die Felder des Gänsespiels, dessen Abbildung den Einband des Buches schmückt.

Und die Symbolik dieses Spiels, das sich schon im 15. und 16. Jahrhundert besonders zu Hofe großer Beliebtheit erfreute, mag sich auch Schenk zu Nutze gemacht haben. Denn man sagt, die Reihe aus Feldern entspräche dem Lebensweg eines jeden Menschen, der immer wieder gesäumt ist von Glück und Pech, Gewinn und Verlust, plötzlichen Wendungen und Rückschlägen. Und genau diese Vielschichtigkeit der Handlung und Charaktere findet sich in „Bodin lacht“ wieder. In dem Buch geht es zunächst um Martin beziehungsweise Martine: Er wurde als Hermaphrodit geboren, hat also keine komplett ausgeprägten Geschlechtsorgane, und befindet sich – obgleich seine Mutter ihn gern als Mann sehen würde – in einem ständigen inneren Kampf zwischen den zwei Geschlechtern. Als Außenseiter verliert er sich häufig in Naturbeobachtungen und verbringt Stunden am Ufer eines Sees. Genau deshalb gerät er auch ins Visier der Ermittler, als an dem See, wo er zuvor eine Gans vor dem Tod rettete, seine Klavierlehrerin, die berühmte Pianistin Evelyn Gorda, gefunden wird: tot und gänzlich blau von den Spuren des Erstickens. Doch ist es tatsächlich möglich, dass der tierliebe Martin der jungen Frau, die er verehrte, etwas angetan hat?

Melodischer Sprachteppich

Als Leser folgt man den Nachforschungen der Polizistin Liliane Hoffmann, jedoch führen Schenks Beschreibungen immer wieder weg von den eigentlichen Ermittlungen, und man erhält einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt der handelnden Charaktere, so dass sich der scheinbare Krimi mehr und mehr in ein psychologisches Drama entwickelt. Bodin – Namensgeber des Buches – erscheint schließlich, als Martin ihn auf Drängen seiner Mutter aufsucht.

Scharfsinnig scheint die Autorin ihre Umwelt zu beobachten und mit bedachten Worten in einen fast lyrisch-melodischen Sprachteppich zu weben. Ihr bildhafter Schreibstil strotzt nur so von klugen Metaphern, nie gezogenen Vergleichen und einem Humor mit bitterböser Ironie und dramatischen Witz.

„Bodin lacht“ ist erschienen im Picus Verlag .

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert