Suche nach dem Zugang zur Mutterreligion

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Besuch vor Ort: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars erlebten einen hochinteressanten Besuch in der Aachener Synagoge. Foto: Andreas Steindl
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Freut sich auf den Dialog: Rabbiner Mordechai Bohrer zeigte seinen Besuchern auch die Heiligen Schriften Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wie viel Kenntnis haben Christen, explizit Religionslehrer, eigentlich über ihre „Mutterreligion“, das Judentum? Können sie Partei ergreifen, wenn antisemitische Auffassungen die gesellschaftliche Diskussion durchströmen? Guido Meyer, Professor für Religionspädagogik am Institut für Katholischen Theologie an der RWTH Aachen, hatte nicht diesen Eindruck.

Er wollte seine Absolventen besser auf Diskussionen im Klassenzimmer vorbereiten. „Können sie nicht adäquat und mit entsprechendem Hintergrundwissen reagieren, stehen sie sowohl vor den Hetzern, als auch vor der Gegenseite schlecht da. Das ist in jeglicher Hinsicht kontraproduktiv“, meinte er. Religionspädagogische Handlungskompetenz solle den Studierenden vermittelt werden.

Meyer gab seinem Mitarbeiter Dr. Christian Bremen, zuständig für Kirchengeschichte, den Auftrag, ein Seminar zum Thema Antisemitismus zu konzipieren. Bremen nannte es „Erscheinungsformen des Antisemitismus“, die von der Zeit der Entstehung des Neuen Testaments bis heute reichen.

Doch die Studierenden wollten das Judentum nicht auf diesen Aspekt allein reduzieren. „Die intensive Auseinandersetzung im Studium führte mich zu der Erkenntnis, dass ich selbst keinen Berührungspunkt zum heutigen Judentum habe. Als zukünftiger Religionslehrer sehe ich es aber als notwendig an, den Dialog mit der jüdischen Gemeinde zu suchen“, erklärte Student Jonathan Mühlen, warum er sich für das Seminar interessierte. Denn wer weiß schon, was genau der Talmud beinhaltet oder wie viele Vorschriften orthodoxe Juden einhalten müssen? Was hat es mit dem Bezug zum zerstörten Tempel auf sich und wie leben die unterschiedlichen Strömungen des Judentums heute miteinander? Im Moment steht das Judentum im Curriculum der Studieninhalte gleichberechtigt neben den anderen großen Weltreligionen.

Das Seminar „Geschichte der Aachener Synagogengemeinde“ im jüngst abgelaufenen Sommersemester war die Konsequenz aus den Rückmeldungen (siehe anderer Artikel unten). Und im kommenden Semester soll das Gedenk-buchprojekt des Vereins „Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoa aus Aachen“ praktischer Inhalt eines weiteren Seminars sein. „Als Dozent sehe ich darin eine logische Folge“, meinte Bremen.

Schon jetzt hätten die Studierenden ein großes Interesse an vertieften Informationen und an kontinuierlichen Beziehungen zur jüdischen Gemeinde gezeigt, das die Verantwortlichen in der Synagoge durchaus erwiderten. Das bestätigte auch Studentin Christina Mehls: „Während des Seminars ist deutlich geworden, dass uns oftmals eine Sensibilisierung für die verschiedenen Formen von Antisemitismus, aber auch für jüdisches Leben in unserem Alltag, fehlt.“ Der Antijudaismus als auch der Antisemitismus seien präsenter in Deutschland, als man sich eingestehen möchte. Die jüdischen Mitbürger fühlten sich oft dazu gezwungen ihre Religion zu verbergen, aus Angst beschimpft oder bedroht zu werden. Der ewig präsente Streifenwagen am Synagogenplatz ist nur ein Ausdruck davon.

Sowohl die Studierenden als auch Bremen möchte diese intensive Art der Auseinandersetzung mit der „Mutterreligion“ in der Lehrerausbildung gern institutionalisieren und zeigte sich optimistisch: „Der Anfang ist gemacht. Wir haben gemeinsam eine gute Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit geschaffen“, fand Bremen. Der interreligiöse Dialog sei ohnehin ein Kernelement des Instituts.

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