Stürmischen Jecken geht nie die Puste aus

Von: Robert Esser
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Narren trotzen Schmuddelwetter: Im Hof jubiliert die Tropi-Garde mit den „Originalen“. Foto: Andreas Steindl, Andreas Schmitter, Robert Esser
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Am Jonastor lassen Prinz Thomas III., Kinderprinz Luc I. und Prinzengardenkommandant Dirk Trampen die Korken knallen. Foto: Andreas Steindl, Andreas Schmitter, Robert Esser
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Spitzenstimmung: Am Jonastor in Burtscheid regieren die Möhnen.
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Sagenhaft: Im Herzen des riesigen Uniklinikums steigt Fettdonnerstag eine der stimmungsvollsten Partys der Stadt – hier mit De Spetzbouve.

Aachen. Mit 120 Stundenkilometern sollte Thomas über die Bühne fegen – so die Wettervorhersage. Da hatte Petrus I. die Rechnung offenbar ohne „unseren“ Thomas III. und vor allem den Kommandanten der Prinzengarde seiner Tollität, Dirk Trampen, gemacht. Denen geht nämlich nie die Puste aus.

Und der Bordcomputer der Kommandanten-Limousine hatte längst Entwarnung in Sachen Sturmtief gegeben: Tröstende Voraussetzung für den Öcher Wiverfastelovvend, zu dem in die Innenstadt und Burtscheid bei regnerischem Wetter mehr Narren strömten als von manchem Jeck befürchtet.

„Vollgas, den ganzen Tag, habt Spaß!“, lautet somit Trampens Losung schon am frühen Morgen vor dem ersten Termin. In Windeseile hetzen die 30 Gardisten mit Prinz, Hofstaat, Tanzpaar, Ehrensenat, Elferrat des Aachener Karnevalsvereins (AKV), AKV-Ballett und Ehrenhüten am Fettdonnerstag durch die Stadt. In elf Großraum-Fahrzeugen, mit jeder Menge Material – und immer einem Lächeln auf den Lippen. Wohl auch deswegen fliegen dem strammen Trupp die Herzen der Damen an Wiverfastelovvend nur so zu.

18 Auftritte quer durch die Stadt, teils nur 20 Minuten hintereinander: „Ja, da brauchst Du schon eine strikte und vor allem erprobte Logistik“, sagt Trampen. Und rückt sich kurz die großen goldenen Eichenlaubschulterklappen und die gelb-bespitzte Plüm auf dem Gardisten-Hut zurecht. Dann pfeift Adjutant Egon Klinkenberg – und es geht für die rot-blaue Mannschaft zwischen 28 und 75 Jahren mit Livemusik der Garden-Kapelle in den nächsten Saal.

In der Sparkasse Aachen reimt Vorstandschef Hubert Herpers, in der Tiefgarage der Industrie und Handelskammer muss Mariechen Janine Wolff bei der Hebefigur den Kopf unter Tanzoffizier Sandro Gallazini einziehen, beim Karnevalsempfang der Städteregion knackt die Raumtemperatur die 35-Grad-Grenze, während danach am Jonastor in Burtscheid die usselige Nässe in Dutzende Gesichter auf der Bühne peitscht. Kein Problem.

Prinz Thomas III. herzt Kinderprinz Luc I. beim närrischen Gipfeltreffen – und hunderte kostümierte Gäste der Oecher Spritzemänner singen selig mit: „Dat es Oche, dat es Heämet“. Genauso viele feiern im Zelt der Oecher Penn auf dem Katschhof, hunderte tanzen im „Festsaal“ des Uniklinikums, im Foyer von Misereor, im studentischen Keller des RWTH-SuperC, bei der Fachhochschule und an vielen anderen Orten Aachens – bis nach Brand und Richterich.

„Das ist einfach phänomenal, großartig: Hier werden wir überall fantastisch begrüßt“, sagt Trampen. Und freut sich, wie sensationell der diesjährige Prinz Thomas III. bei jedem gemeinsamen Auftritt ankommt. „Thomas ist einfach genial, immer gut drauf, singt live – der Junge ist wirklich perfekt“, lobt der erfahrene Kommandant.

Knapp 200 Auftritte haben die Prinzengardisten und das Prinzenteam diese Session schon gemeinsam absolviert. „Und jedes Mal ist alles so frisch und fröhlich wie beim ersten Mal“, strahlt Trampen. Einmarsch, Ausmarsch: Die Paradedisziplinen sitzen so gut wie die Auftritte auf der Bühne und am Mikrofon. Hier ein Wort zum Thema „Ausstieg Tihange“, dann ein Satz zur „besten Bank der Welt“, Dank an Hauptsponsor Mercedes Benz, Lob an die Jecken bei Wind und Regen vor der Bühne: „Das ist hier so so geil wie nirgendwo sonst.“

Trampen trifft den richtigen Ton – je nach Ort, Publikum und Bedarf. „Der kann‘s einfach“, sagt einer der Seinen im Vorbeigehen. Und ein Hofstaatsmitglied ergänzt: „Wichtig ist, dass man bei all dem Stress so richtig zusammenhält. Das passt einfach.“ Dann lassen sich die uniformierten Gardisten erzählen, wie es anderswo läuft: Die Tropi-Garde räumt mit eigenem Programm und den 4 Amigos am neuen Fettdonnerstag-Spielort im Hof (statt Münsterplatz) so richtig ab.

„Das ist echte Arena-Atmosphäre – toll, so machen wir weiter“, freut sich Tropi-Generälin Sarah Siemons. Es gibt so viele Highlights auf den Bühnen: Dazu zählen sicher die Öcher Originale und De Spetzbouve. Oche Alaaf im Minutentakt. Bis zum Abend im Ratskeller. Da verabschieden die Prinzengardisten mit ihrem Chef Dirk Trampen noch ihre holländische Hauskapelle. Sehr emotional. Aber auch rasant. Am Wochenende geht‘s weiter, dann mit der berittenen Formation beim Rosenmontagszug. Oche Alaaf, Petri Heil! Ohne Windeseile Kamelle fischen...

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