Stümperhafte Schauspielerei einer Drogensüchtigen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Was so richtig am Ostermontag 2012 in seiner Wohnung in der Steinkaulstraße geschehen war, wusste der pensionierte Chemiker (65) am Montag im Zeugenstand nicht mehr genau.

 „Geknebelt? Daran kann ich mich nicht richtig erinnern“, entgegnete er Richter Arno Bormann, dem Vorsitzenden der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, erstaunt.

Allerdings wusste der Mann, der damals in übelster Manier einer mutmaßlichen Prostituierten aus der Drogenszene am Kaiserplatz auf den Leim gegangen war, vor Gericht dann doch noch, dass er dort in seiner Wohnung von zwei Männer ausgeraubt worden war. Zwei maskierte Männer hatten ihn an den Tisch gefesselt, mit einem Fleischerbeil sowie einem Messer bedroht und schließlich um Portemonnaie, Scheckkarten und Handy-Karte erleichtert.

Die beiden mutmaßlichen Täter im Alter von 35 und 43 Jahren sagten vor Gericht bisher nichts, wurden aber von der Mitangeklagten schwer belastet. Die 28-Jährige aus Düsseldorf hatte bereitwillig zugegeben, dass sie mit den beiden Drogenkumpels kurz zuvor den Tatplan abgesprochen hatte. Sie besorgten sich in einer Wohnung in der Aretzstraße Masken für das Gesicht, dann zogen sie morgens gegen 11 Uhr weiter in die nahe Steinkaulstraße. Denn da wohnte der angeblich lukrative „Doktor“, wie die langjährige Drogenabhängige das Opfer nannte.

Der damals in den Niederlanden beschäftigte Chemiker habe wohl genügend Geld, hatte sie ihren Mittätern schmackhaft gemacht. Und sie kenne ihn vom Drogenstrich in der Promenadenstraße. Hier hatte sie dem Mann einige Zeit vorher für dann doch nicht erbrachte Liebesdienste 50 Euro abgeknöpft, sie hatte den Freier schlicht „abgezogen. So, wie sie es in ihrer „Karriere“ in Hamburg, Hannover und Aachen des Öfteren gemacht habe, schilderte die seit dem 13. Lebensjahr drogenabhängige Angeklagte ihr Lebenskonzept.

Genau jene Abzockerei war jetzt der Schlüssel zur Wohnung des Akademikers am Morgen des Ostermontags. „Ich schellte an der Türe und sagte, dass ich komme, um die 50 Euro wieder gutzumachen“, beschrieb sie bei ihrer Einlassung den Trick. Er glaubte es: „Ja, ich dachte, sie wollte mir ihre Liebesdienste anbieten“, erklärte der Zeuge freimütig. Doch dass sie die Türe für die Mittäter aufgelassen hatte, merkte er erst später, als sie beim Eintritt der zwei vor ihm schauspielerte und rief „was wollt ihr den hier?“. Messerscharf schloss der kluge Mann aus der Satzgrammatik, dass sich die drei persönlich kennen. Der Prozess geht am 27. Juni weiter.

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