Suermondt-Ludwig-Museum: „Blut und Tränen“-Ausstellung eröffnet

Von: Marie Eckert
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Museumsdirektor Peter van den Brink konnte am Mittwoch zur Ausstellung „Blut und Tränen – Albrecht Bouts und das Antlitz der Passion“ zahlreiche Besucher begrüßen. Foto: Andreas Herrmann
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Gezeigt werden bis zum 11. Juni 49 Werke des niederländischen Künstlers. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der große Raum ist abgedunkelt, im Hintergrund läuft leise Musik, an den Wänden hängen Bildnisse des leidenden Christus: Die aktuelle Ausstellung von Albrecht Bouts im Suermondt-Ludwig-Museum hat ihre ganz eigene, besondere Atmosphäre.

49 Werke des Niederländers aus aller Welt gibt es ab sofort in dem Aachener Museum zu sehen – eine Premiere für den mittelalterlichen Künstler, der nun seine erste Werkschau bekommt. Am Mittwoch wurde diese mit einer Veranstaltung in der Kirche St. Adalbert und einem Empfang im Museum eröffnet – wobei Museumsdirektor Peter van den Brink viele der Leihgeber aus der ganzen Welt, die teils aus Übersee angereist waren, in Aachen begrüßen konnte.

Bilder, die unter die Haut gehen

Wem der Name Bouts etwas sagt, der denkt womöglich erst an Dirk Bouts. Er ist der Vater von Albrecht Bouts, der zwischen 1451 und 1455 in Löwen geboren wurde, und war ebenfalls Maler. Die Ausstellung lässt den Sohn jedoch aus dem Schatten des berühmten Vaters treten: „Blut und Tränen – Albrecht Bouts und das Antlitz der Passion“ heißt sie – und geht dem Betrachter angesichts der eindringlichen Darstellungen unter die Haut.

Der Großteil der Ausstellung ist verschiedenen Brustbildnissen Christus‘ gewidmet. Er trägt die Dornenkrone, ein Zepter des Spotts, Blutstropfen treten unter ihr hervor und laufen die Stirn hinunter. Die Miene ist ernst, die ausdrucksstarken Augen blicken dem Betrachter direkt entgegen, ganz unverblümt und voll von Trauer, manchmal gerötet von den Tränen, die die Wangen herabrollen. Der Mund ist leicht geöffnet, die Hände mitunter angehoben und von den Wundmalen der Kreuzigung geschunden.

Als die Bilder entstanden sind, regte die Strömung des „Devotio Moderna“ das private Mitleiden mit Christus an – und tatsächlich wirken die Bilder so eindringlich, die Tränen so echt. Der Hintergrund ist einfach gestaltet, zumeist nur in einem hellen oder dunklen Farbton. Das verstärkt die Wirkung des leidenden Christus nur zusätzlich, man kann sich den schmerzvollen, trauernden Blicken nicht entziehen, wird von keinen Details im Hintergrund abgelenkt.

Auf einigen Werken ist außerdem die Mater Dolorosa, die Schmerzensmutter, abgebildet, die oftmals mit gefalteten Händen am Betrachter vorbei blickt. Die anderen Werke Bouts zeigen als Tondi konzipierte Gemälde der Johannesschüssel, das abgeschlagene Haupt von Johannes dem Täufer auf einer Schale platziert.

Ergänzend zu Bouts künstlerischer Aufarbeitung der Passion stehen andere Bildnisse Christi aus dem Umfeld Bouts mit im Raum aus, unter anderem von Hans Memling und Colijn de Coter. An dieser Stelle werden die Eigenheiten Bouts besonders deutlich: Während er sich auf das das leidende Gesicht Jesu fokussiert, ist Christus bei de Coter und Memling weit über den Brustbereich dargestellt.

Bei Memling ist er seitlich gezeichnet, bei de Coter gar mit detailliertem Hintergrund in einem Haus. Außerdem stehen in vier Vitrinen plastische Johannesschüsseln von verschiedenen Künstlern, die faszinierend und zugleich schrecklich real wirken. Noch bis zum Sonntag, 11. Juni, ist die Ausstellung von dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr im Suermondt-Ludwig-Museum zu sehen, Tickets kosten acht Euro, ermäßigt vier Euro.

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